Der Anreiz bleibt: Warum Russland besser nicht bei den Olympischen Spielen in Brasilien dabei sein sollte

Der Kampf gegen Doping ist bekanntlich überschaubar erfolgreich. Das ist polit-ökonomisch gesehen wenig verwunderlich. Denn für jeden einzelnen Staat wie für jeden Sportler besteht der Anreiz, sich einen Wettbewerbsvorteil durch Doping zu verschaffen. Dieser Vorteil wird umso größer, je stärker andere Sportler/Nationen auf Doping verzichten. Denn umso größer ist der Leistungsunterschied, den gedopte Sportler im Vergleich zur sauberen Konkurrenz erzielen können.

Nur strikte Kontrollen versprechen Erfolg. Das Problem dabei: Das Kontrollsystem unterliegt den gleichen schlechten Anreizen. Dieses wird nämlich, wie beispielsweise die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), von den Staaten (mit)finanziert. Diese Staaten unterliegen aber – wie die Sportler – dem Anreiz, aus dem Anti-Doping-Kampf auszuscheren um ihren Erfolg (etwa der Medaillenspiegel bei Olympischen Spielen) zu mehren. Der russische Staat hat das in aller Dreistigkeit gezeigt. Und es ist kein Wunder, dass die Wada den Manipulationshinweisen lange nicht nachgegangen ist. Sie wird eben von denen mitfinanziert, die vom (geheimen) Ausbrechen aus dem Dopingsystem profitieren.

Der Erfolg versprechende Weg im Anti-Doping-Kampf ist für Verbände und Kontrolleure wie für Sportler der gleiche: Nur wenn die Wahrscheinlichkeit der Aufdeckung von Vergehen und die Höhe der Strafe den möglichen Erfolg übersteigt, wird das Ausmaß von Doping zurückgedrängt. Und deswegen ist die Zulassung von Russland bei den Olympischen Spielen in Brasilien eine herbe Niederlage im Kampf gegen ein tückisches System, das nur dann funktionieren kann, wenn alle wissen, dass Betrug keinen Erfolg bringt.

Siehe auch: „Kein Wille, kein Weg“ von Evi Simeoni, FAZ 02.08.2016

Wer es sich leisten kann, zieht aus – oder: Wie Wohlstand Motivationen offensichtlich macht

Man erkennt die Menschen bekanntlich weniger an ihren Worten, als an ihren Taten. So wird bisweilen gerne das Bild vom segensreichen Zusammenleben mehrerer Generationen unter einem Dach beschworen. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Je wohlhabender Gesellschaften sind, desto seltener gibt es solche Formen des Zusammenlebens. 

Die Regel ist vielmehr: Wer es sich leisten kann, zieht aus. In nur gut einem Viertel (28,1 Prozent) aller Haushalte in Deutschland lebt mehr als eine Generation, zeigen die neuesten Mikrozensus-Daten des Statistischen Bundesamtes. In aller Regel sind das Erwachsene mit ihren ledigen Kindern (26,9 Prozent aller Haushalte). 

Nur in 0,7 Prozent aller Haushalte leben mittlere und ältere Generation zusammen. Und nur in 0,5 Prozent aller Haushalte leben drei oder mehr Generationen. Mit stark abnehmender Tendenz: Zwischen 1995 und 2015 ist deren Zahl um 40,5 Prozent von 351.000 auf 209.000 gesunken. 

Der wachsende Wohlstand offenbart, dass der idyllische Mehrgenerationen-Haushalt schon immer eine Ausnahme war.

Keine EU-Sanktionen gegen Portugal und Spanien

EU empfiehlt Geldbußen von null„, schreibt die FAZ. Spanien und Portugal müssen also keine negativen Konsequenzen für das haushaltspolitische Fehlverhalten der vergangenen Jahre tragen. Gibt es ein besseres Beispiel für schlechte Strukturen innerhalb der Euorpäischen Union als dieser „Sanktionsmechanismus“ bei zu hohen (Neu)Schulden eines Landes?

Weil in einem gemeinsamen Währungsraum der Anreiz steigt, sich zum Nachteil Dritter zu verschulden, wurde dieser Sanktionsmechanismus ursprünglich im Vertrag von Maastricht eingebaut. Doch dem Mechanismus fehlt es bekanntlich an Durchsetzungskraft. Im Kern sind jene, die urteilen, auch die, die vom Urteil negativ getroffen werden können. Nach negativen Erfahrungen (Deutschland und Frankreich waren die ersten Defizitsünder, die sich um Konsequenzen erfolgreich drückten) wurde der Mechanismis geändert, er ist offensichtlich genauso zahnlos geblieben. Er wurde sogar verschlimmbessert. Die Sanktionskriterien wurden verkompliziert, sodass auch noch der öffentliche Druck abnahm. Was schwer zu verstehen ist, darüber lässt sich nur schwer eine Meinung bilden. Kein öffentliches Problembewusstsein und keine Sanktionen also – nur die Probleme bleiben.

„Die EU hat nie ernsthaft erwogen, die Kompetenzen vertikal klarer zu verteilen. In Sonntagsreden wurde zwar das Prinzip der Subsidiarität beschworen. Es war, wie so vieles in Brüssel, nicht mehr als eine Worthülse. Konkret mit Inhalt gefüllt wurde sie nie. Der EU-Kommission, der Hüterin der Verträge, kam diese Entwicklung gelegen. Sie konnte ihre Stellung ausbauen. Auch die Mitgliedsländer machten keinen Druck, ganz im Gegenteil. Für sie war die EU-Kommission oft der willkommene Sündenbock. Unangenehmes, das sie auf nationaler Ebene nicht anpacken wollten, übertrugen sie nach Brüssel. Das Ende vom Lied ist eine machtvolle Kommission. Ihre Strategie der Integration war zentralistisch. Sie setzte auf Erweiterung und Vertiefung. Das Prinzip der Subsidiarität wurde auf den Kopf gestellt. Die Realität wurde heterogener, die Integration zentralistischer. Nirgends wurden Kompetenzen zurückverlagert. Überall gab es nur eine Richtung: Mehr Europa, mehr Zentralismus. Diese Entwicklung gefällt immer weniger Mitgliedern der EU. Die Briten waren die Ersten, die sich konsequent gegen diese Richtung der Integration entschieden. Sie wollen raus. Andere werden folgen.“

Norbert Berthold in „Die Schlacht um Großbritannien

Verstecke Preise: Warum der Espresso teuer ist


Unterm Strich kostet bekanntlich vieles mehr als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Beim Buchen einer Flugreise erlebt man das beispielsweise regelmäßig. Oder beim Restaurant-Besuch. Weil der Hungrige nach einem attraktiven Hauptgericht Ausschau hält, gibt es Lockangebote. Zum Beispiel im Vaporetto. Pizza und Pasta für 7,50€, dafür kostet ein kleines Wasser 3,50€ und ein einfacher Espresso 2,90€! – Den Nepp haben (außer mir) wohl die meisten schon gecheckt, denn das Restaurant ist um die Mittagszeit ziemlich leer.