Eine Frage der Anreize – oder: Warum es Krautreporter an Relevanz fehlt

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Krautreporter – Journalismus für Couch Potatos?

„Selbst ein Onlinemagazin, das nichts kostet, würde ich spätestens jetzt wegen mangelnder Relevanz aufhören zu lesen“, schreibt Frau Meike über ihre ersten Monate als Leserin von Krautreporter.

Warum mich das wenig wundert? Weil das Finanzierungsmodell von Krautreporter schlicht zu wenig Anreiz schafft, relevante Inhalte zu erstellen.

Klickzahlen mögen nicht das Beste an Journalismus hervorbringen, für den Maßstab der Relevanz sind sie kein schlechter Gradmesser. Weil Menschen klicken, was sie für relevant halten.

Ebenso beim Kauf einzelner Ausgaben: Man gibt nur dann Geld aus, wenn man glaubt, dass der Inhalt für einen selbst relevant ist.

Folge: Wer an Klickzahlen und am Einzelverkauf gemessen wird, hat ein hohes Interesse, für seine Zielgruppe interessierende Inhalte zu erstellen. Die Krautreporter sind diesem Druck nicht ausgesetzt. Sie haben das Geld (für ein Jahr) vorab bekommen. Das war großartig und notwendig, um das Projekt starten zu können, aber es benötigt enorme Disziplin, den Leser, Hörer, Zuschauer nicht aus den Augen zu verlieren.

Denn natürlich will jeder Journalist gelesen werden, aber eben am liebsten mit jenen Geschichten, die er selbst gewählt hat. Vielleicht, weil ihn eine Geschichte besonders interessiert. Vielleicht, weil er sich von seiner Story Prestige oder berufliches Fortkommen verspricht. Nicht immer jedenfalls werden es jene Geschichten sein, welche für die Leser am relevantesten sind.

Übrigens: Dass ein werbefinanziertes Onlinemagazin seinen journalistischen Anspruch nicht verlieren muss, zeigt Quartz. 2012 von der Atlantic Media Company in New York gegründet, suchen täglich 25 Journalisten nach Relevanz.

Ich finde, die Suche ist sehr erfolgreich.

Warum freilich der Vergleich mit Krautreporter hinkt? Wegen der Sprache. Das Lesepotenzial (und damit die möglichen Werbeeinnahmen) von Quartz ist ungleich größer.

Vielleicht eine Idee für Krautreporter: Eine werbefinanzierte englischsprachige Seite mit den übersetzten Texten der deutschen Ausgabe.

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3 Gedanken zu “Eine Frage der Anreize – oder: Warum es Krautreporter an Relevanz fehlt

  1. Ich vermute ja, die Krautreporter-Redaktion hat den Druck, den sie durch Crowdfunding rausnehmen wollte, durch die Hintertür wieder eingeführt; indem die Autoren pro Artikel bezahlt werden. Meiner Erfahrung nach verschiebt das bewusst oder unbewusst die Arbeitsweise hin zu sicheren und schnellen Artikeln. Und wenn man mal die Denke der Redaktion kennt, weiß man auch, was die gerne kaufen.

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