Das Kind als König! Wie wir bessere Kitas bekommen

Jetzt werden die Weichen gestellt, wie frühkindliche Bildung in Deutschland in Zukunft aussehen wird. Seit diesem Monat haben Kinder unter drei einen Rechtsanspruch auf Betreuung. Dadurch wird die außer Haus Betreuung weiter zunehmen (Betreuungsquoten der unter Dreijährigen 2012: 28 Prozent; Quelle: Statistisches Bundesamt).

Was passiert, wenn man Bildung vor allem dem Staat überlässt, ohne Konkurrenz, ohne den Druck besser zu werden, ohne den Wettbewerb, der dem Guten das Bessere folgen lässt, das sieht man am deutschen Schulsystem. Die Schüler, um die sich im Bildungssystem eigentlich alles drehen sollte, spielen nur eine Rolle von vielen. Auch wenn es anders kommuniziert wird: Die meisten Aktivitäten und Reformen stützen in erster Linie die Institution „staatliche Schule“, rechtfertigen sie, sorgen für ihre Beibehaltung.

Wie Schule heute aussehen könnte, dafür gibt es gute Beispiele. Deutschland hat noch einen weiten Weg vor sich, hin zu einem besseren Schulsystem, weil es die etablierten Strukturen aufbrechen muss. Geschaffene Institutionen kämpfen mit harten Bandagen für ihre Bedeutung und Größe.

Deswegen ist es so wichtig, dass auf dem noch relativ jungen Feld der Kinderbetreuung die Weichen richtig zu stellen. Noch ist das Zeitfenster offen, den Ordnungsrahmen für die frühkindliche Bildung so zu gestalten, dass Kinder und deren Wohl im Mittelpunkt steht.

Was es dazu braucht? Im Kern muss der Rahmen so gestaltet sein, die Anreize so gesetzt werden, dass Bildungsinstitutionen dann am meisten profitieren, wenn es auch den Kindern am besten geht. Und wann ist das so? Wenn Bildungseinrichtungen in Konkurrenz stehen. Wenn sie um die Kinder werben müssen. Wenn am Ende das beste Angebot den Zuschlag von Eltern und Kindern bekommt.

Die Weichen dafür sind bisher denkbar schlecht gestellt. Obwohl Bund, Länder und Gemeinden jährlich rund 17 Milliarden für Kindertagesbetreuung aus. Das sind zwei Drittel der gesamten Kosten (ein Drittel zahlen also die Eltern). Es fehlt an Konkurrenz und es gibt falsche Anreize gleich an mehreren Stellen.

Henrik Egbert und Andreas Hildenbrand haben dies in dem Paper “Strukturelle Hemmnisse für den Ausbau der Kindertagesbetreuung in Deutschland“ .pdf anschaulich aufbereitet (siehe auch Pixelökonom-Post).

  • Problem Nummer 1: Der ganz überwiegende Teil der Kitas liegt in staatlicher Hand oder in kirchlicher beziehungsweise charikativer Trägerschaft. Freie gewerbliche Träger werden häufig ausgeschlossen. Die Folge: Es fehlt an Wettbewerb.
  • Problem Nummer 2: Die Ausbildung des Personals wie der Betrieb von Einrichtungen liegen in der selben Hand. Der Ausbildungsmarkt wird von zwei Anbietergruppen dominiert: von Fachschulen für Sozialpädagogik in öffentlicher Trägerschaft und von staatlich anerkannten Fachschulen in kirchlicher Trägerschaft. Die Ausbildungsstätten dürften wenig Interesse haben, über ihren Bedarf auszubilden, etwa für neue (unliebsame) gewerbliche Konkurrenz. Die Folge: zu wenig qualifiziertes Personal.
  • Problem Nummer 3: Fehlender Anreiz zur Fortbildung des Personals. Wegen der unflexiblen, tarifilich fixierten Einkommen, lohnen sich Fortbildungen für die Fachkräfte meist nicht. Folge: Die frühkindliche Bildung und pädagogische Betreuung ist qualitativ nicht otpimal. Auch hier könnte ein freier Markt helfen, weil man mit qualifiziertem Personal Kunden (Kinder) werben kann.
  • Problem Nummer 4: Da der Staat einen Rechtsanspruch auf Kinderbetreeung gewährleistet, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er sich auch in die Bereitstellung von Kitapätzen dauerhaft einmischt. Er wird als staatliche Institution weiter Einrichtungen betreiben oder zumindest Einrichtungen finanzieren. Weil er meint, so seinem gesetzlichen Anspruch gerecht zu werden. Doch nicht durch Objekt-, sondern durch Subjektförderung entsteht Wettbewerb, werben Einrichtungen mit qualitativen Angeboten um die Gunst der Eltern. Nur wenn Letztere Kitas finanzieren (indem sie etwa Kitagutscheine, vom Staat erhalten, die sie bei Kitas einlösen können), haben Kitas auch das zentrale Interesse, ihre Angebote an Kindern und Eltern auszurichten.
  • Problem Nummer 5: Es ist sehr wahrscheinlich, dass sich die staatliche Bezuschussung der Kindererziehung gesellschaftlich auszahlt. Ökonomisch spricht man von positiven externen Effekten, weil eben die Kindererziehung nicht nur den Eltern, sondern vielen in der Gesellschaft zu Gute kommt. Und sei es nur durch Steuereinnahmen. Damit der Staat aber das richtige Maß der Förderung findet, muss er selbst den Anreiz haben, von der Förderung zu profitieren. Unser verfilztes Steuersystem lässt aber dies kaum zu. Der Ertrag, der in Form von höheren Steuern und Beiträgen zurückfließt, sobald die Kinder erwachsen und berufstätig sind, kommt in erster Linie dem Bund, den Ländern und Sozialversicherungsträgern zugute. Die Kosten lasten hingegen größtenteils auf den Gemeinden. Im Jahr 2009 übernahmen sie rund 40 Prozent der öffentlichen Bildungsausgaben im Elementarbereich – Länder und privater Bereich jeweils 30 Prozent (Quelle: Berlin-Institut). Mit anderen Worten: Wer zahlt, profitiert nicht. Was es daher braucht: Entweder ein größeren Finanzierungsanteil auf Landes- und Bundesebene. Noch besser: Finanzautonomie auf Gemeindeebene, etwa durch einen Zuschlag auf die Einkommen- und Körperschaftsteuer.

Der Weg zu einer starken, zeitgemäßen, stetig besser werdenden frühkindlichen Bildung ist weit. In der politischen Diskussion findet er praktisch nicht statt. Dort geht es um die Zahl der Plätze und um Geld. Geld aber sollte am Ende, nicht am Anfang der Debatte stehen. Eine Debatte, die vielleicht wichtiger ist, als alles anderen. Denn kleine Kinder sind sehr viel klüger, als wir vor zwanzig, dreißig Jahren noch für möglich gehalten haben, schreibt Christine Brinck in der Zeit. Die Kinder in dieser Phase nicht zu fördern, ist fatal.

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3 Kommentare zu „Das Kind als König! Wie wir bessere Kitas bekommen

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