Kausalität und Korrelation: Bestimmt das Einkommen die Lebenserwartung?

Die Lebenserwartung steigt mit dem Lohneinkommen”, schreibt der Spiegel  in Auswertung des DIW-Papers „Besserverdienende profitieren in der Rentenversicherung zunehmend von höherer Lebenserwartung“ und suggeriert damit eine Kausalität, wonach die Einkommenshöhe die Lebenserwartung deutlich mitbedinge. Wie diese Kausalität zustande kommen soll, darüber liest man im Spiegel nichts. These: Sie gibt es so nicht. Die Möglichkeiten, Gesundheitsleistungen in Anspruch zu nehmen, machen sich in Deutschland nur zum kleinen Teil an Vermögen und Einkommen fest. Weiterlesen Kausalität und Korrelation: Bestimmt das Einkommen die Lebenserwartung?

Auf der Suche nach Gewinnern: Was wären die Konsequenzen einer Enteignung von Wohnungen?

“Markt macht Armut – Wohnen ist ein Menschenrecht”: Unter diesem Motto haben am Wochenende (nach Veranstalterangaben) 40.000 Menschen in Berlin demonstriert (hier Bewegbilder). Es ging gegen hohe Mieten und den Auftakt des Volksbegehrens “Deutsche Wohnen & Co. enteignen”. Wer aber würde durch eine Enteignung von Wohnungsbau- und Wohnungsvermietungsfirmen eigentlich gewinnen, wer verlieren? Ein Überblick.

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Klimaschutz als Geschäftsmodell: Wem die Politik die Klimarettung überlassen sollte

Politikern wird bekanntlich gerne (und in der Regel zurecht) vorgeworfen, dass sie nur in der kurzen Frist denken können. Bis zur nächsten Wahl, höchstens die Spanne des eigenen Politikerlebens im Blick habend. Da klingt es zunächst erfreulich, dass in der politischen Debatte um den Klimaschutz die kommenden Jahrzehnte in den Fokus gerückt sind. Weiterlesen Klimaschutz als Geschäftsmodell: Wem die Politik die Klimarettung überlassen sollte

Wir sollten Arbeit statt Nicht-Arbeit fördern

Soll Nicht-Arbeit stärker als bisher alimentiert werden? Durch eine Reform von Hartz IV? Durch ein bedingungsloses Grundeinkommen? Der Zeitpunkt für eine solche Debatte könnte unpassender nicht sein: Die Zahl der Hartz IV-Bezieher geht zurück (trotz vieler Geflüchteter), die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt hoch und das Verhältnis von Rentnern zu Arbeitenden wird weiter zunehmen. Weiterlesen Wir sollten Arbeit statt Nicht-Arbeit fördern

Die Trittbrettfahrer von Kattowitz

Der Klimaschutz leidet bekanntlich unter dem Trittbrettfahrer-Problem. Die Folge: Jedes Land hat ein Interesse, weniger als notwendig gegen den Klimawandel zu tun. Wie erfolgreich ist deshalb wohl mutmaßlich eine Klimaschutzpolitik, wie sie jetzt auf der Weltklimakonferenz in Kattowitz bestätigt wurde, bei der jedes Land weiter seine eigene Klimapolitik betreiben kann? Weiterlesen Die Trittbrettfahrer von Kattowitz

Wer braucht schon Wohlstand? – Ein Abend bei der Heiner-Müller-Gesellschaft

Ich hatte mich vorbereitet. Über Heiner Müller bei Wikipedia und Der ZEIT gelesen (Müller, 1987: “Arbeitslosigkeit, ökonomische Schwierigkeiten, die Probleme mit der Computerisierung, das alles ist doch nicht lösbar ohne eine globale kommunistische Perspektive.”). Ich hatte mir also schon gedacht, dass die Freunde der Marktwirtschaft es an diesem Abend nicht ins Deutsche Theater Berlin zieht. Ich war vorbereitet und wurde dennoch überrascht. In der zehnten Ausgabe des Müller-Salons wurde “Eldorado” (Deutschland/Schweiz 2018, 92 min.) gezeigt. Ein Film des Schweizers Markus Imhoof (geb. 1941 in Winterthur, seit 2003 in Berlin). Weiterlesen Wer braucht schon Wohlstand? – Ein Abend bei der Heiner-Müller-Gesellschaft

Warum Politiker einen steigenden Mindestlohn toll finden (müssen)

Die unerwartet starke Erhöhung des Mindestlohns wird mehrheitlich von der Politik begrüßt. Wie könnte es auch anders sein. Steigende Löhne sind etwas Gutes. Etwas anderes ist in der mit starken Verkürzungen arbeitenden Medienwelt kaum vermittelbar. Bereits eine Argumentation in drei Schritten dringt selten durch. Es gilt das Wenn-Dann-Paradigma. Und das lautet beim Mindestlohn: Ein höherer Mindestlohn ist zu begrüßen, weil dies höhere Löhne bringt. Oder negativ formuliert: Wer für einen niedrigen Mindestlohn votiert (oder sogar gegen den Mindestlohn ist), der gönnt den Menschen offenbar nichts oder steht wahlweise im Dienste von Kapitalinteressen. Der Politik bleibt deshalb kaum eine Wahl, als selbst einen möglichst hohen Mindestlohn zu fordern (bei SPD und Linke sind es 12 Euro). Weiterlesen Warum Politiker einen steigenden Mindestlohn toll finden (müssen)

Warum wählen so viele Italiener Populisten?

Warum wählen so viele Italiener Populisten? Nicht zuletzt, weil das politische Projekt der Euro-Einführung gegen die ökonomische Vernunft war. Ein großer Währungsraum braucht bekanntlich flexible Faktormärkte, um etwa Arbeitslosigkeit zu verhindern. Denn das Mittel der Abwertung zur Wiederherstellung von Wettbewerbsfähigkeit geht in einem einzigen Währungsraum verloren. Davor haben Ökonomen vor der Euro-Einführung einhellig gewarnt. Doch die notwendige Flexibilisierug hat in weiten Teilen Europas nicht stattgefunden. Die italienische Wirtschaft hat so Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt – mit verheerenden Konsequenzen für eine ganze Generation. Die Arbeitslosigkeit unter Italienern zwischen 15 und 24 Jahren liegt bei 32 Prozent! In keiner anderen Altersgruppe haben so viele Wähler für die europakritischen Populisten gestimmt. Bei der Wählergruppe zwischen 18 und 30 Jahren kamen die Fünf Sterne landesweit auf einen Stimmenanteil von 44 Prozent. Für die Lega gaben weitere 13 Prozent der Jungwähler ihre Stimme ab. Die Verantwortung für das Wahlverhalten der (jungen) Italiener liegt nur in Teilen in Italien.

Was ist eine „Diktatur der Marktwirtschaft“, Rem Koolhaas?

„Fast die ganze Welt hat sich der Diktatur der Marktwirtschaft unterworfen“ – Ein Interview mit diesem Titel (im aktuellen SZ-Magazin, Pay-Wall-Link) muss gelesen werden. Was der berühmte Architekt Rem Koolhaas wohl mit „Diktatur der Marktwirtschaft“ meint? Wie kann die freiwillige Interaktion zum gegenseitigen Vorteil eine Diktatur sein? Sie kann es nicht. Zumindest habe ich dazu im Text nichts gefunden. Das Zitat fällt zwar, aber erklärt wird es nicht. Nicht vom Intervieten, nicht nachgefragt vom Interviewer. Weiterlesen Was ist eine „Diktatur der Marktwirtschaft“, Rem Koolhaas?

Das Recht des Stärkeren: Warum das geplante Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit ein Fehler ist

Rechte zu haben, das ist per se positiv besetzt. Denn wer Rechte hat, kann sich durchsetzen. Umgekehrt gilt: Rechtlose sind arme Schlucker. Und so wird das von Arbeitsminister Hubertus Heil geplante Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit auf mehrheitliche Zustimmung stoßen. Weil es die Rechte der (mehrheitlich) Angestellten stärkt. Die Aussicht, seinen Arbeitgeber notfalls zwingen zu können, mehr arbeiten (und damit mehr verdienen) zu können, verschafft der Politik Zustimmung. Und dann lässt sich auch noch mit gesellschaftlicher Notwendigkeit punkten, wonach vor allem Frauen Teilzeit in Anspruch nähmen und es, gerade in Zeiten zunehmenden Fachkräftemangels wichtig sei, dass Frauen alle Möglichkeiten bekämen, viel arbeiten zu können. Wer wagt da zu widersprechen? Weiterlesen Das Recht des Stärkeren: Warum das geplante Rückkehrrecht von Teil- in Vollzeit ein Fehler ist