Gemüsematsch in Alufolie: Buritto Veggi Pancho @ Mishba (S-Bahnhof Friedrichstraße) #100lunches

burrito veggi pancho @mishba

Der Pixelökonom hat sich mit Eating out sein Bankkonto ruiniert. Jetzt soll alles anders werden. “Auf die Hand” statt “Sitzplatz im Restaurant”, lautet das bevorzugte neue Motto beim Mittags(steh)tisch. An 100 Werktagen werden 100 Lunch-Orte unter 5 Euro rund um meinen Arbeitsplatz an der Friedrichstraße in Berlin Mitte (Wikipedia) gesucht und getestet (alle Lunch-Tests im Blog; alle Locations auf Foursquare).

Das Essen heute: 2,80 Euro für Buritto Veggi Pancho @ Mishba, Friedrichstraße 98, Ecke Georgenstraße / U-Bahneingang U6 (neben der Post)

Google Maps Mishba

Das Unternehmen Mishba gibt es in Berlin am Bahnhof Friedrichstraße und am Alexanderplatz. Mishba ist keine Kette, die Informationen auf den einschlägigen Webseiten (Facebook, Foursquare, Yelp) geben keine Auskunft über den oder die Eigentümer, eine Firmen-Webseite fehlt (kommt man eigentlich über eine Steuernummer (22/294/54396) offiziell an Unternehmensangaben?).

Die Lunch-Bewertung

  • Esserfahrung: eine riesige Portion Gemüsematsch, wenig Geschmack, viel Schärfe
  • Optik: vorverdaut
  • Aufgegessen: leider
  • Zufrieden: nur satt
  • Preis/Leistung: man bekommt für 2,80 Euro einen Hungerstiller – nicht mehr, nicht weniger
  • Werde ich wieder kaufen: nope
  • Was es sonst noch gibt: “Neben liebevoll gerollten Burritos findest du auch leckere Kumpir (gefüllte Ofenkartoffel) und knackige Salate bei uns.” (Eigenaussage)

Tipp: Nicht um 12 Uhr anstellen. Wartezeit heute war 20 Minuten.

Mishba @Bahnhof Friedrichstraße

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Mindestlohn-Studie: “Es drohen substantielle Beschäftigungsverluste”

Was passiert ab 1. Januar 2015, wenn der Mindestlohn in Deutschland sukzzesive eingeführt wird? Sicher ist, das Mindestlohn-Expertiment mit ungewissem Ausgang hat ein entscheidendes Problem: Es gibt keinen Weg zurück. Es ist für die Politik aussichtslos, eine Mehrheit für die Abschaffung eines Mindestlohns zu sammeln.

Als Hoffnung bleibt deshalb lediglich, dass sich die negativen Effekte des Mindestlohns in Grenzen halten werden. Eine Hoffnung, die Wirtschaftsprofessor Ronnie Schöb von Freien Universität Berlin nicht teilt. In dem Paper “Der flächendeckende Mindestlohn“(.PDF), das er zusammen mit Andreas Knabe und Marcel Thum veröffentlicht hat, heißt es:

“Dieser Übersichtsartikel zeigt, dass weder die unterschiedlichen theoretischen Erklärungsmodelle noch die große Anzahl empirischer Arbeiten aus anderen Ländern die Hoffnung rechtfertigen, der Mindestlohn würde in Deutschland nicht zu substantiellen Beschäftigungsverlusten führen. Unsere Simulationsrechnung zeigt, dass bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro – unabhängig vom unterstellten Arbeitsmarktszenario – substantielle Beschäftigungsverluste drohen.”

Besonders stark betroffen, so Schöb weiter, seien die heutigen Aufstocker, die von der Mindestlohnerhöhung kaum etwas mit nach Hause nehmen könnten, aber in Zukunft einem ungleich höheren Arbeitsplatzrisiko ausgesetzt seien. Schöb: “Diese Befunde lassen zweifeln, dass die Politik mit dem Mindestlohn ihre erklärten Ziele einer erhöhten Verteilungsgerechtigkeit und der Entlastung der öffentlichen Haushalte erreichen kann.”

Zu dem in der Mindestlohn-Debatte häufig auftauchenden Kaufkraft-Argument (englisch: high wage doctrine), wonach eine Anhebung der Löhne “die Wirtschaft ankurbelt”, weil die Menschen mehr Geld in der Tasche hätten, schreibt Schöb:

“In der akademischen Diskussion wird das Kaufkraftargument – im Gegensatz zur politischen Diskussion – kaum noch angeführt. Zwar steigt in der Tat mit einem höheren Lohn die Kaufkraft der weiterhin beschäftigten Arbeitnehmer. Aber im selben Umfang reduziert sich entweder die Kaufkraft des Arbeitgebers oder aber es sinkt die Kaufkraft aller Konsumenten für alle übrigen Güter, wenn die Lohnerhöhung auf die Preise überwälzt wird. Ohne Beschäftigungsanpassung kommt es also entweder zu einer Umverteilung von Arbeitgebern zu Arbeitnehmern oder aber zu einer Umverteilung von den übrigen Konsumenten, deren Realeinkommen sinkt, hin zu den Mindestlohnbeziehern. Daraus lässt sich kein Gewinn an Kaufkraft ableiten.”

Das Paper eignet sich im Übrigen ganz wunderbar, die Mindestlohn-Diskussion in der Tiefe zu durchdringen.

Es stellt

  • die unterschiedlichen Mindestlohn-Theorien vor (neoklassisches vs. monopsonistisches Arbeitsmarktmodell) vor (“Der reine Monopsonfall ist genau so wenig plausibel wie der perfekte Wettbewerbsfall.”),
  • beschäftigt sich mit der empirischen Evidenz (“Die empirische Mindestlohnforschung ist so alt wie die Mindestlohngesetzgebung selbst.”) sowie
  • blickt über die Grenzen nach Frankreich (“Erstaunlich ist, dass ein fundamentales Element des französischen Systems in der deutschen Debatte kaum berücksichtigt wird. Der garantierte Mindestlohn wird mit einem recht hohen Lohnzuschuss kombiniert, den der Staat an die Unternehmen bezahlt, um die Auswirkungen des Mindestlohns auf die Arbeitskosten abzufedern.”) und
  • Großbritannien (“Diese geringe Zahl an Arbeitnehmern, die überhaupt vom Mindestlohn betroffen waren, muss man im Hinterkopf behalten, wenn man die empirischen Studien zur Beschäftigungswirkung des Mindestlohnes in Großbritannien betrachtet.”).

Was daraus für Deutschland folgt? “Wird ein allgemeinverbindlicher Mindestlohn dazu führen, dass Menschen, die im Niedriglohnbereich arbeiten und auf staatliche Hilfe angewiesen sind, in Zukunft ohne diese Hilfe auskommen können? Oder wird der Mindestlohn diese Menschen wieder vermehrt in die Arbeitslosigkeit treiben?”, fragt Schöb. Seine drei zentralen Antworten:

  1. “Das Ergebnis zeigt, dass weder die theoretische Forschung zum Mindestlohn noch die empirischen Arbeiten aus anderen Ländern Anlass zur Entwarnung geben. Argumente, die dafür sprechen, dass der Mindestlohn keine allzu großen Nachteile für die Beschäftigung hat, stützen sich ausnahmslos auf theoretische und empirische Arbeiten zu moderaten Anhebungen von Mindestlöhnen. Bis 2015 werden beispielsweise voraussichtlich noch 1,1 Millionen Beschäftigte weniger als 5 Euro pro Stunde verdienen. Für diese Menschen, für die die Einführung des Mindestlohns Lohnerhöhungen von 70 Prozent und mehr bedeutet, können diese Argumente daher nicht angeführt werden.”

  2. “Für die Betroffenen kann auch nicht ins Feld geführt werden, dass sie mit dem Mindestlohn wesentlich größere Nettoeinkommen erwarten dürfen. Wer solche Erwartungen hegt, übersieht, dass das deutsche Grundsicherungssystem bereits dafür sorgt, dass, wer arbeitet, immer auch ein existenzsicherndes Einkommen, in der Regel jenseits der Armutsgefährdungsgrenze, hat. Diejenigen Arbeitnehmer, die am bedürftigsten sind und derzeit auf ergänzendes ALG II angewiesen sind, werden, wenn sie ihren Arbeitsplatz behalten, nur geringfügig vom Mindestlohn profitieren. Die größten Gewinner des Mindestlohns sind diejenigen Geringverdiener, die bislang nicht auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, z.B. weil der Ehepartner einen gut bezahlten Arbeitsplatz hat. Zu den Verlierern gehören diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verlieren, und diejenigen, für die der Sprung aus der Arbeitslosigkeit in den Arbeitsmarkt nun noch schwerer geworden ist. Angesichts dieser sehr ungleichen Lastverteilung fällt es schwer, den flächendeckenden Mindestlohn als ein Instrument für eine fairere Einkommensverteilung zu sehen.”

  3. “In dem Maße, wie der Mindestlohn nicht die erwünschte sozialpolitische Wirkung zeigt und Arbeitsplätze gefährdet, wird die Politik gezwungen sein gegenzusteuern. Einmal eingeführt ist eine spätere Abschaffung des Mindestlohns kaum mehr vorstellbar. Ebenso wenig ist zu erwarten, dass die Regierung einer Mindestlohnkommission folgen würde, die sich angesichts der befürchteten nachteiligen Beschäftigungswirkungen für eine Absenkung oder Differenzierung des Mindestlohns ausspräche. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Regierung dem Beispiel Frankreichs folgen und den Mindestlohn in Zukunft massiv subventionieren wird, um die negativen Beschäftigungseffekte einzudämmen. Am Ende zahlen dann nicht nur diejenigen für den Mindestlohn, die durch ihn ihre Arbeit verloren haben, sondern auch die Steuerzahler.”

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Sex oder Massage? Was der Staat entscheiden muss, wenn er das Geld der Bürger will

Bei der Erfindung von Steuerarten ist der Staat bekanntlich kreativ. “Steuergegenstand ist der (finanzielle) Aufwand für Vergnügungen”, heißt es bei Wikipedia über die Vergnügungssteuer, der vielleicht skurrilsten aller Ideen des Staates, um an das Geld der Bürger zu gelangen. Wie ich darauf komme? Die FAZ berichtet über einen Rechtsstreit in Baden-Württemberg. Die Masseurin Monika Kochs hatte geklagt, nachdem die Stadtverwaltung Stuttgart von der Inhaberin ihres Massage-Salons im Jahr 2012 für zwei Monate eine Vergnügungssteuer in Höhe von 840 Euro erhoben hatte. Kochs wehrte sich dagegen: „Mit unserer kostbaren Arbeit befrieden wir die Menschen“, hatte die 56 Jahre alte ehemalige Beamtin und Finanzberaterin gesagt, um zu erklären, warum eine Tantra-Massage (180 Euro für 90 Minuten Massage) mit den üblicherweise in Laufhäusern, Terminwohnungen oder Bordellen angebotenen Dienstleistungen nichts zu tun habe. Jetzt hat sie in dritter Instanz verloren. Die Vergnügungssteuer, so urteilte das oberste Verwaltungsgericht Baden-Württemberg sei zu Recht erhoben worden, die Steuer beruhe auf dem allgemeinen Gedanken, dass bei einem „entgeltlichen Vergnügen“ dem Nutznießer eine „zusätzliche Abgabe für die Allgemeinheit“ zuzumuten sei, teilte das Gericht mit.

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Was kostet Kriminalität?

Die Zahl der Straftaten in Deutschland ist in den letzten Jahren konstant, nachdem sie davor über Jahre gesunken war. Aber was sagt das aus? “In der Gesamtzahl der Straftaten wiegt die Schwere eines Fahrraddiebstahls genauso viel wie die eines Sexualmords”, schreibt Prof. Dr. Horst Entorf von der Goethe Universität Frankfurt in dem lesenswerten Paper “Was kostet uns die Kriminalität? … und welche Kosten sind durch Kriminalitätsbekämpfung vermeidbar?“. Und Entorf schreibt weiter:

“Insbesondere das trotz der seit 2008 leicht zurückgehenden Zahl immer noch hohe Niveau der ‘schweren und gefährlichen’ Körperverletzungen (88 Tsd. im Jahr 1993 gegenüber 136 Tsd. im Jahr 2012) hinterlässt Zweifel, ob die gesellschaftliche ‘Belastung’ durch Kriminalität langfristig auch rückläufig wäre, wenn man eine Bewertung mit der ‘Schwere’ des Delikts vornähme.”

Der Professor von der Goethe-Universität Frankfurt ist deshalb auf der Suche nach einem so genannten Schwereindex, der die „Gewichte“ von Straftaten ermittelt – also die Ermittlung des durchschnittlichen Schadens pro Straftat. Mit solch einem Index kann dann “über Veränderungen des Schadens an materiellen und immateriellen Gütern, den eine Gesellschaft innerhalb eines bestimmten Zeitraums (typischerweise ein Jahr) durch Kriminalität erleidet, in zuverlässiger und zeitloser Weise Auskunft geben” werden.

Mit solch einer Gewichtung sind die Straftaten in Deutschland von 1993 bis 2003 leicht zurückgegangen sind (siehe Screenshot “Tabelle 1″).

gewichtete Straftaten in Deutschland

Allerdings bezeichnet Entorf die Berechnung lediglich als “exemplarische Beispielrechnung”.  Denn die Zahlen seien mit großer Vorsicht zu genießen: “Der praktischen Realisierung eines Schwereindex stehen in Deutschland bisher zwei wichtige Hemmnisse entgegen: Zum einen gibt es hierzulande keine ausreichende angewandte Forschung zu den Kosten je Straftat, und zum anderen ist die bisherige Dunkelfeldforschung nicht in der Lage, Auskunft über den Anteil der registrierten Straftaten an allen Straftaten geben zu können.”

Außerdem werden in der Gewichtung oben “die nicht registrierte Kriminalität ignoriert, d.h. die Berechnungen beruhen allein auf den in der Polizeilichen Kriminalstatistik veröffentlichten Daten.” Zieht man Prognosen über das Dunkelfeld mit ein, steigt die Kriminalität von 1993 bis 2003 an, um bis 2011 wieder zu sinken (siehe Screenshot “Schaubild 1″).

gewichtete Straftaten in Deutschland inklusive Dunkelziffer

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Köstlich und wenig: Die Maultasche (Charlottenstraße 35-36) #100Lunches #2

Maultasche solo @ Die Mautasche

Der Pixelökonom hat sich mit Eating out sein Bankkonto ruiniert. Jetzt soll alles anders werden. “Auf die Hand” statt “Sitzplatz im Restaurant”, lautet das bevorzugte neue Motto beim Mittags(steh)tisch. An 100 Werktagen werden 100 Lunch-Orte unter 5 Euro rund um meinen Arbeitsplatz an der Friedrichstraße in Berlin Mitte (Wikipedia) gesucht und getestet (alle Lunch-Tests im Blog; alle Locations auf Foursquare).

Das Essen heute: 4,90 Euro für Maultasche soloDie Maultasche, Charlottenstraße 35

Screen Shot 2014-07-21 at 13.41.12

Logo Die MaultascheDas Unternehmen:  Die Maultasche gibt es in Berlin und Köln und ist inhabergeführt (Michael Hahn). Die Maultaschen werden (nach Webseitenangaben) von der Metzgerei Treuter in Stuttgart Vaihingen “wöchentlich frisch nach altem Rezept der Familie” hergestellt. Die “original schwäbischen Produkte gibt es zum Verzehr im Haus und außer Haus sowie frisch und Vakuum verpackt für zu Hause”.

Die Lunch-Bewertung:

  • Esserfahrung: geschmackvoll, wie ich es mir besser nicht vorstellen kann
  • Optik: schlicht und edel
  • Aufgegessen: zu schnell
  • Zufrieden: 1+
  • Preis/Leistung: reicht lediglich um das Magenknurren zum Verstummen zu bringen; mit Obst von zu Hause aber kommt man auch über den Nachmittag; wer mehr als 4,90 Euro ausgeben will, hier die Liste der Gerichte
  • Werde ich wieder kaufen: definitv

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Flexibel ist besser: Wie die Arbeitsmarkt-Politik der Schröder-Regierung sich heute auszahlt

Unsere Arbeitswelt ändert sich radikal, heißt es immer wieder. Die Arbeitszeiten würden flexibler, die Arbeitsorte varibaler, der klassische 9to5 Job über Jahrzehnte beim gleichen Unternehmen habe ausgedient.

Stimmt das?

Werner Eichhorst und Verena Tobsch vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) sind dieser Frage in ihrem Paper “Flexible Arbeitswelten: Eine Bestandsaufnahme” nachgegangen. Ergebnis: Eichhorst und Tobsch bejahen die These von den sich stark änderten Arbeitsverhältnissen:

“In den letzten Jahren sine zahlreiche zusätzliche Arbeitsplätze außerhalb der unbefristeten Vollzeitarbeit enstanden, also jenseits der so genannten Normalarbeitsverhältnisse. Dies gilt für befristete Arbeitsverträge, verschiedene Formen der Teilzeitarbeit (sozialversicherte Teilzeit und geringfügige Beschäftigung, also Minijobs), aber auch für Zeitarbeit und Selbstständigkeit mit abhängig Beschäftigten und ohne abhängig Beschäftigte. Die Gründe dafür liegen im Strukturwandel hin zum oft eher kleinbetrieblich organisierten privaten Dienstleistungssektor, der stärker auf bestimmte externe Flexibilitätsformen angewiesen ist, und in der Verstärkung des Wettbewerbsdrucks in einer zunehmend globalisierten Volkswirtschaft.”

Dass dieser Wandel stattfinden konnte, sei vor allem ein Erfolg der Politik:

“Einen wesentlichen Beitrag hat jedoch auch die Politik geleistet, indem sie die Nutzung bestimmter Formen flexibler Beschäftigung durch den Abbau rechtlicher Schranken in den letzten Jahren deutlich erleichtert hat, was den Unternehmen die Möglichkeit eröffnete, mehr Arbeitsplätze in Form flexibler, oft auch als ‘atypisch’ bezeichneter Arbeitsverhältnisse zu organisieren. Schließlich trägt auch die zunehmende Erwerbstätigkeit der Frauen zu einer stärkeren Nachfrage nach Teilzeitjobs bei.”

Erfreulich: Die große Zahl neuer Beschäftigungsformen ging nicht auf Kosten klassischer Beschäftigung, die ja oft für den Arbeitnehmer sicherer ist:

“In Deutschland ist der Bestand an Normalarbeitsverhältnissen über die letzten zehn Jahre recht stabil geblieben zeigt. Das unbefristete Vollzeitarbeitsverhältnis stellt in Deutschland mit etwa 40 Prozent der erwerbsfähigen Bevölkerung oder 60 Prozent aller Erwerbstätigen immer noch die bei weitem vorherrschende Erwerbsform dar. Es wird aber auch deutlich, dass seit Mitte der 2000er Jahre ein immer größerer Teil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter eine Beschäftigung gefunden hat und die flexiblen Beschäftigungsformen einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet haben.”

Aber auch bei der klassischen Beschäftigung gebe es Veränderung, so die Wissenschaftler weiter:

“Im Bereich der Normalarbeitsverhältnisse zeichnet sich eine zunehmende Flexibilisierung und Entgrenzung ab. Bei formal stabiler, auf Dauer angelegter Beschäftigung dominieren – neben den oben diskutierten sektoralen Verschiebungen – Elemente der internen Flexibilität, die jedoch auch bei allen atypischen Beschäftigungsformen auftreten können. Diese Flexibilität lässt sich über die zunehmende Verbreitung flexibler Arbeitszeiten und ungewöhnlicher Arbeitszeitmuster, durch eine stärkere Durchdringung von Arbeitszeit und Freizeit sowie durch die verstärkten Möglichkeiten des mobilen Arbeitens abbilden. Hierzu gehören aber auch flexible Projektstrukturen innerhalb der Betriebe und quasi- unternehmerische Entgeltsysteme für abhängig Beschäftigte. Innerbetriebliche Projektwirtschaft selbst ist in den Bereichen IT, Marketing, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung am stärksten verbreitet.”

Und diese Flexiblität in der klassischen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung gehe nicht – wie häufig befürchtet wird – auf Kosten der Arbeitnehmer:

“Im Einzelnen lässt sich feststellen, dass überlange Arbeitszeiten nicht unbedingt zunehmen. Lediglich etwa acht Prozent der Arbeitnehmer leisten Überstunden, nur etwa fünf Prozent arbeiten mehr als 48 Stunden in der Woche. Der Überstundendurchschnitt lag dabei 2011 bei 8,6 Stunden. Diese Überstunden wurden, anteilig berechnet, vor allem von Ärzten, Apothekern, in den Berufen der Unternehmensleitung, -beratung und -prüfung sowie von Chemikern, Physikern und Mathematikern erbracht, also in höher qualifizierten Tätigkeiten mit flexiblen Arbeitszeiten. Bei ungewöhnlich liegenden Arbeitszeitmustern wie Nacht- und Wochenendarbeit sowie bei Schichtarbeitsmodellen ist jedoch ein Anstieg zu verzeichnen.”

Fazit von Werner Eichhorst und Verena Tobsch:

“In Deutschland hat die Liberalisierung flexibler oder atypischer Beschäftigungsformen zu einem Zuwachs an Arbeitsplätzen beigetragen. Zeitarbeit, Minijobs, aber auch befristete und selbstständige Tätigkeiten sind in bestimmten Teilbereichen des Dienstleistungssektors besonders stark vertreten. Gleichzeitig ist eine erstaunliche Stabilität der so genannten Normalarbeitsverhältnisse, also unbefristeter Vollzeitarbeit feststellbar – sowohl im industriellen Sektor als auch in vielen Dienstleistungsberufen.”

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Politik versus echtes Leben: Das Problem mit der Frauenquote

Frauen machen mehr als die Hälfte der Studierenden aus, der durchschnittliche Frauenanteil in den Führungsgremien der größten europäischen Unternehmen liegt jedoch nur 13,7 Prozent. Außerdem beträgt die bereinigte Lohnlücke in Deutschland (Verdienstunterschied, der bestehen bleibt, wenn weibliche und männliche Arbeitnehmer dieselben Eigenschaften vorweisen, z.B. gleiche Berufserfahrung, äquivalenter Bildungsabschluss und vergleichbarer Beruf) 7 Prozent (Screenshot aus Paper “Gibt es eine optimale Frauenquote?“).

Lohnlücke in Deutschland

Die Politik will deshalb handeln: Auf Vorschlag von Justizkommissarin Reding soll der Frauenanteil bei Aufsichtsratsposten von börsennotierten Unternehmen bis 2020 40 Prozent betragen. Ein entsprechender Gesetzentwurf wurde von der Europäischen Kommission angenommen.

Aber “Gibt es eine optimale Frauenquote?” überhaupt, fragen Prof. Bernard Michael Gilroy, Anastasia Heimann und Mark Schopf von der Universität Paderborn.

Die Bedingungen, welche sie für die theoretische Bejahung der Frage finden, zeigen die Problematik der politischen Bestrebungen:

  • Erstens muss es überhaupt diskriminierende Unternehmen geben, damit es irgendeine optimale Frauenquote geben kann;
  • zweitens muss der optimale Frauenbeschäftigungsanteil aller Unternehmen gleich sein, damit es genau eine optimale Frauenquote geben kann;
  • und drittens muss der Staat diesen kennen, damit er die universal optimale Frauenquote einführen kann.

Keine wirklich guten Voraussetzungen für die Einführung einer Frauenquote.

Grundsätzlich gegen eine Frauenquote sind die Wissenschaftler dennoch nicht: “Alles in allem sollte eher eine zu niedrige als eine zu hohe Frauenquote eingeführt werden, um nichtdiskriminierende Unternehmen nicht zu bestrafen und langfristig Wohlfahrtsgewinne zu realisieren.”

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