Eine Frage der Größe

Weil mobiles Surfen zur Selbstverständlichkeit wird, stehen die Webseitenbetreiber vor neuen Herausforderungen

Früher hatte das Internet seinen festen Platz. Es war auf dem Bürotisch. Oder zu Hause in einer Zimmerecke. Man brauchte ein Kabel dafür, das Kabel steckte in einer Buchse, die war mit einem Verteilerkasten vor dem Haus oder in der Nachbarstraße verbunden. Von dort gab es Anschluss an den großen, weltweiten Datenstrom.

Früher lag das Internet an der Leine, die Verkabelung gab Ort und auch Zeit der Nutzung vor. Heute ist das Internet überall und immerzu verfügbar, W-Lan und UMTS sei Dank. Doch viele merken davon noch gar nichts. Denn dem Fortschritt in der Übertragungstechnik hinkt die Entwicklung der Produkte zur Nutzung des World Wide Web hinterher. Die Mehrzahl der Mobiltelefone ist für das Surfen so geeignet wie ein alter Schwarz-Weiß-Fernseher für hoch auflösende DVD-Filme.

Aber jetzt steht das Internet vor seiner größten Veränderung. Es gibt weltweit 20 Mal mehr Handys als Computer. Noch kann man mit den wenigsten vernünftig im Internet surfen, aber in wenigen Jahren wird das ganz anders sein. Denn bei keinem Produkt verbreitet sich der technische Fortschritt schneller als beim Handy. Weil alle zwei Jahre ein neuer Mobilfunkvertrag ansteht und die meisten mit jedem Abschluss auch ein neues Handy erhalten. Handy-Besitzer sind damit automatisch fortwährend technisch up-to-date. Und mittlerweile sind die ersten Handy-Modelle verfügbar, auf denen Webseiten nicht nur gut anzuschauen sind, sondern man sich auch einfach von Webseite zu Webseite klicken kann. Beispiele sind das iPhone von Apple oder das G-Phone von Google. Letzteres gibt es seit gestern in den USA zu kaufen, Anfang nächsten Jahres wird es auch in Deutschland erhältlich sein.

Hinzu kommt: Das mobile Surfen wird immer günstiger. Eine Flatrate kostet mittlerweile nur noch rund 30 Euro im Monat. Bald wird auch dieser Preis utopisch hoch anmuten.

Für die Betreiber von Internetseiten bedeutet dieser Wandel ein große Herausforderung. Denn die Webangebote müssen auf den unterschiedlichsten Bildschirmgrößen nutzbar sein. Eine Internetseite soll auf dem großen Plasmabildschirm im Wohnzimmer genauso gut wirken, wie auf dem kleinen 12-Zoll-Bildschirm der trendingen Mini-Laptops. Die wirkliche Herausforderung aber sind die winzigen Displays der Handys. Zumal Handy nicht gleich Handy ist. Die kleinsten sind mit einen Bildschirm ausgestattet, der nicht viel größer ist als eine Streichholzschachtel, nämlich 128 auf 160 Pixel, auf größeren finden immerhin 320 auf 480 Pixel platz.

Je mehr Handy-Nutzer ihr Gerät zum Internetsurfen nutzen, desto wichtiger wird es für Webseiten-Anbieter ihre Inhalte auch auf kleinen Bildschirmen anschaulich darzustellen. Das ist aufwändig und kostet zusätzliches Geld, weil neben der bestehenden Webseite eine zweite entwickelt werden muss. Eine kleinere. Der Aufbau der Seite muss geändert werden. Weil bei mobil weniger oft mehr. Das Unwichtige weicht dem Wichtigen. Am Ende muss die Seite auch noch programmiert werden. Auch das ist meist nicht billig. Aber eben unverzichtbar. Denn sobald das mobile Web zur Selbstverständlichkeit wird, ist das Unverständnis groß, wenn Webseiten nicht zu jeder Zeit und an jedem Ort abrufbar sind.

Wer in Zukunft kein mobiles Webangebot präsentiert, könnte also in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Auch weil neue Umatzmöglichkeiten verschlossen bleiben. Der Branchenverband Bitkom hat zusammen mit dem Beratungsunternehmen Goldmedia eine Studie veröffentlicht. Demnach werden sich die Umsätze mit Handy-Werbung in Deutschland von 96,9 Millionen Euro im Jahr 2007 auf annähernd 300 Millionen Euro im Jahr 2012 erhöhen. Der Umsatz mit mobilen Datendiensten ohne SMS und MMS wird sich von 1,6 Milliarden auf 5,7 Milliarden Euro ebenfalls verdreifachen. Bis dahin, so die Studie, werden mehr als 60 Prozent der Mobiltelefonanschlüsse über einen schnellen Internetzugang per UMTS verfügen.

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