Warum wollte Trump Präsident werden?

Warum wollte Donald Trump eigentlich Präsident werden? Vielleicht, weil in den vergangenen Jahrzehnten in den USA viele gut bezahlte Industriejobs verloren gegangen sind und dies zu einer ungleicheren Verteilung der Einkommen führte, was den Ruf nach mehr Umverteilung lauter werden lässt, was wiederum die Pfründe der Vermögenden bedroht. Versucht also Donald Trump letztlich sein Vermögen (und die Vermögen seinesgleichen) zu schützen und zu mehren?

So jedenfalls lautet eine plausible Erklärung von Prof. Dr. Uwe Sunde von der Uni München heute in der FAZ. In seinen Worten: „Es liegt nahe – unter dem Vorwand, dem Land die gebührende Größe wiederzugeben, Unternehmen zu stärken und Arbeitsplätze zu schaffen –, an die politische Macht zu streben, um dort tatsächlich die eigenen Pfründen vor Umverteilung zu schützen und gegebenenfalls (etwa durch Kaufempfehlungen für die Produkte von Unternehmen im Familienbesitz) noch zu mehren, ohne Rücksicht auf die bestehenden Institutionen.“

Man spreche, so Sunde auf Nachfrage, von „gekaperten Demokratien („captured democracies“), in denen zwar formell alle die gleichen (Wahl-)Rechte besäßen, aber de facto bestimmte Gruppen mehr Einfluss auf die Politik hätten als andere. Als Beispiel nennt Sunde den Einfluss von Reichen auf Wahlkämpfe und Politiker, etwa in den USA. Allerdings sei offen, ob sich so etwas empirisch nachweisen ließe. Mit anderen Worten: Belegt ist ein solcher Zusammenhang noch nicht.

Würde Trump tatsächlich aus der beschriebenen Motivation handeln, wäre dies ein Treppenwitz. Dann würde er nämlich letztendlich eine Politik betreiben (Schutz von Vermögen), die entgegen den Interessen jener stünden, die ihn gewählt haben, nämlich die Verlierer des Strukturwandels, die eine (finanziellen) Aufwerung ihres Lebens verlangen.

Der amtierende US-Präsident verspricht diese Aufwertung durch eine Rückkehr zu einer goldenen Zeit (mehr Industriearbeitsplätze), die aber vermutlich so nicht kommen wird. Warum macht Trump dennoch solche Versprechen? In der Logik von Uwe Sunde ist die Antwort eindeutig: Er hält damit jene Wählergruppe ruhig, in der ansonsten der Ruf nach mehr Umverteilung laut werden könnte. Und so hilft Donald Trump vor allem sich selbst.

Ein Gedanke zu “Warum wollte Trump Präsident werden?

  1. Keine schlüssige Theorie. Trumps Vermögen ist um ca. 1 Milliarde geschrumpft.

    Ich habe auch noch nie einen Beleg gesehen, dass die angeblich so tollen „Industriearbeitsplätze“ ein Indikator sind für eine gute Wirtschaft.

    Die Trendlinien gehen ja alle in die gleiche Richtung: Die Industrie nimmt ab, der Übergang in die Dienstleistungsgesellschaft ist in den Ländern der ersten Welt fast vollzogen. In einem Land mehr, im anderen Land weniger.

    Nach der gleichen Logik hätte man während der ersten Industriellen Revolution auch so ein Schema aufmalen können, nur mit Arbeitsplätzen in der Landwirtschaft. Motto: Schlimme Sache, dass sich nicht mehr 99% der Bevölkerung auf den Feldern zu Tode arbeiten muss.

    Und heute jammern die Professoren, dass man nicht mehr im Stahlwerk oder am Fließband schuften „darf“. Also ich für meinen Teil arbeite lieber in Büro und Praxis. Und ihr Job ist jetzt auch nicht gerade Industriearbeiter.

    Es ist mir ein Rätsel wie man als Professor an der LMU so einen Scheiß verzapfen kann. Die Erklärung – jedenfalls laut der Theorie des besagten Professorleins – wäre wohl: „Naja, ich bin ja auch kein Industrie-Facharbeiter, sondern nur Sozialwissenschaftler!“ —> So bekommt seine tolle Theorie, dann doch noch einen kleinen wahren Kern. Schöne Ironie.

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