Sechs Lesetipps für’s Pfingstwochenende
Veröffentlicht: 25. Mai 2012 Einsortiert unter: Linktipps Schreibe einen Kommentar »Lesen bildet, manchmal zumindest, hoffentlich bei den folgenden Lesetipps von deutschsprachigen ökonomische Papers, die ich am Wochenende (zumindest teilweise) lesen möchte:
- Die Batterie als Schlüsseltechnologie für die Elektromobilität der Zukunft: Herausforderungen – Potenziale – Ausblick / Um was es geht: “Mit dieser Arbeit wird eine Analyse bezüglich der Herausforderungen, Potenziale und dem Ausblick der Batterie als Türöffner für die Elektromobilität der Zukunft vorgelegt. Zunächst werden die technischen Grundlagen der Batterie dargestellt und die an sie gestellten Anforderungen für automobile Anwendungen aufgezeigt. Anschließend werden die für den automobilen Einsatz in Fahrzeugen aktuell am stärksten verbreiteten sowie sich in Entwicklung befindliche elektrochemische Speichersysteme vorgestellt. Daran schließt sich eine Erörterung derer Potenziale und Grenzen an. Dazu werden die Batterietechnologien anhand der Anforderungen untereinander verglichen und bewertet. Als vielversprechendste Schlüsseltechnologie zur flächendeckenden Einführung der Elektromobilität wird die Lithium-Ionen-Batterie mit ihren Potenzialen und Spannungsfeldern vertiefender behandelt. Dies erfolgt über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg, beginnend bei der Rohstoffgewinnung über die Produktion und die Nutzung bis hin zum Recycling der Batterie. Im Fazit und Ausblick werden die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit zusammenfassend dargestellt.”
- Ökonomische Grundfragen der Klimaanpassung: Umrisse eines neuen Forschungsprogramms / Um was es geht: “Angesichts erfolgloser internationaler Klimaschutzverhandlungen und einer kaum zu erwartenden Trendumkehr bereits eingetretener klimatischer Veränderungen gewinnt die Option der Anpassung an den Klimawandel immer mehr an klimapolitischer Bedeutung. Zahlreiche Länder haben durch die Konzeption von Strategien oder Maßnahmenkatalogen bereits einen Anpassungsprozess angestoßen. Daher besteht ein großer Bedarf, diesen Prozess von wissenschaftlicher Seite zu begleiten. Der ökonomischen Disziplin kommt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselrolle zu, v. a. im Hinblick auf die Ausgestaltung, Bewertung und Auswahl von Anpassungsmaßnahmen und -instrumenten. Das noch recht junge Feld der ökonomischen Anpassungsforschung wächst mit beträchtlicher Geschwindigkeit und weist bereits eine enorme Bandbreite an methodischen Ansätzen und Forschungsfragen auf. Vor diesem Hintergrund ist der vorliegende Beitrag bestrebt, eine systematische Strukturierung und Synthese der einzelnen Forschungsarbeiten vorzunehmen, um den politischen Akteuren einen Überblick über die wissenschaftlichen Empfehlungen und Erkenntnisse zu verschaffen, die diese bei ihren Entscheidungen berücksichtigen müssen. Ferner sollen offene Forschungsfragen identifiziert und darauf aufbauend Eckpunkte für die zukünftige Ausrichtung der ökonomischen Klimaanpassungsforschung konturiert werden.”
- Zur Integration von Tieren in wohlfahrtsökonomische Analysen / Um was es geht: “Insbesondere die zunehmende Diskussion um die Probleme und Regulierung landwirtschaftlicher Nutztierhaltung hat dazu geführt, dass in den letzten Jahren zahlreiche ökonomische Analysen veröffentlicht wurden, die das Wohlbefinden von Tieren zum Thema haben (z. B. Köhler 2005; Makdisi 2011; Schrader 2009; Wille 2011). Allen diesen Arbeiten ist gemein, dass das Wohlbefinden der Tiere indirekt berücksichtigt wird. Das Wohlbefinden der Tiere beeinflusst die wohlfahrtsökonomische Beurteilung eines Sachverhalts dann, und nur dann, wenn es Menschen gibt, denen das tierische Wohl ‘etwas wert’ ist. Die Motive dafür können durchaus über ein enges Nutzenkalkül hinausgehen und moralisch oder altruistisch begründet sein. Dieser Ansatz ist sicherlich zufriedenstellender als wenn man Tiere nur unter dem Aspekt ihrer kommerziellen Nützlichkeit (im weitesten Sinn) berücksichtigen würde, gleichwohl trägt er nicht der Forderung Rechnung, Tiere und Menschen moralisch analog zu berücksichtigen. Diese Forderung ist in Bezug auf empfindungsfähige Tiere nicht nur von den utilitaristischen Vorvätern der Wohlfahrtsökonomie erhoben worden, sie wird auch von den meisten Tierethikern vertreten. Es überwiegt die Meinung, dass man innerhalb ökonomischer Analysen dieser Forderung nicht Rechnung tragen kann. Aus ökonomischer Sicht gelte ‘(farm animals’) value and importance is derived explicitly from what the contribute to economic output’ (McInerney 2004) und ‘(animals’) preferences and wellbeing have relevance only to the extent that they are important to (humans)’ (ebd.), weshalb Ökonomen ‘(have to) assign zero value to the welfare of any sentinent life with no spending power’ (Frank 2002). Wir schließen uns dieser Meinung nicht an, sondern wollen mit unserem Beitrag den Kreis der wenigen ökonomischen Arbeiten erweitern, die über den anthropozentrischen Rahmen hinausgehen. Unser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, wie man innerhalb der Wohlfahrtsökonomie einen Eigenwert der Tiere berücksichtigen kann.”
- Innovationsverhalten in Familienunternehmen / Um was es geht: “Familienunternehmen gelten in der öffentlichen Wahrnehmung als besonders innovativ und als Hidden Champions der deutschen Wirtschaft. In jüngster Zeit widmen sich Forscher vermehrt der Überprüfung dieser These und kommen zu diametral unterschiedlichen Ergebnissen. Einerseits wird Familienunternehmen ein besonderer Unternehmergeist bescheinigt, der sie besonders innovativ macht, andererseits soll die mangelnde Trennung von Eigentum und Kontrolle sowie unzureichende Diversifikation zu deutlich geringer Innovationsaktivität führen. In dieser Studie untersuchen wir Innovationsaktivitäten von 436 deutschen Industrieunternehmen unterschiedlicher Rechtsformen, Größen, Alter, Industrien und vor allem unterschiedlicher familiärer Beteiligung und Beeinflussung des Management und des Aufsichtsrates. Wir kommen dabei zu differenzierten Ergebnissen. Grundsätzlich wirkt sich sowohl familiäres Anteilseigentum als Beteiligung der Eignerfamilie im Top Management signifikant negativ auf Innovationsaktivitäten aus. Im Gegensatz dazu hat der Grad familiärer Kontrolle im Aufsichtsrat signifikant positive Auswirkungen auf das Innovationsverhalten. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass inhabergeführte Unternehmen aufgrund von Risikoaversion wenig innovativ sind, während der Rückzug der Investorenfamilie in die Rolle eines Ideengebers und Kontrolleurs zu mehr Innnovationen führt.”
- War all die Aufregung umsonst? Über die Auswirkung der Einführung von Studiengebühren auf die Studienbereitschaft in Deutschland / Um was es geht: “Dem vorliegenden Beitrag liegt die Forschungsfrage zugrunde, ob Studienberechtigte in Deutschland durch Studiengebühren von einem Studium abgehalten werden. Diese Fragestellung ist aus mindestens zwei Aspekten relevant: Erstens gibt es bislang nur wenige Arbeiten, die, bezogen auf die Bundesrepublik, den Effekt von Studiengebühren auf die Studierneigung untersuchen, und zweitens motiviert die hierzulande unterdurchschnittliche Studierneigung eine empirische Überprüfung der Wirkungsweise von Studiengebühren. Mit den Daten der HIS-Studienberechtigtenbefragungen der Jahre 1999 bis 2008 wird zunächst mit einer Mehrebenenanalyse überprüft, ob es durch die Einführung von Studiengebühren zu einem Rückgang in der Studierneigung gekommen ist. Aufgrund der methodischen Kritikpunkte, die man an dieser Stelle der Analysestrategie entgegenhalten kann, werden diese Ergebnisse weiter mit einer Difference – in – Differences (DiD) Schätzung validiert. Mit keiner der durchgeführten Analysen kann ein negativer Effekt von Studiengebühren auf die Studierneigung identifiziert werden. In Reaktion auf diese Ergebnisse wird in einem weiteren Schritt aus der Rational-Choice-Theorie heraus gefragt, warum sich kein negativer Effekt auf die Studierneigung beobachten lässt, obgleich sich die monetären Kosten für ein Studium erhöht haben. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass es mit der Einführung der Studiengebühren zu einer Aufwertung der Erträge für ein Studium gekommen ist.”
- Energiewende ohne Markt? Ordnungspolitische Perspektiven für den deutschen Stromsektor / Um was es geht: “Durch die Katastrophe von Fukushima im Frühjahr 2011 ist ein beschleunigter Atom-ausstieg in Deutschland beschlossen worden. Parallel steigen die Öl- und Benzin-preise dramatisch aufgrund der politischen Instabilität in der arabischen Welt. Grund genug für eine grundlegende Energiewende mit neuer staatlich gelenkter Energiepo-litik? Grundsätzlich ja, aber warum ohne Markt? Der deutsche Energiemarkt besteht aus mehreren miteinander verbundenen Märkten, dem für Strom, für Heizenergie (insbesondere Heizöl und Gas) und für Mobilitätsenergie (Benzin etc.). Diese sind größtenteils durch regionale Monopole, Oligopole oder Netzstrukturen gekennzeich-net. Enorme staatliche Eingriffe wie Subventionen und Regulierungen ergänzen das Bild. Schnelle und effiziente Anpassungen sind in einem solchen Innovationssystem nicht zu erwarten. Auch die von Bundeskanzlerin Merkel eingesetzte Energie-Kommission hat keine entsprechenden Vorschläge gemacht. Diese sind zudem noch nicht alle umgesetzt. Deutschland braucht daher ein marktwirtschaftliches Energie-konzept. Die Ordnungspolitik, basierend auf der Marktordnung Walter Euckens, ist in der Lage ein solches marktwirtschaftliches Konzept für die Energiewende in Deutsch-land bereitzustellen. Wie es für den Stromsektor aussehen kann, wird hier diskutiert.”
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Wie Geld glücklich macht
Veröffentlicht: 24. April 2012 Einsortiert unter: Ökonomie am Rande 1 Kommentar »
“At TEDxCambridge, Michael Norton shares fascinating research on how money can, indeed buy happiness — when you don’t spend it on yourself. Listen for surprising data on the many ways pro-social spending can benefit you, your work, and (of course) other people.”
Wie wichtig und richtig sind Prognosen?
Veröffentlicht: 13. April 2012 Einsortiert unter: Gesellschaft | Tags: Konjunktur, Prognose 1 Kommentar »Der Wunsch, die Zukunft zu kennen, bringt manche um den Verstand. Bisweilen hilft dann sogar der Bundesgerichtshof. Einem Mann war seine langjährige Freundin weggelaufen. Er, in den Vierzigern, Werber und Messebauer, ging darauf zu einer Wahrsagerin. Sein Ziel: Die Freundin zurück gewinnen. Das erste Telefonat war kostenlos gewesen. Danach wurde es teuer: Kartenlegen für 100 Euro, Coachings für ebenfalls 100 Euro, für die ersten 30 Minuten, plus 50 Euro für alle weiteren 15 Minuten.
Eine Rechnung über 35.000 Euro beglich der Mann, eine zweite über 6.700 Euro verweigerte er, nachdem der Verlassene eine Sektenberatung aufgesucht hatte. Darauf klagte die Wahrsagerin, bis zum Bundesgerichtshof. Der fällte ein Sowohl-als-auch-Urteil: Zwar dürften Kartenleger grundsätzlich Geld verlangen, ein Vertrag könne aber sittenwidrig und damit nichtig sein, wenn er mit Kunden in “schwierigen Lebenssituationen”, psychisch labilen oder leichtgläubigen Menschen abgeschlossen werde. Der Bundesgerichtshof wies den Fall zur Beurteilung der Sittenwidrigkeit an die Vorinstanz zurück.
Die Zukunft ist ein Milliarden-Geschäft. Auch für jene, die bei Sinnen sind. Noch nie waren die Möglichkeiten vielfältiger, mit richtigen Prognosen reich zu werden – mit dem Tippen von Fußballspielen, mit der Vorhersage über Unternehmensentwicklungen, mit dem Schätzen zukünftiger volkswirtschaftlicher Wachstumsraten. Die gesamte Finanzbranche lebt davon, in die Zukunft zu schauen. Je genauer die Prognose glückt, desto reicher wird man.
Dieser Zusammenhang gilt nicht nur für ganze Wirtschaftszweige. Er trifft auf jeden einzelnen Menschen zu. Werde ich die kommenden 20 Jahre alle Raten für meinen potenziellen Hausbau zurück zahlen können? Kann ich mir ein Auto auf Pump leisten? Soll ich für einen Jobwechsel in eine neue Stadt ziehen? Wird die Nachfrage nach meinen Produkten weiter zunehmen, sodass sich die Erweiterung der Fertigungshalle lohnt? Wie stellt sich die Lage am Arbeitsmarkt nach meinem Architekturstudium dar?
Je besser wir die Zukunft einschätzen, desto (wirtschaftlich) erfolgreicher ist unser Leben. Das vermeintlich Verrückte dabei: Wir können unsere Zukunft teilweise tatsächlich vorhersagen. Weil Zukunft häufig so wird, wie wir glauben, dass sie wird. Selbsterfüllende Prophezeiung heißt das, wenn etwa viele Menschen ihr Verhalten in der Gegenwart ändern und damit die Zukunft beeinflussen.
Zum Beispiel der Konsumklima-Index des Nürnberger Marktforschungsunternehmens GfK. Jeden vorletzten Werktag im Monat, punkt 8 Uhr morgens, wird die Konsumneigung von 2000 repräsentativ ausgewählten Deutschen veröffentlicht.
Der Konsumklima-Index schafft es regelmäßig in die Tageszeitungen und beeinflusst somit selbst das Verbraucherverhalten. Denn wovon andere überzeugt sind, das machen sich viele selbst zu eigen. Glauben andere, dass die Zukunft rosig ist, passt man seine Meinung an.
Vor allem in umgekehrter Richtung geschieht eine Anpassung häufig – und ist gefährlich. Medien würden eine Dramatik inszenieren, sagt Wirtschaftsprofessor Klaus F. Zimmermann, „indem Negativmeldungen überzeichnet und Positivmeldungen schlicht ignoriert werden.“ So könnten sich Stimmungswellen rasch verbreiten. „Da der Kern allen Wirtschaftens wechselseitiges Vertrauen ist, reagiert das Marktsystem extrem sensibel auf Vertrauenskrisen“, so Zimmermann. Ob selbsterfüllend oder nicht: Wenn die Konjunktur nach unten geht, ist die Entwicklung besonders rasant. „Die sich unerwartet rapide verschlechternde Situation ist für Krisen kennzeichnend“, sagt Professor Ulrich Heilemann, Direktor des Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung (IEW) der Universität Leipzig.
Allein in Deutschland veröffentlichen mehr als 30 Institutionen regelmäßig Konjunkturprognosen. Allen Indizes ist gemein, dass Sie manchmal die Zukunft treffend einschätzen und andere Male ziemlich daneben liegen. Besonders ärgerlich: Prognosen helfen dann, wenn sie am nötigsten sind, nämlich in unsicheren, schwierigen Zeiten, besonders wenig, weil sie dann überdurchschnittlich ungenau sind.
Die Wissenschaft wird häufig für diese Ungenauigkeit gescholten. Sie ist nur bedingt schuldig. Denn Prognosen basieren auf Annahmen. Diese Annahmen können sich ändern. Mache Ereignisse sind schlicht nicht vorhersehbar. Sie werden exogene Schocks genannt. So kann eine Wachstumsprognose etwa nur schwer berücksichtigen, welche Wirtschaftspolitik in der Zukunft betrieben wird, eine wachstumsfreundliche oder wachstumsschädliche.
Auch manche benötigten Kennzahlen sind dermaßen schwankend, dass jede Prognose unlauter wäre. „Aus gutem Grund unterlassen es Ökonomen regelmäßig, sich auf eine kurzfristige Prognose besonders schwieriger Größen wie der Wechselkurs und der Energiepreis einzulassen“, so Professor Zimmermann, „in makroökonomischen Vorhersagesystemen werde sie üblicherweise mit plausibel gemachten Werten angenommen.“
Mit anderen Worten: In Wachstumsprognosen fließen Zahlen ein, die einfach mal so über den Daumen gepeilt werden. Wissenschaft stellt man sich bisweilen anders vor.
Was ebenfalls von den Forschern beliebig bestimmt wird: die Theorie, auf der die Prognose fußt. Denn jede Prognose basiert auf Theorien. Welche Theorie gewählt wird, hängt vom subjektiven Auswahlverfahren des Wissenschaftlers ab. „Der eine wählt eine eher neoklassische Optik, der andere bevorzugt keynesianisch geformte Linsen, der eine trägt eine Weitsichtbrille mit eingebautem langfristigem Gleichgewicht, der andere eine Halbbrille mit eher monetaristisch eingefärbten Gläsern“, so Willi Koll, vom Wirtschaftsministerium, das mit dem Jahreswirtschaftsbericht selbst eine Konjunkturprognose herausgibt.
Die Unsicherheit von Prognosen hat also mehrere Ursachen. Inwieweit ist aber die Wissenschaft für Ungenauigkeiten selbst verantwortlich? Zimmermann sieht Defizite: „Es gibt Bereiche, in denen die spezialisierte makroökonomische Forschung noch nicht ausreichend entwickelt ist, um dort verlässliche Inputs für die Konjunkturprognosen zu liefern.“ Schlimmer allerdings ist, dass die Wissenschaft manches schon weiß, dieses Wissen aber in der Vorhersageforschung trotzdem keinen Niederschlag findet. „Der Erkenntnisfortschritt wird in Teilbereichen nicht oder nur unzureichend in der Prognosemethodologie berücksichtigt“, so Zimmermann.
Die Folge: Stillstand. „Es ist besonders bitter“, sagt Heilemann von der Uni Leipzig, „dass sich die Prognosen des BIP in den letzten 50 Jahren trotz beachtlicher Verbesserungen bezüglich Daten und Methoden, vielleicht auch Theorien, praktisch nicht verbessert haben.“ Seine Erklärung: „Wir lernen nicht nur dazu, wir vergessen auch.“ Die Krisen würden uns zwar wie eh und je begleiten, die Konjunktur- und Krisenlehre aber habe sich im Lauf der Jahre aus den Lehrplänen verabschiedet. Heilemann: „Die Hoffnung, dass mit besseren Theorien, Daten und Methoden die Prognosen treffsicherer werden, haben sich bislang nur in der Meteorologie erfüllt.“
Die meisten Zitate dieses Artikels sind dem Zeitgespräch aus der Zeitschrift Wirtschaftsdienst, 2009/02 entnommen.
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Nimmt die Ungleichheit in Deutschland zu?
Veröffentlicht: 2. April 2012 Einsortiert unter: Gesellschaft | Tags: Einkommen, Gerechtigkeit, Sell, Ungleichheit Schreibe einen Kommentar »Friedrich L. Sell und Felix Stratmann von der Bundeswehr Universität München haben ein sehr lesenswertes Metapaper zu theoretischen Konzepten und empirischen Belegen zur Einkommensverteilung in Deutschland verfasst (Verteilungs(un)gleichgewicht in Deutschland: Zweieinhalb theoretische Konzepte und fünf empirische Belege).
Hier die aus meiner Sicht zentralen Aussagen des Papers:
- Ungleichheit in unserer Gesellschaft ist gewollt - sonst gäbe es diese in einer Demokratie nicht.
- Das Maß an Ungleichheit variiert kaum: Die Sekundärverteilung (also was die Bürgern nach der Umverteilung durch den Staat bleibt) ist in fast allen entwickelten Ländern in den vergangenen 50 Jahren gleich geblieben.
- Die Menschen sind dann mit ihrem Einkommen zufrieden, wenn Sie mehr verdienen als die Menschen in ihrem beruflichen oder privaten Umfeld.
- 66 Prozent der Deutschen sind mit ihrem Einkommen zufrieden.
- Der Grund, warum zwei Drittel mit ihrem Einkommen zufrieden sind, liegt an einer verzerrten Wahrnehmung bei den Einkommen. Viele Menschen nehmen den Modus der Einkommensverteilungskurve als durchschnittliches Einkommen wahr. Der Modus ist der höchste Wert auf der Kurve (siehe Abbildung, aus Sell-Paper), er gibt an, welches Einkommen am häufigsten vorkommt. Das Modus-Einkommen ist also in der Gesellschaft das sichtbarste. Weil die Einkommensverteilung aber linkssteil und rechtsschief ist, verdienen 2/3 der Menschen mehr als das Modus-Einkommen. Andere “Durchschnittswerte” wie der Median (die Häfte der Menschen verdient weniger, die Hälfte mehr als das Median-Einkommen) oder das arithmetische Mittel (alle Einkommen werden addiert und durch die Zahl der Einkommenbezieher geteilt) liegen rechts vom Modus, bezeichnen also ein höheres Einkommen. Sie wären eigentlich geeignetere Bezugsgrößen für das eigene Einkommen. Weil die Menschen aber den Modus als Vergleich zu ihrem Einkommen heranziehen, sind 2/3 mit ihrem Einkommen zufrieden.

- In den vergangenen Jahren hat die Ungleichheit zugenommen. Der Ungleichheit messende Gini-Koeffizient pendelt in Deutschland schon seit Jahrzehnten zwischen 0,25 und 0,3. Allerdings ist der Gini-Koeffizient von 2003 bis 2008 kontinuierlich gestiegen und “stößt 2008 an die Decke von 0,3, um danach wieder leicht zu fallen.”
- Neben der tatsächlichen Ungleichheit hat auch die Vorstellung über die Ungleichheit zugenommen. Die Einkommensverteilung in Deutschland wird nur von einer Minderheit als gerecht empfunden (35 Prozent in der Oberschicht, 20 Prozent in der Mittelschicht, 10 Prozent in der Unterschicht). „Die Umfragewerte belegen die Vermutung, wonach die personelle Einkommensverteilung seit Beginn des neuen Millenniums nicht nur tatsächlich ungleichmäßiger geworden ist, sondern dass dies auch von den verschiedenen Einkommensklassen als Verschlechterung der vormaligen Situation empfunden wird“
- 66 Prozent aller Befragten wollen mehr Umverteilung der Einkommen, 12 Prozent weniger und 4 Prozent sehen den Grad an Umverteilung als genau richtig an.
- Die Menschen wollen mehr Umverteilung, empfinden aber die Summe der Steuern und Abgaben als zu hoch.
- Der Wunsch nach mehr Umerteilung korreliert mit der Parteienähe: „Der Wunsch nach mehr Umverteilung sinkt von den Anhängern der Linken (79 Prozent) über die SPD (71 Prozent), zu den Grünen (68 Prozent), der CDU/CSU (62 Prozent) bis hinunter zur FDP (49 Prozent).“
- In allen Einkommensgruppen nimmt die „große Sorge“ um die eigene wirtschaftliche Situation seit 1990 zu.
Hat Facebook Zukunft?
Veröffentlicht: 8. Februar 2012 Einsortiert unter: Unternehmen/Branchen | Tags: Börsengang, Facebook, Netzwerkeffekte 1 Kommentar »Börsen bergen Geheimnisse. Warum will der eine kaufen, was der andere los werden möchte? Weshalb lassen sich Massen dazu verleiten, Trends hinterherzulaufen bis die Trends zusammenbrechen? Und welch sonderliche Papiere werden an diesen Märkten überhaupt gehandelt?
Börsen bringen häufig Licht ins Dunkle. Denn Börsen stellen Regeln auf. Sie schreiben vor, zu welchen Bedingungen Geschäfte getätigt werden dürfen, und sie zwingen jene, die über den Verkauf von Papieren an frisches Geld kommen wollen, Informationen preis zu geben, damit jene, die das Geld geben, halbwegs wissen, worauf sie sich einlassen.
Rund fünf Milliarden Dollar will Facebook mit seinem im Mai geplanten Börsengang einsammeln. Das weltweit größte soziale Netzwerk hat sich dafür ausgezogen, allen voran sein Erfinder Marc Zuckerberg. Im 207 Seiten umfassenden Börsenprospekt ist zu lesen, dass Zuckerberg im vergangenen Jahr 693.000 Dollar ausgegeben hat, um nicht mit Linienfliegern, sondern mit gecharterten Flugzeugen zu reisen, angeblich aus Sicherheitsgründen. Und dass Zuckerberg bisher pro Jahr 483.300 Dollar verdient hat sowie ein Bonus von zuletzt 221.000 Dollar; dass er in Zukunft aber nur noch ein symbolisches Gehalt von einem Dollar beziehen wird. Zuckerberg kann sich das leisten. Er hält 28,4 Prozent der Facebook-Anteile und ist somit potenzieller Multimilliardär.
Außerdem im Börsenprospekt zu lesen: Facebook hat im vergangenen Jahr einen Gewinn von einer Milliarde Dollar gemacht, bei einem Umsatz von 3,7 Milliarden Dollar. 2010 waren es noch 606 Millionen Dollar Gewinn, 2009 waren es 229 Millionen. Davor war Facebook nicht profitabel, der Verlust 2008 betrug 56 Millionen Dollar. Und die Mitarbeiter-Zahl steht ebenfalls im Prospekt: 3200 Menschen arbeiten für Facebook, 50 Prozent mehr als noch im 2010.
Der Börsengang verrät also viel über aktuellen Stand und Historie des Unternehmens Facebook. Für Anleger mindestens genauso wichtig: Informationen über die Zukunft. Bei einem Börsengang müssen deshalb auch potenzielle Risiken dargelegt werden. 35 dieser Risikofaktoren finden sich im Börsenprospekt von Facebook. Etwa dass ein Ausscheiden von Sherly Sandberg, der Nummer zwei bei Facebook und ehemalige Stabsschefin des amerikanischen Finanzministers Larry Summers, für Facebook eine mittlere Katastrophe wäre. Ebenfalls ein Risiko: Weil viele Facebook-Programmierer Anteile am Unternehmen besitzen, sind diese mittlerweile reich geworden. „Deshalb kann es für uns schwierig werden“, schreibt Facebook, „diese Mitarbeiter zu halten und weiterhin zu motivieren.“
Ungewiss ist auch die Entwicklung der Werbeeinnahmen auf dem Portal, Facebooks größte Einnahmequelle. Die läuft nämlich gar nicht so gut: 845 Millionen Facebook-Mitglieder erwirtschaften im Durchschnitt nicht mal vier Dollar Werbeumsatz im Jahr.
Die Offenheit, die ein Börsengang verlangt, kann einem Unternehmen schaden. Weil die Konkurrenz viel erfährt: über Umsatz und Gewinn, welche Produkte gut, welche schlecht laufen, was geplant ist und wo die Gefahren liegen. Ein börsennotiertes Unternehmen wird so angreifbar. Facebook muss sich dennoch wenig Sorgen machen. Konkurrenz gibt es kaum. Facebook hat sie abgehängt, marginalisiert, abgeschafft. Vielleicht von Google abgesehen, das mit dem Dienst „Google+“ versucht, Facebook anzugreifen, bisher mit überschaubarem Erfolg.
Facebook profitiert von einem Phänomen, einer vor allem im Internet vorkommenden Besonderheit, welche dem Ersten in einem Markt gute Chancen einräumt, für lange Zeit der Erste zu bleiben. Es sind die so genannten Netzwerkeffekte, welche den Wert eines Unternehmens ohne eigenes Zutun steigert. Neue, dem Netzwerk beitretende User erhöhen demnach nicht nur für sich den Nutzen, sondern auch für jene, die sich bereits im Netzwerk befinden, da sie nun mit mehr Nutzern kommunizieren können. Wird eine kritische Masse erreicht, so steigt die Nutzerzahl sogar exponentiell an. Nach der Erfindung des Telefons war dieses Phänomen erstmals zu beobachten. Facebook haben die Netzwerkeffekte zum Giganten gemacht.
Der Kauf von Facebook-Aktien scheint also eine sichere Bank zu sein. Könnte man meinen. Zunächst einmal muss man überhaupt an Aktien gelangen. Das wird nicht einfach. Facebook hat fünf US-Banken und ein britisches Institut beauftragt, große Teile der Aktien auszugeben: Morgan Stanley, JPMorgan, Goldman Sachs, Bank of America/Merrill Lynch, Allen & Co sowie Barclays. Wer bei der erstmaligen Ausgabe an Aktien kommen will, muss sich grundsätzlich an diese Unternehmen wenden. Die aber sind keineswegs verpflichtet, die Nachfrage nach einem gerechten Verfahren – etwa Auslosung – zu bedienen, wie das beispielsweise bei der Ausgabe der Telekom-Aktien in Deutschland stattgefunden hatte.
„Die Institute haben keinerlei Verpflichtungen, an wen sie die Aktien ausgeben”, sagt Robert Halver, Börsenhändler bei der Baader Bank zu Spiegel Online. Die Institute werden folglich zunächst ihre besten Kunden bedienen, reiche Kunden und ihre eigenen Investmentfonds mit Facebook-Aktien ausstatten.
Viele potenzielle Anleger werden also erst dann die Chance auf Facebook-Aktien bekommen, wenn diese erstmals an der Börse gehandelt werden. Vermutlich wird der Preis aber dann schon deutlich über dem Ausgabewert liegen. Allein schon deshalb, weil die Facebook-Aktie in bekannte Indizes wie dem US-Technologieindex Nasdaq aufgenommen werden wird und daher jene Investmentfonds die Aktien kaufen müssen, die diesen Index 1:1 nachbilden.
Aber wie wird sich die Aktie auf lange Frist entwickeln? Taugen Facebook-Aktien als dauerhaftes Investment? Die ökonomische Theorie sagt: Ja. Die Netzwerkeffekte spielen Facebook in die Hände. Und wenn Mark Zuckerberg keinen Blödsinn macht, wenn das Unternehmen solide geführt wird, wenn keiner dem Größenwahn verfällt, wird Facebook auf lange Zeit das größte Netzwerk bleiben. Auf der einen Seite.
Auf der anderen Seite: Der technische Fortschritt verläuft immer rasanter. Was gestern noch als Geschäftsmodell funktionierte, ist morgen schon überholt. Der Ausblick in die Zukunft wird immer ungenauer, weil immer schwerer einschätzbar ist, welche Erfindungen morgen unser Leben umkrempeln.
Und allen Netzwerkeffekten zum Trotz: Die Hürde, ein Netzwerk zu wechseln, ist aus User-Sicht gering. Eine neue Webseite anklicken, Name und Passwort eintragen, fertig. Sollte der Gegenwind, den Facebook schon heute an manchen Stellen spürt, zum globalen Trend anwachsen, könnten die Internetnutzer ihr Glück im nächsten „Whatever it will be named“- Netzwerk finden.
Fazit: Trotz Netzwerkeffekt taugen Facebook-Aktien nicht für die Altersvorsorge, weil in der Internetbranche zu viel Bewegung ist. Selbst Mark Zuckerberg macht jetzt schon mal Kasse. Noch vor dem Börsengang seines Unternehmens möchte Zuckerberg Aktienoptionen verkaufen, die er 2005 für seinen Job als Facebook-Chef erhalten hatte – potenzieller Verkaufserlös: 5 Milliarden Dollar.
Nudge – Sanfte Chance oder Gefahr?
Veröffentlicht: 23. Januar 2012 Einsortiert unter: Gesellschaft | Tags: Armin Falk, behavioral economics, Cass Sunstein, Nudge, Richard Thaler, stups, universität bonn 3 Kommentare »Zur Beeinflussung von Menschen braucht es oft nicht viel. Um etwa bei einer Kantinenauslage mit Obst und Süßigkeiten die Menschen zur gesunden Entscheidung zu bewegen, reicht es, einen Spiegel hinter der Auslage zu platzieren. Damit Reinigungskräfte weniger Arbeit haben, wird in Urinalen das Abbild einer Fliege angebracht, weil Männer auf die Fliege zielen, und deshalb 80 Prozent weniger Urin auf dem Boden landet. So ist es jedenfalls in dem 2008 erschienenen Buch „Nudge“ der US-Professoren Richard Thaler (Wirtschaftswissenschaftler) und Cass Sunstein (Rechtswissenschaftler) nachzulesen.
Mit kleinen Änderungen viel bewirken, lautet die Idee hinter Nudge (auf deutsch „Stups“ oder „Schubs“). Armin Falk, Wirtschaftsprofessor für Verhaltensökonomie an der Universität Bonn, hat dies heute mit einem kleinen Vortrag auch bei mir geschafft. Falk war Referent auf der gerade stattfindenden Konferenz „Ökonomie neu denken“ von Stifterverband und Handelsblatt in Frankfurt.
Falks Wissenschaftszweig, die Behavioral Economics, hat die Wirtschaftswissenschaften in den vergangenen Jahrzehnten ordentlich durcheinander gewirbelt. Die Modellannahmen vom Homo oeconomicus, also des rationalen Nutzenmaximierers, wurden durch die Forschungsergebnisse der Verhaltensökonomen in Frage gestellt.
Wirklich gestürzt wurde der Homo oeconomicus aber nie. Klassiker und Verhaltensökonomen haben sich mittlerweile weitgehend ausgesöhnt. Beide Seiten haben erkannt, dass es mehr ums Ergänzen, Erweitern, statt Zerstören und Ersetzen geht. Heute dient der Homo oeconomicus der grundlegenden und groben Orientierung bei der Erklärung menschlichen Verhaltens, im Detail benötigt es den empirisch geschärften Blick der Verhaltensökonomie.
Für viele Liberale war der Angriff auf den Homo oeconomicus ein Angriff auf ihr Weltbild gewesen. Zu diesem Weltbild gehört, dass keiner besser als jeder für sich selbst weiß, was gut für einen ist. Liberale kämpfen für den freien Willen und die freie Entscheidung, für einen Menschen, der nicht vom Staat oder anderen Institutionen genötigt wird zu tun, was er nicht tun will. Was aber, wenn der Einzelne gar nicht immer weiß, was gut für ihn ist? Weil er zum Beispiel zu wenige Informationen hat, oder zu viele. Wenn rationale Entscheidungen, aus welchen Gründen auch immer, nicht möglich sind. Braucht es dann doch Dritte (den Staat), der für einen entscheidet?
Thaler und Sunstein finden in ihrem Buch einen Weg, der die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie mit liberalen Grundsätzen versöhnt. Der Ausweg heißt liberaler Paternalismus, bei dem der Staat in erster Linie lediglich Anstöße gibt.
Beim liberalen Paternalismus werden den Bürgern also lediglich Entscheidungshilfen gegeben, ohne jene Bürger einzuschränken, die sich für eine andere Richtung entscheiden. Beispiel Organspendegesetz. Dort führen kleine Unterschiede zu diametral gegensätzlichen Ergebnissen. So ist in Ländern mit so genannter Opt-in-Regel, wie in Deutschland, bei der sich jeder bewusst für die Organspende entscheiden muss, die Bereitschaft zur Organspende um ein Mehrfaches geringer (nur knapp über 10 Prozent besitzen einen Organspendeausweis) als in Ländern mit Opt-out-Regel, wie beispielsweise in Österreich, wo man sich explizit äußern muss, dass man nach seinem Tod keine Organe entnommen bekommen möchte (über 90 Prozent).
Bei der Organspende geht es für den Einzelnen um sehr viel, doch obwohl nur eine Postkarte zu schreiben ist, führen unterschiedliche Ausgangssituationen zu extrem unterschiedlichen Ergebnissen. / Armin Falk
Das Organspende-Beispiel macht deutlich, dass sich Menschen mit vielen – selbst für sie persönlich – wichtigen Themen nicht beschäftigen. Sie nehmen hin, was sie vorfinden, sie hinterfragen nicht. Man kann das kritisieren. Man sollte bedenken: Der Mensch hat viel zu tun. Täglich, stündlich, minütlich müssen Entscheidungen getroffen werden. Wir kommen gar nicht darum herum, Entscheidungsfindungen auszulagern. Ständig. Zum Beispiel im Supermarkt. Wir kaufen Lebensmittel nach dem äußeren Schein oder weil sie ein Bio-Siegel tragen. Wir brauchen Hilfen, damit wir Qualität beurteilen können. Es geht nicht anders, wir können nicht alles überblicken. Nie konnte dass der Mensch, heute am allerwenigsten.
„Für einen Paternalismus in gewisser Ausprägung zu sein, ist eine liberale Position, weil sie schlicht anerkennt, dass Menschen hilfsbedürftig sind“, sagt Falk, der auch Direktor des Center for Economics and Neuroscience sowie des Labors für Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Bonner Universität ist. Tatsächlich sei erwiesen, dass vor allem den weniger Schlauen mit sanftem Paternalismus geholfen werden könne, sagt Falk. Bei der Ernährung zum Beispiel. Fettleibigkeit sei vor allem in unteren sozialen Schichten verbreitet.
Nudge kann Probleme verringern, aber auch welche schaffen. Denn wer sagt, dass der, der stupst, eine Richtung vorgibt, welche die Menschen tatsächlich wünschen? Vor allem aber: Vielleicht verfolgt der „Stupser“ seine eigenen Interessen. Staatliche Institutionen wollen mit steigenden Steuereinnahmen finanziert werden, Machthabende möchten wiedergewählt werden.
„Keine Frage“, sagt Falk, „der liberale Paternalismus kann auch eine Gefahr sein.“ Deswegen sei es wichtig, dass auch die Anstöße demokratisch legitimiert werden. „Nicht ich kann beurteilen, was gewollt ist, dafür braucht es den Wähler.“
Wirtschaft in bewegtem schwarz-weiß: explainity erklärt die Welt
Veröffentlicht: 22. Dezember 2011 Einsortiert unter: Wissen | Tags: explainity, Video 2 Kommentare »Sie nennen sich selbst ein “Projekt zur Komplexreduktion”. explainity heißt dieses Projekt der Gründer Andreas Ebert und Steffen Horstmannshoff an der Universität Lüneburg.
Entwickelt werden geeignete Maßnahmen und Strategien u.a. auf Bewegtbild-Basis, die eine fokussierte Darstellung komplexer Zusammenhänge ermöglichen.
Ich finde, dies gelingt Ihnen ganz hervorragend! Im folgenden die Beiträge, in denen sich explainity mit aktuellen Wirtschaftsthemen auseinandersetzt.
Im Übrigen: Welches Thema explainity als nächstes erklärt, wird demokratisch bei Facebook ermittelt.
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