Welche Bildung für meinen Sohn? 

Ich denke bisweilen darüber nach, wie es wäre, unseren nächstes Jahr schulpflichtig werdenden Sohn, zu Hause zu bilden. Home Schooling also. Ich denke darüber nach, aber habe es nie ernsthaft erwogen. Es wäre finanziell kaum machbar. Und es wäre wahrscheinlich auch sonst kein Glück, für keinen von uns. Wir würden uns auf die Nerven gehen. Und das Leben und Lernen in der Gruppe würde kaum vorkommen. Nicht abgesehen davon, dass mein pädagogisches und sonstiges Wissen beschränkt ist.

Ich finde Home Schooling nicht passend. Es kann uns asozial machen. Auf der anderen Seite: Was ist die Alternative?

Ich ging 14 Jahre zur Schule. Nach dem letzten Schultag stand ich im Wald. Die Schule soll uns auf das Leben vorbereiten, heißt es. Der Satz ist schon deshalb falsch, weil die Schulzeit natürlich Teil des Lebens ist. Teil eines schönen Lebens sein sollte. Darüber hinaus stimmt der Satz aber auch nicht, weil die Schule nur bedingt auf das Leben nach der Schule vorbereitet. Mindestens mich nicht vorbereitet hat. Mir wurde dort Wissen vermittelt. Zum Teil wichtiges Wissen. Ich kann diesen Text schreiben. Was mir nicht vermittelt wurde: Was ich wissen wollte. Und: Ich habe nicht verstehen gelernt, was ich mit dem vermittelten Wissen anfangen soll.

Man könnte sagen, das läge in meiner Verantwortung. Was ich mit dem Wissen mache, müsse ich schon selbst entscheiden. Das Problem ist, ich hatte nicht gelernt, Entscheidungen zu fällen. Genauer gesagt, Entscheidungen zu fällen und dabei auf mich zu hören.

14 Jahre wurde mir Schulstunde um Schulstunde, Werktag für Werktag (ein paar Jahre sogar samstags) gesagt, was ich lernen soll. Es waren Ausnahmen, wenn gefragt wurde, was wir machen, was wir wissen wollen. Die Regel war: Uns wurde gesagt, was wir wollen sollen. Das Problem: Wer wollen soll, der will nicht. Pathetischer gesagt: Die Schule hat im Lauf der Jahre meine angeborene Fähigkeit degeneriert, meinem Herzen zu folgen. Ich hatte mit 19 Jahren wenig Ahnung, was und wer ich werden will.

Ich habe also ein Problem mit der Schule als Institution. Ich weiß, viele Schulen sind heute anders. Da mich nach der Schule der Zufall zur Volkswirtschaftslehre trieb, weiß ich aber auch, dass, was anders aussieht, nicht anders sein muss. Es sind die Strukturen, welche gesellschaftliches Leben bestimmen. Verändern sich die Strukuren, verändern sich die Lebensbedingungen; verändern sich Strukturen nicht, wechselt höchstens die Fassade. Dann streicht der Zeitgeist die Schulpädagogik an.

Die Schulstrukturen sind heute im Kern die gleichen wie vor 100 Jahren. Die Schulbildung ist de facto weiter ein Staatsmonopol, mit allen schädlichen Konsequenzen. Die Anbieter (Schulämter, Lehrer usw.) können, ob fehlender Wettbewerber, die Bedingungen stark zu ihren Gunsten bestimmen. Auf Kosten der Nachfrager (Schüler). Und der Preis (Steuern) ist für die erbrachte Leistung zu hoch.

Die Finanzierung der Staatsbildung über Steuern führt darüber hinaus dazu, dass sich Schulbildung am Output orientiert. Der Steuerzahler will etwas für sein Geld bekommen. Nämlich arbeitende, steuerzahlende Erwachsene. Nicht für die Schule lernen wir, sondern für das Leben nach der Schulzeit. Solche Sätze produziert nur ein steuerfinanziertes Schulsystem. Dabei zählt doch jeder Tag, jede Stunde. Die Schulbildung als Investition in die Zukunft? Ja, gerne auch. Aber eben nicht in erster Linie.

Oder nochmals anders gewendet: Die Schule wird erst dann zum wirklichen Invest, wenn man in den Tag lebt. Wenn die Schüler ihren Wünschen und Interessen folgen können. Wenn Pädagogen und Experten ihnen bei der Wissenserschließung helfen. So wird Lernen nachhaltig. So bleibt erhalten, was gelernt wurde. So bekommen Schüler im Lauf der Jahre eine Vorstellung, vielleicht sogar eine Überzeugung davon, auf was sie sich nach der Schule spezialisieren wollen.

Was sich ändern müsste, damit Schulen so werden? Es müsste an einer einzigen Stellschraube gedreht werden: Das Bildungssystem bräuchte Wettbewerb.

Der Staat müsste sein Bildungsmonopol aufgeben. Die Privatschulen würden die Nische verlassen können. Um die Schüler würde geworben. Mit Bildungsangeboten, die so unterschiedlich sind, wie Kinder eben sind.

Und die Steuerzahler (deren Interessen sich letzlich über die Politik manifestieren) müssten ihren Einfluss auf das Schulsystem verlieren. Damit der Weg zum Ziel werden kann.

Wie wahrscheinlich die Veränderung ist?

Die Macht der Lehrer im politischen Entscheidungsprozess ist bekanntlich groß. Weil es viele Lehrer gibt, und weil viele (ehemaligen) Lehrer in politisch verantwortlichen Positionen sind. Doch der Widerstand nimmt zu. Er stimmt mit den Füßen ab. Kinder gehen in nicht-staatliche Schulen mit weiten Schulwegen, Schulen, die Geld kosten, deren Ausstattung schlecht ist und deren Lehrer weniger als ihre verbeamteten Kollegen verdienen.

In Berlin, wo ich wohne, gibt es solche Alternativen. Und trotz der Schwierigkeiten werden es mehr. Und die staatlichen Schulen, so mein Eindruck, passen, ob der aufkeimenden Konkurrenz, ihre Angebote an. Ich bin froh, in Berlin zu wohnen. Home Schooling muss keine ernsthafte Alternative werden.

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