Öffentlicher Raum: Mit Marktwirtschaft mehr Lebensqualität

Ein Leben zwischen Autos – eine Straße in Berlin. // Foto: Johannes Eber

Wie sähe der öffentliche Raum in unseren Städten wohl aus, wenn wir in einer Marktwirtschaft leben würden? Wenn der Staat all die Aufgaben erledigen würde, die der Markt nicht leisten kann. Nämlich die Herstellung von öffentlichen Gütern und sozialer Gerechtigkeit. Und vor allem: Wenn er sich darauf beschränken würde.

Dann gäbe es zum Beispiel deutlich weniger Autos in der Stadt. Denn jedes Auto braucht einen Parkplatz. Autos stehen im Durchschnitt an 23 von 24 Stunden des Tages.

Parkplätze werden bei uns vorwiegend wie öffentliche Güter behandelt. Sie werden nicht von Märkten, sondern vom Staat bereit gestellt. 77 Prozent der Kosten von Parkplätzen werden von der öffentlichen Hand bezahlt.

Dabei sind Parkplätze kein öffentliches Gut. Öffentliche Güter zeichnen sich im Konsum durch die Eigenschaften Nicht-Ausschließbarkeit und Nicht-Rivalität aus. Die Straßenbeleuchtung ist ein solches öffentliches Gut. Märkte versagen unter solchen Bedingungen. Weil etwa von den Marktteilnehmern kein Preis verlangt werden kann. Eine Folge: Obwohl Nachfrage besteht, werden öffentliche Güter auf privaten Märkten nicht oder in zu geringem Umfang angeboten.

Parkplätze aber sind private Güter. Autofahrer konkurrieren um Parkplätze (Rivalität) und ein besetzter Parkplatz kann nicht von einem anderen Auto benutzt werden (Ausschließbarkeit). Dennoch stellt der Staat den Großteil der Parkflächen zur Verfügung. Und zwar weitgehend kostenlos. Für einen Bewohnerparkausweis zahlt man etwa in Berlin für zwei Jahre 20,40 Euro.

In Berlin gibt es aktuell knapp 1,2 Millionen Autos. Allen Prophezeiungen zum Trotz steigt die Zahl Jahr für Jahr, seit Jahrzehnten. Wie sich die Zahl wohl entwickeln würde, wenn alle Autobesitzer und potenziellen Autokäufer nicht nur die Kosten für den Kauf und das Fahren, sondern auch für das Aufbewahren ihres privaten Transportmittels in ihre Kalkulationen einbeziehen müssten? Wenn sich die Kosten für die Nutzung privaten Lebensraums durch Autoeigentum um 100 bis 200 Euro pro Monat erhöhen würde?

Im Übrigen: Anders als der Parkplatz ist die Nutzung der Straße ein so genanntes unreines öffentliches Gut. Während die Autofahrer von der Nutzung der Straße in der Regel nicht ausgeschlossen werden können, rivalisieren sie um diese Nutzung (wo ein Auto fährt, kann kein zweites fahren). Solche so genannte Allmendegüter führen regelmäßig zur Übernutzung. Weil eben diese Nutzung für die Autofahrer weitgehend ohne zusätzliche Kosten verbunden ist. Hier ist der Staat gefordert. Er muss Regeln finden, um die Übernutzung zu verhindern. Öffentlichen Parkraum privatisieren, Straßennutzung beschränken: die Folge wäre vermutlich deutlich weniger Autos in Städten. Denn nichts ist knapper in Ballungszentren als Raum. Die Internalisierung der tatsächlichen Kosten für die Aufbewahrung von privaten Transportmitteln würde die Entscheidung für oder gegen ein eigenes Auto verändern. Mit mehr Marktwirtschaft würden die Städte an Lebensqualität gewinnen.

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2 Kommentare zu „Öffentlicher Raum: Mit Marktwirtschaft mehr Lebensqualität

    1. Darf ich die Frage umkehren? Was spricht gegen eine private Bewirtschaftung? Die Erfahrung lehrt: Wo der Staat kein öffentliches Gut bereit stellt, agiert er in der Regel schlechter als private Anbieter. Vor allem, wenn es ihm gelingt, private Konkurrenz außen vorzuhalten. Dann sind die staatlichen Angebote teurer, der Service suboptimal.

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