Unser beheiztes Leben: Für was die Globalisierung verantwortlich ist – und für was nicht

Das Wort gibt es gerade mal seit drei Jahrzehnten: Als die Marketing-Branche in den 80er Jahren die weltweite Vermarktung von Produkten wie Coca-Cola beschreiben wollte, erfand sie den Begriff der Globalisierung.

Dabei begann die Globalisierung tausende Jahre zuvor, als nämlich die Menschen dazu übergingen, Handel zu betreiben und dieser Handel nicht mehr nur innerhalb einer kleinen Lebensgemeinschaft stattfand.

Warum es nicht bei diesen einfachen Handelsformen geblieben ist, hat vor allem drei Gründe:

  • Die Entdeckung der Seewege nach Amerika und Asien,
  • die Erfindung der Dampfmaschine und damit auch von Eisenbahn und Dampfschifffahrt
  • sowie – beginnend vor rund 100 Jahren – die Entwicklung moderner Kommunikationstechnik.

Den weltweiten Handel, vor allem aber die Entstehung der millionenfachen Arbeitsteilung, hätte es ohne diese Umwälzungen nicht gegeben. Wir würden heute nicht aus Gläsern trinken, nicht mit Handys telefonieren, nicht in beheizten Häusern wohnen, wenn wir nicht das Wissen von Generationen, von Millionen von Menschen rund um den Globus nutzen könnten.

Wer an diesem Wissen teilhaben konnte, ist reich geworden. Unser Wohlstand ist zehnmal so hoch wie vor hundert Jahren, und dies, obwohl wir statt zwei nur noch ein Drittel unseres Wachseins mit dem Erwirtschaften des Lebensunterhalts zubringen. Wir haben heute mehr zum Leben, mehr zum länger Leben, mehr zum mehr in Freiheit Leben. Es müssen nicht mehr drei Generationen unter einem Dach zurecht kommen, weil es sich keiner leisten kann, auszuziehen. Kaum noch einer ist gezwungen, seinen Partner nach wirtschaftlichen Überlegungen aussuchen zu müssen. Und eine Scheidung ist nicht mehr, wie in früheren Zeiten, eine finanzielle Unmöglichkeit.

Doch die Globalisierung hat ihren Preis. Zum Beispiel den Preis der Spezialisierung. Dass nämlich alle, die an komplexen Produkten mitarbeiten, nicht mehr den gesamten Herstellungsprozess begleiten, sondern nur ein kleines Rädchen im System sind.

Und manche zahlen den Globalisierungspreis auch in Form von Krankheit. Weil die menschliche Evolution dem Tempo unseres Fortschritts nicht folgen kann. Die Rolltreppe im Kaufhaus und das Auto für den Weg zur Arbeit benutzt jeder gerne, unser Körper aber wird auf Dauer krank, wenn er nur selten in Bewegung ist.

Oder die wachsende Unsicherheit. Weil immer mehr Menschen neues Wissen schaffen, und sich dieses neue Wissen immer schneller rund um den Globus verbreitet, wird es zunehmend unwahrscheinlicher, mit dem einmal Erlernten ein lebenslanges Auskommen zu finden. Ständige Weiterbildung wird deshalb zu Recht gefordert. Was aber, wenn sich das Wissen eines ganzen Diplomstudiengangs von heute auf morgen nicht mehr in verkaufbare Produkte umsetzen lässt, weil eine simple Neuerung den Kunden zum Wechsel bewegt?

Es ist vor allem diese Unsicherheit, weshalb die Angst vor der Globalisierung so weit verbreitet ist. Dabei können vom wachsenden Wohlstand theoretisch alle profitieren, auch die so genannten Globalisierungsverlierer. Denn in der Summe gibt es mehr zu verteilen.

Dass es in einer globalisierten Welt kaum noch Spielraum für diese Umverteilung gebe, ist eine von vielen Un- richtigkeiten, mit denen Interessengruppen auf Kosten der Wahrheit ihr Globalisierungs-Süppchen kochen. Die zunehmende Verflechtung Deutschlands in die Weltwirtschaft etwa hat die staatliche Verteilung nicht zurückgedrängt. Sie liegen weiter bei rund der Hälfte des Erwirtschafteten.

Nicht viel aufrichtiger geht es bei der Diskussion um hohe Managergehälter zu. Der Neid verbirgt sich hinter der Maske der sozialen Gerechtigkeit. Dabei liegt das Problem bei der Mittelschicht, also bei der Mehrheit. Dort findet nämlich vor allem Umverteilung statt. Die rechte Hand gibt dem Staat, die linke steckt es in die eigene Hosentasche zurück. Der Grund: die Mittelschicht ist wahlentscheidend. Deshalb werden spätestens alle vier Jahre Wohltaten versprochen, die dann mit Steuererhöhungen gegenfinanziert werden.

Es ist höchste Zeit den Blick nicht auf „die da oben“ zu richten, sondern nach unten, auf jene, die man oft nicht sieht, auch, weil man sie nicht sehen will. Bei denen von der Umverteilung nur wenig ankommt. Auf Gestrandete, Obdachlose, nicht mehr mit dem Leben Zurechtkommende. Sie als Globalisierungsverlierer zu bezeichnen, ist die verzweifelte Suche nach dem reinen Gewissen. Es sind immer die Umstände, es sind immer die anderen, die Schuld sind – und am Ende bleibt nur Selbstbetrug.


Dieser Artikel ist am 23. Dezember 2006 im Südkurier erschienen. Auf diesem Blog veröffentliche ich in unregelmäßigen Abständen eine Auswahl an Artikeln aus meiner Zeit (1999 bis 2007) bei der regionalen Tageszeitung Südkurier.

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Wohlstand durch Aufwertung: Warum ein Euro-Austritt für Deutschland sinnvoll sein könnte

Wäre es schlecht, wenn Deutschland zur DM zurückkehren würde, fragt Professor Ulrich van Suntum in seinem neuesten Video aus der Reihe “vwl-online“. Im Zentrum steht der so genannte Terms-of-Trade-Effekt, den “leider auch manchmal meine Kollegen vergessen”, so van Suntum.

Ergebnis von van Suntums 13-minütiger On-Demand-Vorlesung: Eine Aufwertung einer neuen nationalen Währung gegenüber dem Euro müsste keine negativen Effekte auf den deutschen Arbeitsmarkt haben. Vor allem: Der Wohlstand insgesamt würde steigen.

“Nehmen wir mal an, meine Kappe kostet in Italien 5 Euro…” – The stage is yours, Herr van Suntum….

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“Da kann sich jetzt jeder was Passendes aussuchen”

Die Wahlalternativen zur Bundesstagswahl hat noch keiner schöner beschrieben als Harald Martenstein im Tagesspiegel:

“SPD heißt: SPD-Politik. Mit Steuererhöhungen. Grüne heißt, SPD- Politik, aber mit starken Steuererhöhungen. CDU heißt, SPD-Politik, aber ohne Steuererhöhungen. Linkspartei heißt, SPD-Politik, aber wie anno 1950. FDP heißt, SPD-Politik, aber nur unter Protest. Piraten heißt, SPD-Politik, aber nach dem zweiten Joint. Da kann sich jetzt jeder etwas Passendes aussuchen.”


AfD und Piratenpartei: Abschied oder Zukunft?

Wahlkampfreden wie bei den etablierten Parteien und das Durchwinken zahlloser Anträge – wer bisher behauptet hatte, die Piraten könnten sich nicht an die Spielregeln der Mediendemokratie anpassen, wurde auf dem Bundesparteitag am Wochenende eines Besseren belehrt. (umfangreiche Berichterstattung auf tagesschau.de)

Beschlossen wurde, was zu befürchten war: ein flächendeckender Mindestlohn zum Beispiel (9,02 Euro pro Stunde für unbefristete und 9,77 Euro für befristete Arbeitsverhältnisse) oder das bedingungslose Grundeinkommen (Höhe offen).

Die Tendenz bei der wirtschaftspolitischen Ausrichtung der Piratenpartei geht in Richtung “mehr Staatseingriff” und “mehr Umverteilung”. Der Einfluss des Frankfurter Kollegiums, der wirtschaftsliberalen Gruppierung der Partei, bleibt überschaubar.

Auch wenn die Piratenpartei noch lange nicht opportunistisch ist (schließlich wurde auf dem Parteitag erfreulicherweise auch für Abschaffung des reduzierten Umsatzsteuersatzes von 7 Prozent gestimmt, für die es bei Wahlen keinen Blumentopf zu gewinnen gibt), so bewegt sie sich doch in eine Richtung, wo sich bereits andere Parteien (unter anderem wegen opportunistischer Überlegungen) befinden. SPD, Grüne, Linke – sie alle stehen für eine Politik, die ebenfalls mehr staatliche Aktivitäten und mehr Umverteilung fordern.

Inhaltlich gesehen wird es also eng für die Piratenpartei. Aber das muss kein Problem sein. Die Stärke der jungen Partei  liegt nicht im “Was”, sondern im “Wie”. Ihre Inhalte müssen sich nicht zwingend von den Positionen der etablierten Parteien unterscheiden. Ihr Alleinstellungsmerkmal ist die Art des Politikmachens. Das klingt wenig und ist doch so viel. Denn die Piratenpartei fängt Teile einer Generation ein, für die Politik etwas Fremdes war, etwas, das wenig bis nichts mit ihrem eigenen Leben zu tun hatte. Die Piratenpartei hat die Politik zurück in ihr Leben gebracht.

Ob das dauerhaft für mehr als 5 Prozent reicht? Die Piraten haben ein demografisches Problem. Jene, die sie potenziell wählen, sind jung, also eine Minderheit. Anders als beim Start der Grünen fehlt den Piraten die Wählerbasis für große Sprünge. Sie müssen über populäre Themen und sympathische Gesichter punkten. Der Bundesparteitag zeigt, dass sie diesen Weg gehen.

Anders die zweite Alternative zum Berliner Politikestablishment, die Alternative für Deutschland (AfD). Sie besetzt ein Feld, das die etablierten Parteien verlassen haben. Im Grunde sind es zwei Felder. Die AfD will Alternative zur vermeintlich alternativlosen Euro-Rettungspolitik von Bundesregierung und parlamentarischer Opposition sein.

Doch das singuläre Thema könnte Türöffner für eine dauerhafte Präsenz im Parteienspektrum sein. Weil die AfD einen Platz bei jenen Wählern finden könnte, die früher Herz und Hirn an die FDP gegeben haben. Die heute aber die FDP nicht mehr wählen, weil sie zu offensichtlich Klientelpartei wurde, statt liberale Partei.

Das ist die große Chance der AfD: Mit dem populären (und ordnungspolitisch korrekten Thema “Euro-Kritik”) jene Aufmerksamkeit  erlangen, die für eine neue Partei zwingend nötig ist, um dauerhaft eine inhaltliche Nische (staatskritische, liberale Positionen) zu besetzen.

Ob das bei der Bundestagswahl für mehr als 5 Prozent reicht? Nur, wenn die Eurokrise Deutschland bis zum September erreicht.

Die Politik arbeitet fleißig daran, dass dies nicht geschieht, dass die Kosten einer falschen Währungspolitik die nächste (Politiker)Generation zahlen muss.

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Ungleichheit nimmt zu – auch nach staatlicher Umverteilung

Der Würzburger Wirtschaftsprofessor Norbert Berthold hat auf seinem Blog Wirtschaftliche Freiheit die Dissertation des Ökonomen Alexander Brunner über die Einkommensverteilung in Deutschland in einem Post zusammengefasst.

Drei für mich erkenntnisreiche Ergebnisse:

  1. Die Einkommensungleichheit der Markteinkommen in entwickelten Volkswirtschaften, auch in Deutschland, nimmt tendenziell zu. Die Umverteilung durch den Staat fängt diese Entwicklung nicht vollständig ab. Das heißt: Auch die Sekundäreinkommen (also die Einkommen nach Abzug von Steuern und Abgaben und plus staatlicher Transfers) entwickeln sich in Richtung mehr Ungleichheit.
  2. Von den untersuchten Ländern wird in Deutschland die Einkommensungleichheit – durch die staatlich Umverteilung – am stärksten reduziert.
  3. Umverteilungspolitik birgt die Gefahr, dass sie Einkommensrangfolgen umkehrt, was ich tendenziell als ungerecht  ansehen würde.

Norbert Berthold:

“Geht die Politik distributiv sehr aggressiv zu Werke, läuft sie Gefahr, dass Ärmere und Reichere ihre Ränge auf der Einkommensleiter tauschen. Im ungünstigsten Fall ändert sich an der Ungleichheit der Einkommen nichts. Die Empirie weist in die vermutete Richtung. Es existiert ein positiver Zusammenhang zwischen dem Grad der Progressivität der Umverteilung und der dadurch ausgelösten Einkommensmobilität (Rangtausch).”

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“We are currently living through a revolution in education”

Professor Davies ist überzeugt davon, dass sich die Art der Bildung dramatisch ändert. Wegen des Internets, auch weil der Mensch den Wunsch und Willen hat zu lernen, und zwar immer dann, wenn er nicht fremdbestimmt ist. Und die Möglichkeiten, in dieser Freiheit zu lernen, nehmen zu, so Davies.

“We are currently living through a revolution in education. The way education is carried out and delivered, both in the United States and abroad, is changing dramatically. These changes are fueled in part by technology, but the main cause is a social transformation. All kinds of people are voluntarily cooperating to provide an education that they control and that reflects their desires rather than those of governments, large firms, or political movements.”

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Klingt nur gut: Warum Netzneutralität keinem hilft

Der Begriff “Netzneutralität” ist mehrheitsfähig. Schließlich soll das Netz nicht parteiisch und beeinflussend sein. Also kämpft die Politik an der Seite der Mehrheit für Netzneutralität.

Der Mehrheit schließe ich mich nicht an:

Doch was gut klingt, ist nur gut gemeint. Die so verstandene Netzneutralität behindert nämlich den Fortschritt. Genauer gesagt, macht der Fortschritt eine Anpassung an das System Internet notwendig. Für die verschiedenen Dienste, die im Internet angeboten werden, ist die Geschwindigkeit der Datenpakete nämlich unterschiedlich wichtig. Der Download einer PDF-Datei ist in der Regel weniger zeitkritisch als die Echtzeitkommunikation bei einer lebensbedrohlichen Operation, bei der nicht alle Ärzte real anwesend sein können, manche über das Internet zugeschaltet werden. Oder: Die Auswirkungen eines  wenige Zehntelsekunden verzögerten E-Mail-Versands sind zu vernachlässigen, die gleichen Verzögerungen bei der Internet-Telefonie führen dazu, dass die Stimmen unnatürlich verzerrt klingen. – (Pixelökonom-Post vom 8. Juni 2011:  Warum die Abkehr von der Netzneutralität die Qualität des Internets verbessern würde)

Zwei weitere  Posts contra Netzneutralität.

Ein Beitrag von Steffen Hentrich auf dem Blog des Liberalen Instituts der FDP-nahen Friedrich Naumann-Stiftung  (wenn auch ein Post mit  zu viel SPD-Bashing):

Wenn Preisdifferenzierung nicht möglich ist und jeder dasselbe für eine Flatrate gleicher Geschwindigkeit zahlt, dann stauen sich irgendwann die Daten und jeder muss tiefer in die Tasche greifen, egal, ob er das Internet nun zum gelegentlichen Surfen oder zur Dauerübertragung riesiger Datenmengen nutzt. Netzneutralität ist weder gerecht noch sie etwas mit der Freiheit und Innovationsfähigkeit des Internets zu tun.

Ebenfalls lesenswert: Professor Justus Haucap auf dem INSM-Ökonomenblog.

Die Idee, dass der Staat alle Anbieter zu einem möglichst gleichförmigen Angebot mit möglichst gleichen Tarifen zwingen soll, ist furchterregend. Ebenso ist es die Haltung, dass es einem selbst zu mühselig ist, den Anbieter zu wechseln, und daher der Staat den Anbieter zwingen soll, das zu produzieren, was ich gern hätte, ohne dass ich dafür auch nur mit dem Zeh wackeln muss. Der Wettbewerb lebt davon, dass Kunden ihren Anbieter wechseln, wenn er ihnen nicht gefällt. Nur das diszipliniert die Anbieter letzten Endes.

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Tut was für Gerechtigkeit! Kauft Porsche Carreras!

Porsche fahren, muss frustrierend sein. Zumindest in der Stadt. Zumindest hier in Berlin. Keiner gewährt einem Porschefahrer freiwillig Vorfahrt, selten erfährt er eine entgegenkommende Geste von einem Mitverkehrsteilnehmer. Und wenn, dann von einem anderen Porsche-Fahrer. Leiden verbindet.

Viele schauen neidisch auf Fahrer von SUVs und anderen Nobelkarossen. Und ist dieser oder diese über 50, wird hinter der Glasscheibe eine zwar wirtschaftlich erfolgreiche, aber privat gescheiterte Existenz vermutet.

Dabei ist Neid und Straßenverkehr keine gute Mischung. Denn Neid verringert Kooperationsbereitschaft. Die aber ist im Straßenverkehr, trotz aller Regeln, wichtig, bisweilen lebenswichtig.

Deshalb: Think different!

Keiner leistet mehr für die Umverteilung von oben nach unten als der Käufer eines Porsches. 19 Prozent des Bruttokaufpreises gehen per Mehrwertsteuer an die Gesellschaft, ein relevanter Teil als Einkommen an die Angestellten des Stuttgarter Autobauers, der wiederum selbst Steuern zahlt und die Sozialversicherungen füttert.

Und: Die Gesellschaft profitiert nicht nur einmalig vom Porsche-Fahrer. Die KFZ-Steuer ist gesalzen, eine Vollkaskoversicherung will bezahlt sein und bei der Mineralölsteuer wird stetig ein Beitrag an alle fällig (knapp 30 Liter auf 100 Kilometer braucht ein ordentlicher Porsche).

Wer also etwas für die Gesellschaft tun möchten und es sich leisten kann, der kauft bitte einen Porsche. Am besten den besten. Einen Porsche Carrera GT, Listenpreis: 452.690 Euro. – Und wenn das nächste mal ein Porsche-Fahrer um Einlass in die Hauptspur winselt: Freundlich reinwinken!

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Think big! An was die Debatte um die bessere Schule krankt

Es wird jetzt wieder viel über die “richtige Schule” gesprochen. Fragen wie diese werden gestellt und beantwortet:

  • Sollen Schüler Sitzenbleiben können?
  • Sind 12 oder 13 Jahre bis zum Abitur nötig?
  • Brauchen wir mehr oder weniger Frontalunterricht?
  • Sind für junge Menschen Gymnasien oder Gesamtschulen besser?

Wie eng Gedanken werden, wenn alle Menschen ihr ganzes Leben in einem einzigen System verbracht haben!

Wir müssen größer denken!

Wenn wir zu einer besseren Bildung kommen möchten, sind Antworten auf andere Fragen nötig:

  • Wie stärkt man die Motivation von Bildungseinrichtungen (Bildungsfirmen?) und Pädagogen, damit diese beste Bildung anbieten?
  • Inwiefern braucht es diese Institutionen und Personen überhaupt (noch)?
  • Wie hilft der technische Fortschritt Bildung zugänglicher zu machen, also die Motivation der “Schüler” zu erhöhen, indem etwa Lernen mehr Spaß macht?
  • Ist der Staat der richtige Bildungsträger? Oder zumindest das gefragt: Warum ist er der Einzige?

Wenn die Marktwirtschaft das beste System zur Schaffung von Wohlstand und Zufriedenheit ist, weil der Wettbewerb ein Entdeckungsverfahren um beste Lösungen ist, weil Menschen in Freiheit entscheiden, ob und wenn ja, was sie auf Märkten anbieten und nachfragen wollen. Wer also glaubt, dass die Marktwirtschaft dieses beste System ist, der kommt nicht an der Frage vorbei, warum wir bei der wichtigsten Wohlstandsvoraussetzung, der Bildung, den Wettbewerb ausgeschlossen haben. Warum hat der Staat noch immer weitgehend das Monopol auf Bildung inne? Warum werden Schulen und Universitäten vor allem vom Staat betrieben?

Nirgendwo liegt größeres Wachstums-, Glücks- und Selbstverwirklichungspotenzial als darin, die Frage nach der richtigen Bildung den Wettbewerb entscheiden zu lassen. Indem die Menschen selbst wählen, wie sie/ihre Kinder gebildet werden. Wir benötigen Strukturen, in denen der Staat höchstens die Bildungsstandards vorgibt, die es zu erreichen gilt. Wo das “Wie” der Zielerreichung privaten Institutionen überlassen wird.

Die Frage nach der richtigen Bildung kennt tausend Antworten. Menschen sind Individuen. Tragen wir den Unterschieden mit unterschiedlichen Wegen des Lernens Rechnung!

Wie viel Wohlstand haben wir vergeudet, wie viele Menschen in Schulen zu Mitläufern gemacht, weil jährlich auf Ministerialebene Schulreformen diskutiert werden. Jährlich neue. Oder jährlich alte. Auf einer Ebene, wo viele Interessen aufeinander prallen, jene der Schüler aber nur eine von vielen ist, anstatt die einzig relevante.

Die Schule, wie wir alle sie kennen, ist ein Relikt vergangener Zeiten. Wie alle Institutionen hat sie großes Beharrungsvermögen. Sie darf nicht bleiben wie sie ist. Unserer Kinder wegen.


Prof. Steven Davies denkt ähnlich:

Learn Liberty über dieses Video:

Did high school ever feel somewhat like a prison? Did it ever feel like being in a machine that had its own purposes and goals separate from yours? This feeling is not uncommon, and an examination of the development of the school explains why. Rather than being a tool to educate, the school as we know it today started as a way to produce obedient and loyal subjects, soldiers, and workers. It was never intended to develop the mind in any meaningful way. Education and schooling are often conflated, but there are many important distinctions between the two. Prof. Steven Davies argues that schools are not suited for educating and it is high time we move away from the idea of the school as the only option for delivering education.

Siehe auch Pixelökonom-Post: Das Schuljahr ist zu Ende – ein guter Zeitpunkt zu fragen, wie wir Menschen bilden wollen

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Frauenquote: Der Zwang zum Fortschritt ist kein Fortschritt

Warum eigentlich gerade der Aufsichtsrat? Es gibt zahlreiche Rechtsformen für Unternehmen in Deutschland; UG, GmbH, KG etc. Es gibt zahllose Berufs- Karriere-, Verwirklichungsmöglichkeiten. Aber ausgerechnet im Aufsichtsgremium der Aktiengesellschaft soll es zukünftig per Gesetz eine Frauenquote geben. Gestritten wird nur noch über Quotenhöhe und Zeitpunkt der Einführung.

Die Antwort auf die Frage “Warum gerade in Aufsichtsräten von AGs?”, lautet: Weil die Politik hier ein Zeichen setzen kann. Schaut, wir tun was für die Gleichstellung von Mann und Frau! – Dabei wird das Gesetz die allerwenigsten Menschen betreffen.

Zum Glück! Denn was als Fortschritt (Gleichberechtigung) verkauft wird, ist Rückschritt. Rückschritt von Freiheit zu Zwang.

Es gibt beim Ziel der Emanzipation nur ein Mittel der Wahl, es lautet Marktwirtschaft.

Markwirtschaft verwirklicht Emanzipation auf Basis von Freiwilligkeit. Wer bei der Auswahl seines Personals einen Mann, einer besser qualifizierten, talentierteren Frau vorzieht, der macht nur die Konkurrenz glücklich. Unternehmen, deren Verantwortliche in falschen Rollenbildern denken, wird es mittel- bis langfristig nicht mehr geben. Sie gehen pleite.

Wer glaubt, Männer belegen deshalb den Großteil der Führungspositionen, weil es ihnen – dank Kungelkreisen – gelingt, Frauen absichtlich außen vorzuhalten, ist eine Verschwörungstheorie-Fan. Der Grund für geringe Frauenquoten in Führungspositionen ist ein anderer und tatsächlich im Kern ein gesellschaftlicher: Frauen wählen noch immer zu größeren Teilen Berufe, bei denen Anerkennung und Einkommen gering sind. Und sie steigen häufig länger aus dem Berufsleben aus.

Klassisches Rollenbilder dominieren weiter unser Leben. Man kann das schlecht finden. Man muss das aber nicht schlecht finden. Es ist das Ergebnis freier Entscheidungen.

Schon gar nicht sollte der Staat die Gesellschaft mit Zwang in eine Richtung bewegen, weil eine Mehrheit meint, sie sei für Alle die Richtige.

Tolerant sein heißt auch, Lebenseinstellungen hinzunehmen, die man selbst als überholt betrachtet. Zwang zum Fortschritt ist kein Fortschritt. Er ist nur, was er ist: Zwang.

Angela Merkel ist das egal. Sie ist auf die Linie der Unionsbefürworter einer starren Frauenquote in Aufsichtsräten eingeschwenkt und hat, schwups, der Opposition das nächste Wahlkampfthema weggeschnappt (siehe auch Pixelökonom-Post “Eisverkäuferin Merkel“).

Angela Merkel hat den Begriff von der “Alternativlosigkeit” bei der so genannten Eurorettung geprägt. In absurder Weise gilt dieser Begirff vor allem für ihre Politik. Indem sie die Politik der Opposition betreibt (damit es für den Wähler keinen Grund gibt, die Opposition zu wählen), hat sie ihre eigene Politik alternativlos gemacht. Denn jedes andere Politikangebot ähnelt dem der Regierung.

Es ist deshalb wichtig, dass in Deutschland eine marktwirtschaftliche Opposition wächst, wie etwa die Alternative für Deutschland (AfD). Damit Angela Merkel nicht mehr nur zu SPD und Grünen schielen kann. Dass sie auch jenen, welche die Politik-Angebote der Opposition wenig schätzen, Aufmerksamkeit geben muss. Das Regieren wird für Angela Merkel schwerer werden. Aber ohne politische Alternativen hat die Demokratie ihren Namen nicht verdient.

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