Der hohe Preis eines kostenlosen ÖPNV

Bald kostenlos?Bald kostenlos?

Die Bundesregierung will aus Umweltgründen einen kostenlosen Nahverkehr testen. Ein in der Bevölkerung mehrheitsfähiges Projekt. Wer nimmt nicht gerne, für was er nicht bezahlen muss.

Die Idee mag populär sein, aber sie verfehlt gleich doppelt das Ziel guten Zusammenlebens.

Erstens, das einer sauberen städtischen Umwelt. Denn, wer umweltfreundliche Verkehrsmittel fördert, bringt zwar in einem ersten Schritt mehr Menschen zur Nutzung dieses Mobilitätsangebots. Doch der Effekt erzeugt einen Gegeneffekt: Freiere Straßen (weil viele ÖPNV fahren) machen es attraktiver, (wieder) das Auto zu nutzen. Die Fahrzeiten werden kürzer. Die Opportunitätskosten des kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs werden folglich mit den nun attraktiveren Autowegen aufgerechnet werden. Die gesellschaftlichen milliardenteuren Zusatzkosten durch eine kostenlose Nutzung von Bus und Bahn verpuffen so mindestens teilweise.

Hinzu kommt: Der öffentliche Nahverkehr wird in der Regel immer dann kundenfreundlich (und bringt damit Menschen weg vom Auto), wenn es sich für die Anbieter lohnt, neue Kunden zu gewinnen. Kunden, die nichts zahlen, weil der Staat die Kosten trägt, sind für die Betreiber eher Last als Lust. Die Folge: Die Angebote eines kostenlosen ÖPNV werden suboptimal sein, was viele Menschen nach Alternativen (Auto) Ausschau halten lassen wird.

Ergo: Das Ziel, Menschen aus Umweltgründen zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs zu bewegen, wird mit dem Mittel des kostenlosen Transports mindestens ungenügend erreicht. Zielführender ist es, die Nutzung des negative externe Effekte verursachenden Mobilitätsangebots „Auto“ zu erschweren und gleichzeitig die staatliche Förderung des ÖPNV so auszugestalten, dass die Betreiber ein großes Interesse haben, möglichst viele zufriedene Kunden zu gewinnen.

Zweitens, das eines Zusammenlebens zum gegenseitigen Vorteil. Spätestens seit John Rawls‘ „Theorie der Gerechtigkeit“ wissen wir, dass Gesellschaften dann gelingend sind, wenn die Spielregeln des Zusammenlebens so gestaltet werden, dass menschliche Interaktion zum gegenseitigen Vorteil ist. Ein öffentlicher Nahverkehr, der nichts kostet, kostet freilich dennoch. Nur zahlen nicht (nur) jene, die ihn nutzen, sondern alle, und zwar egal, ob sie das Angebot in Anspruch nehmen (können). Eine solche gesetzliche Regelung nutzt einer Gruppe auf Kosten einer anderen. Gutes Zusammenleben geht anders.

Die einzige (ordnungspolitisch) legitime Finanzierung durch die Gemeinschaft (also über Steuern oder Abgaben) wäre, wenn es sich beim öffentlichen Nahverkehr um ein so genanntes öffentliches Gut handeln würde. Öffentliche Güter zeichnen sich durch die Eigenschaften Nicht-Ausschließbarkeit und Nicht-Rivalität aus. Märkte versagen unter solchen Bedingungen. Weil etwa von den Marktteilnehmern kein Preis verlangt werden kann. Der ÖPNV erfüllt beide Eigenschaften für öffentliche Güter aber nicht: Wer kein Ticket hat, kann von der Mitfahrt ausgeschlossen werden (Ausschließbarkeit), und ein besetzter Busplatz kann von keinem anderen eingenommen werden (Rivalität). Im Gegensatz zur Straße sind Bus und Bahn also private Güter (mehr hier).

Fazit: Ein von allen in einer Gesellschaft vollständig finanzierter kostenloser öffentlicher Nahverkehr verbessert nur bedingt und zu hohen Kosten die regionalen Umweltbedingungen, und ein solches System ist zudem ungerecht. Besser: Umweltverschmutzer belasten und die Anreize bei den alternativen Mobilitätsangeboten so verbessern, dass der Kunde König ist.

2 Antworten auf “Der hohe Preis eines kostenlosen ÖPNV”

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