Was bringt Fair Trade?

Fair Trade Produkte sind eine gute Sache. Eigentlich. Weil Dritte einem abnehmen, was man selbst nicht leisten kann. Nämlich den Überblick über Produktionsbedingungen zu haben. Ökonomisch gesprochen: Fair Trade unterstützt Konsumentensouveränität.

Leider nimmt einem auch Fair Trade nicht jede Verantwortung ab. „We have to make sure that all of our choices have the impact that we want them to“, sagt die Junior-Professorin Collen Haight von der San Jose State Universität im jüngsten Learn-Liberty-Video. So sei es beispielsweise für das Einkommen von Kaffebauern hilfreicher, qualitativ hochwertigen Kaffee zu kaufen, statt Fair Trade Kaffee.

Begründung: Die wirklich armen Kaffeebauern besäßen kein Land. Sie seien Angestellte. Von den Arbeitgebern verlange Fair Trade aber lediglich, dass deren Angestellten den gesetzlichen Mindestlohn erhielten. Fair Trade fordere also lediglich, was schon Gesetz sei. Besser sei es deshalb, hochwertige Kaffeebohnen zu kaufen, weil diese aufwändiger angebaut und geerntet werden müssten, was zu höherer Bezahlung führe, da die Arbeit komplexer, höhere Qualifizierung notwendig sei.

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11 Kommentare zu „Was bringt Fair Trade?

  1. Die Nebenwirkungen von Fair Trade dürfen nicht vergessen werden: Arme Regionen erhalten einen Anreiz, weiterhin arm zu bleiben, weil dadurch Beschäftigungen mit relativ geringer Produktivität eine höhere Attraktivität erhalten.

    Beispiel: Hätte es in China ab den frühen 80er Jahren eine hinreichende Zahl Fair-Trade-Bauern auf dem Land gegeben, wäre die Abwanderung in die Stadt viel weniger attraktiv gewesen, so daß der industrielle Aufstieg Chinas deutlich länger gedauert hätte.

    Im Grunde ist Fair Trade ein relativ kleines Geschenk westlicher Konsumenten an agrarische Regionen, verbunden mit der relativ schwerwiegenden Aufforderung, arm zu bleiben.

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  2. @Tim: Fair Trade verhindert Wandel zum Besser – auch ein guter Gedanke. Auf der anderen Seite: Wenn Bauern Bauern bleiben wollen, statt in die Stadt zu gehen. Und weil sie deswegen Bauern bleiben, weil sie über Fair Trade mehr verdienen – dann ist dagegen wenig zu sagen. Es wäre Anmaßung von Wissen, wenn man sagen würden: Zieh in die Stadt, wir wissen das ist besser für dich.

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  3. @ Johannes Elber

    Es ist ja genau umgekehrt. Fair-Trade-Kunden sagen: Lieber Bauer, bleib arm und auf dem Land – das ist besser für Dich.

    Normale Kunden verbinden mit ihren Käufen – in der Regel – keine moralische Stellungnahme.

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  4. @Tim: Naja, Fair-Trade-Kunden sagen nicht bleib arm, sondern sie sagen, ich will, dass du weniger arm bist. Ob dem Bauer das dann reicht, oder am Ende nicht doch lieber in die Stadt zieht, das entscheidet er selbst.

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  5. @ Johannes Elber

    Klar. :-) Ich wollte nur verdeutlichen, daß die Anmaßung seitens der Fair-Trade-Kunden geschieht, nicht seitens der „normalen“ Kunden.

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  6. Lieber Tim, Fairtrade sorgt i.R.dafür, dass der Bauer anteilig mehr von jeder Art seiner wirtschaftlichen Handlungen abbekommt. Steigert er seine Produktivität kommt ihm das entsprechend auch zugute, die Attraktivität zur Steigerung dieser ist also sehr wohl gegeben.

    Der Kausale Zusammenhang ist also so leider nicht richtig.
    Das China-Beispiel ist zwar in sich schlüssig, allerdings für diesen Mechanismus einfach unpassend.

    Ich kann dem Kommentar von Johannes nur zustimmen, er bringt es auf den Punkt.
    Wo da eine Anmaßung seitens Fairtrade Kunden sein soll, habe ich leider nicht kapiert ;-)

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  7. @ LeFu

    Anmaßend ist die moralische Attitüde der Fair-Trade-Freunde, die mit ihren Käufen eben gleichzeitig dafür sorgen, daß sich die Bauern etwas bequemer in ihrer Armut einrichten können.

    Wie man Armut viel besser bekämpft, zeigt Asien.

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  8. @Tim

    Nur um das zu verstehen: Es ist moralische Anmaßung, wenn ich aus freien Antrieb Produkte kaufe, die garantieren sollen, dass Menschen von ihrer Arbeit leben können, aber es ist keine moralische Anmaßung zu sagen, ich kaufe diese Produkte nicht, das hilft dir nämlich nicht, zieh lieber in die Stadt und schau wie Du da überlebst??
    Irgendwie haben wir da unterschiedliche Vorstellungen von moralischer Anmaßung.

    Ganz zu schweigen davon, dass die asiatischen Staaten einen Weg gefunden haben, ihre Armut zu verringern, aber dass es äußerst zweifelhaft ist, dass dieser Weg auch in anderen Ländern funktioniert.

    Ich persönlich bin ja der Meinung, dass nicht entscheidend ist, wo das Geld verdient wird, sondern v.a., dass es im Land selbst bleibt. Denn es hilft den afrikanischen und mittelamerikanischen Bauern nicht, wenn sie in die Stadt ziehen, wenn es da kaum Industrie oder Dienstleistungen gibt, in denen sie einen Job finden. Jedes Land muss selber seine Nischen finden, in denen es im Welthandel konkurrieren kann. Ob das über die Landwirtschaft hin zu einer Agrarindustrie geht oder über den staatlich abgesicherten Aufbau einer Industrie (wie eben in Asien) ist egal und das muss sich im jeweiligen Land selbst entwickeln. Und alles hat seine Nachteile. China und Indien mögen einen Weg gefunden haben, große Teile des Landes zu entwickeln, aber auf der anderen Seite steht halt auch bittere Armut auf dem Lande.

    Kurz und gut: Ich halte es für die größere moralische Anmaßung einem Land einen bestimmten Weg vorzugeben, als ein bestimmtes Produkt zu kaufen. Darüber hinaus halte ich es auch für verdammt zynisch einem Bauer vorzuschreiben, dass er arm bleiben muss, damit es ihm oder seinen Kindern irgendwann besser geht.

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  9. @ Hias

    Die beste Methode zur Armutsbekämpfung ist überall die gleiche: Orientierung zum Weltmarkt. Es hat im Westen funktioniert, in Südostasien, in den osteuropäischen Reformstaaten, in Brasilien und in den letzten Jahren erfreulicherweise auch in Afrika.

    Apropos: Ich weiß, daß viele Entwicklungshelfer gerade letzteres nicht gern sehen. Afrika bekommt endlich eine Chance – und dann ausgerechnet wegen sich ausbreitender kapitalistischer Strukturen. Dabei hatte westliches Entwicklungswohlwollen doch lange dafür gesorgt, daß der Kontinent schön arm und unmündig blieb …

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  10. @Tim

    Deine Aussage „Die Orientierung zum Weltmarkt ist die beste Methode zur Armutsbekämpfung“ ist größtenteils richtig. Aber die Orientierung zum Weltmarkt ist nur ein Teil des Rezeptes. Mindestens genauso wichtig sind politische Stabilität, funktionierende Infrastruktur, geringe Korruption und, und und. Und gerade die asiatischen Staaten sind ein interessanter Fall. Denn Japan, Südkorea, China und Taiwan haben massiv eigene Unternehmen gefördert und großgezogen, bevor sie sich nach und nach den Weltmarkt geöffnet haben. Das ist mE ein entscheidender Unterschied zu den afrikanischen Ländern, die das eben nicht geschafft haben. Und in Sachen Afrika ist mE das Ende des kalten Krieges und die damit einhergehende Stabilität in weiten Teilen des Kontinents wichtiger als die Orientierung zum Welthandel.

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