Warum steigt die Armutsquote, obwohl die Arbeitslosigkeit sinkt?

Die Armutsquote kann bekanntlich steigen, wenn es einem Land wirtschaftlich besser geht. Weil die Armutsquote Armut als relativ definiert. Demnach gilt etwa als armutsgefährdet, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Haushaltseinkommens (auch Medianeinkommen gennant) zur Verfügung hat. Die Folge einer solchen Armutsmessung: Wenn etwa die Löhne anziehen (wie das in Deutschland in den vergangenen Jahren der Fall war), ….

… und dadurch das Medianeinkommen steigt…

… dann kann die (relative) Armut zunehmen.

Beispiel: Steigt das Medianeinkommen um 5 Prozent, das der relativ Armen um 3 Prozent, dann wächst per Definition die Armut.

Insofern hat die Armutsquote ihre Berechtigung vor allem als Maß von Ungleichheit und weniger zur Messung von Armut. Weil es ansonsten mehr Armut geben könnte, obwohl es allen besser geht – das ist zumindest in der gängigen Verwendung des Armutsbegriffs  wenig plausibel (siehe auch: „Warum die Armutsquote steigt, wenn es den Menschen wirtschaftlich besser geht„).

Weniger trivial dagegen ist die Beantwortung der Frage, warum die Armutsquote zunimmt (wenn auch nur leicht), …

…  wenn parallel die Beschäftigung signifikant steigt.

Denn nachweislich ist die Aufnahme einer Beschäftigung der sicherste Weg, die Armutsgefährdung hinter sich zu lassen. Warum schlägt sich dieser individuell nachweisbare Effekt zumindest auf den ersten Blick nicht in einer Reduzierung der relativen Armut nieder?

Mögliche Gründe:

  • Auch wenn die Lohnungleichheit in den vergangenen Jahren wieder leicht abgenommen hat (also die untersten Dezile am stärksten von Verdiensterhöhungen profitiert haben), gab es davor eine Phase zunehmender Lohnungleichheit.

 

  • Die Messungen von Armut orientiert sich am Haushaltseinkommen. Da es eine Tendenz zu weniger Haushaltsmitgliedern gibt (leichte Zunahme der Alleinerziehenden-Haushalte, deutliche Zunahme der Singles), reduziert dies tendenziell die Haushaltseinkommen.

  • Da, ob des demografischen Wandels, das Rentenniveau abnimmt (Rentenformel), steigen zwar absolut die Renten, aber weniger stark als die Erwerbseinkommen.

Diese Gründe können die Altersarmutsquote erhöhen.

Hinzu kommt: Positive Entwicklungen am Arbeitsmarkt machen sich bei relativer Betrachtung von Armut nur abgeschwächt in der Statistik bemerkbar. Wer etwa schon bei Arbeitslosigkeit nicht zu den armutsgefährdeten Menschen zählte, weil er etwa ein relativ hohes Arbeitslosengeld I bezog, oder weil ihm andere Haushaltseinkommen zur Verfügung standen, der „verbessert“ nicht die Statistik, da er bereits bei Arbeitslosigkeit nicht zur Gruppe der armutsgefährdeten gehörte. Er erhöht sogar potenziell die Armutsquote insofern, dass er durch seine Mehreinnahmen tendenziell das Medianeinkommen nach oben verschiebt, was andere Menschen trotz konstanter absoluter Einkommen zu armutsgefährdeten Menschen werden lässt.

Und selbst durch jene Menschen, die sich durch Jobannahme aus der Armutsgefährdung verabschieden, machen durch diese Verbesserung potenziell andere Menschen relativ ärmer.

Fazit: Der Boom am Arbeitsmarkt wirkt sich positiv auf die Armutsquote aus, aber durch die Relativierung von Armut schwächer als auf den ersten Blick zu vermuten wäre. Zudem kann der positive Effekte durch andere Effekte (mehr Lohnungleichheit, geringer Haushaltsgrößen) konterkariert und im Saldo ins Gegenteil verkehrt werden. Falsch dagegen ist der verkürzte Rückschluss beim Blick auf die Entwicklung der Armutsquote, dass nämlich die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt die Einkommenssituation der Menschen nicht verbessert hätte.

Keinen Post verpassen? Folgen Sie dem Pixelökonom auf Facebook, Twitter, Google+ oder abonnieren Sie den RSS-Feed.

Folge des Mindestlohns?

Entwicklung Arbeitslosigkeit in Deutschland nach Berufsabschluss
Mindestlohnbefürworter argumentieren regelmäßig mit der erfreulichen Arbeitslosenentwicklung in den vergangenen Jahren und dass seit der Einführung des Mindestlohns zum 1. Januar 2015 die Beschäftigtenzahl um 200.000 gestiegen sei. Ein differenzierter Blick zeigt allerdings etwas anderes: Splittet man die Arbeitslosenstatistik nach Bildungsabschlüssen auf, sieht man, dass in jener Gruppe, die am stärksten vom Mindestlohn betroffen sein dürfte, nämlich die Menschen ohne Berufsabschluss, die Arbeitslosenquote 2015 gestiegen ist.

Keinen Post verpassen? Folgen Sie dem Pixelökonom auf Facebook, Twitter, Google+ oder abonnieren Sie den RSS-Feed.

Hallo Tim Renner,

ich habe eben Ihr Video über den Dächern Berlins zum Grundeinkommen gesehen. Sie sympathisieren mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE), weil sie vermuten, dass der digitale Fortschritt Arbeit überflüssig machen wird.

Es mag gute Gründe für ein Grundeinkommen geben (zum Beispiel diese fünf), ein möglicher Jobabbau ist mit Verlaub keiner. Die Geschichte des Fortschritts ist die Geschichte des Jobabbaus, ja ohne Jobabbau ist Fortschritt gar nicht möglich, denn im Kern bedeutet Fortschritt ja, dass wir gleiche Dinge/Dienstleistungen mit weniger Arbeit, beziehungsweise dass wir andere (weil bessere) Dinge/Dienstleistungen herstellen können. In beiden Fällen werden Jobs abgebaut.Was dabei bisweilen übersehen wird: Diese Veränderung macht erst möglich, Neues zu erschaffen.

Die Geschichte des Fortschritts zeigt folgendes: Einen Teil des Fortschritts nutzen wir für mehr Freizeit (auch das ist Wohlstandsgewinn), den anderen Teil stecken wir in mehr Wohlstand durch Arbeit. Ausgegangen ist die (bezahlte) Arbeit bisher jedenfalls nicht.

Würde man alle Jobverluste seit der industriellen Revolution aufaddieren, würde zunächst keiner vermuten, dass es überhaupt noch Jobs gibt. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Nie gab es mehr bezahlte (!) Arbeit als heute. Nie gab es mehr gut bezahlte Arbeit als heute. Nie gab es mehr sozialversicherungspflichtige Arbeit als heute. Und ich sehe nur einen Grund, warum sich das in Zukunft ändern sollte, wenn nämlich die Politik das freiwillige Schließen von Arbeitsverträgen erschwert oder verhindert. Nikolaus Piper, der ehemalige Ressortleiter „Wirtschaft“ der Süddeutsche Zeitung, hat es einmal so formuliert: „So lange die Menschen Wünsche haben und diese Wünsche von anderen Menschen erfüllt werden können, solange wird uns die Arbeit nicht ausgehen.“

Beste Grüße!

Keinen Post verpassen? Folgen Sie dem Pixelökonom auf Facebook, Twitter, Google+ oder abonnieren Sie den RSS-Feed.

Warum die Armutsquote steigt, wenn es den Menschen wirtschaftlich besser geht

Es gibt bekanntlich gute Gründe, Armut relativ zu messen. Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er bemisst sein eigenes Leben an dem der anderen, in der Regel am nahen Umfeld.  Hat er im Verhältnis zu seinem Nachbarn wenig, fühlt er dies als Mangel – selbst, wenn er, im Vergleich zu Millionen Menschen rund um den Globus, ein Leben in Wohlstand führt.

Die Armut in Deutschland nimmt zu, lautet heute die Schlagzeile: Von 2005 bis 2015 ist demnach die Armutsquote von 14,7 auf 15,7 Prozent gestiegen. Nach dieser Definition ist arm, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens (Medianeinkommen) hat. Der Median markiert dabei jenen Wert, von dem ab die Zahl der Menschen mit höherem Einkommen genauso groß ist wie die mit niedrigerem (im Unterschied zum Durchschnittseinkommen, welches alle Einkommen aufaddiert und sie durch die Zahl der Einkommensbezieher teilt, und somit nichts darüber aussagt, wie viele Menschen über oder unterhalb dieses Durchschnittseinkommens liegen).

Die Definition von relativer Armut aber hat ihre Tücken. Vor allem ist sie blind für den allgemeinen Wohlstandsanstieg. In Deutschland etwa sind die Löhne in den vergangenen Jahren recht ordentlich gestiegen (2,4 Prozent 2015, 2,5 Prozent im ersten Halbjahr 2016), die Zahl der Erwerbstätigen ist mit 43,5 Millionen auf einem Allzeithoch, und parallel dazu ist die Arbeitslosenquoten von 2005 bis heute von 11,7 auf 6,1 Prozent gesunken.

Eine vermutete Folge: Die wirtschaftlich erfreuliche Lage in Deutschland hat das Medianeinkommen stärker zunehmen lassen als die Einkommen jener Menschen, die relativ arm sind. Steigt zum Beispiel das Mediaeinkommen um 5 Prozent, dass der relativ Armen um 3 Prozent, dann nimmt per Definition die Armutsquote zu.

Dies könnte aktuell der Fall sein. Denn viele relativ Arme leben von staatlichen Transfers. Diese steigen in der Regel mindestens zeitverzögert zur anziehenden Lohnentwicklung.

Man kann das kritisieren. Man muss kritisieren, dass es weiter in Deutschland eine seit Jahren ähnlich große  Personengruppe gibt, die keinen ausreichenden Zugang zum Arbeitsmarkt findet: Langzeitarbeitslose, Alleinerziehende sowie geringqualifizierte Personen. Wer diesen Menschen gesellschaftliche und berufliche Teilhabe ermöglicht, verringert wirksam die Armut in Deutschland – relativ und absolut.


Update 23. September 2016, 15:30 Uhr: Die Vermutung des kräftig gestiegenen Medianeinkommens stimmt, schreibt mir Christoph Eisenring, mit Verweis auf seinen heutigen Artikel in der NZZ, demnach betrug das Medianeinkommen 2005 736 Euro pro Monat und Person, 2015 war es 942 Euro. Rechne man die Inflation raus, bleibe immer noch ein realer Einkommensanstieg von 14 Prozent, so Eisenring.

 

Vertiefung: „Statistische Tücken: Wächst die Armut in Deutschland wirklich?“ von Stefan Bauer in der Berliner Zeitung

Keinen Post verpassen? Folgen Sie dem Pixelökonom auf Facebook, Twitter, Google+ oder abonnieren Sie den RSS-Feed.

Leben wir im Überfluss?

Wir leben in einer Überflussgesellschaft lautet eine gängige Konsumkritik, die meint, dass wir mehr haben als wir brauchen. Das ist erstens eine Anmaßung und zweitens insofern falsch, dass der Überfluss in Form des Überschusses zwingende Voraussetzung für ein Leben in jeder Ausprägung von Wohlstand ist. Selbst des geringen Wohlstands.

Wohlstand ohne Überschuss ist schlicht nicht möglich. Wir würden sonst noch immer von der Hand in den Mund leben. Beispiel Europa: Erst als es den Bauern im Mittelalter gelang, das Saat-Ernteverhältnis von 1:2 auf 1:5 zu steigern, sie folglich mehr ernteten als sie für das eigene Leben benötigten, konnte sich eine nicht-agraische Spezialisierung entwickeln, konnten  Produkte gegen Lebensmittel getauscht werden.

Der Überschuss also ist die Voraussetzung für ein besseres Leben. Nur wer mehr erwirtschaftet als er zum Leben braucht, kann den Überschuss gegen etwas tauschen, was er nicht selbst herstellen kann. Dann kann er lecker essen gehen, sich von einem Arzt behandeln lassen oder in den Urlaub fahren. Was davon die Menschen wirklich brauchen, kann am besten – und sollte daher – nur jeder für sich selbst entscheiden.

Keinen Post verpassen? Folgen Sie dem Pixelökonom auf Facebook, Twitter, Google+ oder abonnieren Sie den RSS-Feed.

Mehr Erwerbstätige: Hat der Mindestlohn keine negativen Effekte? 

Mindeslohnbefürworter nehmen gerne die positive Beschäftigungsentwicklung in Deutschland (seit Frühjahr 2015 plus 550.000) als Beleg dafür, dass die Mindestlohn-Einführung keinen Schaden angerichtet habe. Das Argument aber ist nicht stichhaltig. Genauso wenig wäre ein deutschlandweiter Beschäftigungsrückgang nach der Mindestlohneinführung ein Beleg. Die Veränderung der Beschäftigten-Zahlen ist schlicht das Ergebnis vieler Faktoren, der Mindestlohn ist nur einer davon.

Die Konjunkturentwicklung ist hierfür kurzfristig maßgeblich und die im Vergleich zu anderen Ländern zurückhaltende Lohnentwicklung – und damit gestiegene internationale Wettbewerbsfähigkeit – dürfte ebenfalls seinen Beitrag zur positiven Beschäftigungsentwicklung geleistet haben.

Auch wegen der Mindeslohneinführung fährt der Zug nun aber in die andere Richtung. Nach einer Umfrage des Ifo-Institut Dresden hat jedes dritte in Sachsen vom Mindestlohn betroffene Unternehmen die Löhne auch oberhalb des Mindestlohns angehoben, womit der Lohnabstand von mehr zu weniger Qualifizierten beibehalten wird.

„Der Kostendruck auf die Unternehmen dürfte demnach höher sein, als bislang in den maßgeblichen Schätzungen berücksichtigt wurde“, urteilt Ifo-Arbeitsmarktforscher Michael Weber. Und, so mutmaßt auch das Ifo Dresden: Dass es bisher keinen massiven Stellenabbau gab, sei neben den Anpassungsreaktionen der Unternehmen (Preise erhöht, Sonderzahlungen für Beschäftigte gestrichen, Arbeitszeiten verringert) vor allem der insgesamt günstigen Lage auf dem deutschen Arbeitsmarkt zu verdanken.

Keinen Post verpassen? Folgen Sie dem Pixelökonom auf Facebook, Twitter, Google+ oder abonnieren Sie den RSS-Feed.

Mindestlohn: Verlierer sind die Flüchtlinge

Gekommen, um zu bleiben: Flüchtlinge auf einer Demonstration in Hamburg. // Foto: Rasande Tyskar (CC BY-NC 2.0)
Gekommen um zu bleiben: Flüchtlinge aus Libyen auf einer Demonstration in Hamburg. // Foto: Rasande Tyskar (CC BY-NC 2.0)

Die CDU hat einen Rückzieher gemacht. Eine relevante Ausnahme vom Mindestlohn für Flüchtlinge wird es nicht geben. Das wundert wenig. Ein Beharren wäre nicht nur beim Koalitionspartner SPD, sondern auch beim Wähler (drei Landtagswahlen am 13. März) schlecht angekommen.

Die CDU hätte also nur verlieren können. Sie hat ihre Position deshalb schnell geräumt. Und es ist ihr nicht zu verdenken, sieht doch die Mehrheit der Wähler im Mindestlohn weiter eine Errungenschaft, nämlich (per Gesetz) niedrige Löhne zu verhindern.

Was regelmäßig nicht gesehen wird: Jede Preisbeschränkungen hat ihren Preis. Die Folgen zeigen sich auf der Mengenseite, und zwar in der Form, dass unter dem per Gesetz festgelegten Mindestpreis keine (legalen) Geschäfte mehr stattfinden. Mit anderen Worten: Der gesetzliche Mindestlohn sorgt dafür, dass Beschäftigungsverhältnisse unterbleiben.

Der Mindestlohn hilft nur jener (kleinen) Gruppe, deren Beschäftigung
bei einer Bezahlung von 8,50 Euro lohnt und die darüber hinaus ohne gesetzlichen Mindestlohn weniger verdienen würde. Alle anderen sind (potenzielle) Verlierer. Dazu gehören vor allem die am wenigsten Qualifizierten. Von allem, was man über das Qualifikationsniveau der zu uns Kommenden hört, dürften viele keine Anstellung für 8,50 Euro die Stunde finden.

Das fehlende ökonomische Verständnis der Wählermehrheit zwingt die Politik in die Knie, könnte man sagen. Doch Verständnis fehlt auch an anderen Stellen. Der Wissenschaftliche Dienste des Bundestages hat zum Beispiel gerade die Ausnahmen vom Mindestlohn für Flüchtlinge mit der Verweis auf das Bundesverfassungsgericht abgelehnt, wonach einzelne Gruppen nur unter restriktiven Bedingungen von Vergünstigungen (!) ausgenommen werden dürften. Die Einschränkung der Vertragsfreiheit als „Vergünstigung“ zu interpretieren, darauf muss man erst einmal kommen.

Der Einstieg in Arbeit über marktgerechte Löhne ist für viele Flüchtlinge wegen des gesetzlichen (darüber hinaus auch wegen des sozialen) Mindestlohns also verbaut. Die SPD will stattdessen teure Arbeitsmarktprogramme auflegen. Solche Programme sind bekanntlich überschaubar erfolgreich. Weil sie in der Regel am Markt vorbei konzipiert sind und auf Zwang, statt auf positive Anreize setzen. Wer so zu integrieren versucht, kann sich nur auf eines verlassen: hohe Kosten.

Keinen Post verpassen? Folgen Sie dem Pixelökonom auf Facebook, Twitter, Google+ oder abonnieren Sie den RSS-Feed.

Mein Sohn ist reicher als das Gesamtvermögen von 30 Prozent der Weltbevölkerung – oder: Für was Oxfam Aufmerksamkeit bekommt


Hallo Oxfam,

die Schlagzeile habt ihr, Recht deswegen noch lange nicht.

Die Welt wird immer ungerechter, weil ungleicher, schreibt ihr, die 62 Reichsten der Erde hätten mehr Vermögen als die untere Hälfte der Weltbevölkerung, also 3,5 Milliarden Menschen, so eure Botschaft, und deshalb fordert ihr unter anderem mehr Umverteilung.

Dabei ist allein schon die Gegenüberstellung von Menschen mit und ohne Vermögen irreführend, weil sie suggeriert, dass das eine etwas mit dem anderen zu tun hätte. Dass Arme arm, weil Reiche reich seien. Dass der Kuchen nur falsch verteilt sei. In Wahrheit aber backt jeder meist seinen eigenen Kuchen. Die einen können besser backen als andere. Entscheidender ist: Vielen fehlt es an Zutaten. An Bildung, an durchsetzbarem Recht, an der Möglichkeit, Eigentum zu erwerben und dauerhaft zu behalten.

Vor allem aber: Die absolute Armut nimmt weltweit ab! Und zwar in der Regel überall dort, wo die Möglichkeiten der Vermögensmehrung zunehmen. Vermögensungleichheit und Armutsreduktion sind zwei Seiten derselben Medaille. Wer Reichtum verteufelt, leistet der Armut einen Bärendienst.

By the way: Am zweitmeisten Arme (nach Indien) leben – eurer Quelle nach (Gobal Wealth Report der Bank Credit Suisse) – in den USA (7,5 Prozent). Weil es dort viele überschuldete Hausbesitzer und College-Absolventen mit Studienkredit gibt. Man könnte auch sagen: Die ungleiche Vermögensverteilung ist dort besonders hoch, wo es funktionierende Kreditmärkte gibt. Seid ihr auch gegen Kredite?

Übrigens, Oxfam: Mein sechsjähriger Sohn verwaltet in seiner privaten Sparkasse mehr Vermögen (ca. 30 Euro) als das gesamte Vermögen der untersten 30 Prozent der Welt beträgt, weil 30 Prozent aller Menschen kein positives Nettovermögen (Saldo aus Vermögen und Schulden) haben. Wollt Ihr daraus nicht eine Schlagzeile zimmern?

Teilen Sie den Beitrag in den sozialen Medien – und folgen Sie dem Pixelökonom auf Facebook, Twitter, Google+ oder abonnieren Sie den RSS-Feed.