Deutschland im Jahr 2015:

“Die Unterbrechung der Erwerbstätigkeit aufgrund der Notwendigkeit Kinder oder Angehörige zu betreuen, ist ein beinahe rein weibliches Phänomen.”

// Stefan Stuth und Marina Henning vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung in “Ist der Beruf entscheidend? Zum Einfluss beruflicher Eigenschaften auf die Dauer familienbedingter Nichterwerbsphasen von Frauen” #wtf

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Eine Frage der Anreize – oder: Warum es Krautreporter an Relevanz fehlt

Krautreporter "Über uns"-Seite
Krautreporter – Journalismus für Couch Potatos?

“Selbst ein Onlinemagazin, das nichts kostet, würde ich spätestens jetzt wegen mangelnder Relevanz aufhören zu lesen”, schreibt Frau Meike über ihre ersten Monate als Leserin von Krautreporter.

Warum mich das wenig wundert? Weil das Finanzierungsmodell von Krautreporter schlicht zu wenig Anreiz schafft, relevante Inhalte zu erstellen.

Klickzahlen mögen nicht das Beste an Journalismus hervorbringen, für den Maßstab der Relevanz sind sie kein schlechter Gradmesser. Weil Menschen klicken, was sie für relevant halten.

Ebenso beim Kauf einzelner Ausgaben: Man gibt nur dann Geld aus, wenn man glaubt, dass der Inhalt für einen selbst relevant ist.

Folge: Wer an Klickzahlen und am Einzelverkauf gemessen wird, hat ein hohes Interesse, für seine Zielgruppe interessierende Inhalte zu erstellen. Die Krautreporter sind diesem Druck nicht ausgesetzt. Sie haben das Geld (für ein Jahr) vorab bekommen. Das war großartig und notwendig, um das Projekt starten zu können, aber es benötigt enorme Disziplin, den Leser, Hörer, Zuschauer nicht aus den Augen zu verlieren.

Denn natürlich will jeder Journalist gelesen werden, aber eben am liebsten mit jenen Geschichten, die er selbst gewählt hat. Vielleicht, weil ihn eine Geschichte besonders interessiert. Vielleicht, weil er sich von seiner Story Prestige oder berufliches Fortkommen verspricht. Nicht immer jedenfalls werden es jene Geschichten sein, welche für die Leser am relevantesten sind.

Übrigens: Dass ein werbefinanziertes Onlinemagazin seinen journalistischen Anspruch nicht verlieren muss, zeigt Quartz. 2012 von der Atlantic Media Company in New York gegründet, suchen täglich 25 Journalisten nach Relevanz.

Ich finde, die Suche ist sehr erfolgreich.

Warum freilich der Vergleich mit Krautreporter hinkt? Wegen der Sprache. Das Lesepotenzial (und damit die möglichen Werbeeinnahmen) von Quartz ist ungleich größer.

Vielleicht eine Idee für Krautreporter: Eine werbefinanzierte englischsprachige Seite mit den übersetzten Texten der deutschen Ausgabe.

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Was tun gegen Terrorismus? Ignorieren!

Bedrohen Islamisten (oder gar nur der Islam) Deutschland? “Ist Europas Freiheit in Gefahr?“, wie Frank Plasberg gestern seine Hart-aber-fair-Sendung suggestiv betitelte.

Natürlich nicht.

In den vergangenen zehn Jahren starben in Deutschland 40 Menschen durch Blitzschlag – aber kein einziger durch die Hand von Terroristen (Vertiefung hier).

Das muss so nicht bleiben. Aber ohne Zweifel steht die gefühlte Bedrohung in keinem Verhältnis zur wirklichen. Diese Diskrepanz ist gewollt. Zur Ökonomie des Terrors gehört, Anschläge möglichst grausam zu verüben. Angst und Schrecken sollen maximiert werden. Diese “Schäden” wirken millionenfach und sind häufig nachhaltig (siehe auch “Wirtschaftliche Auswirkungen des Terrorismus“).

Die mediale Wirkung ist also ein, vielleicht das wichtigste Ziel von Terroristen. Fast jede Berichterstattung über das Attentat auf die Mitglieder der Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo in Paris zahlt damit auf das – mittlerweile gut gefüllte – Konto der Attentäter ein.

Die Medien stecken in einem Dilemma. Sie brauchen, wie die Terroristen, Aufmerksamkeit. Deshalb können sie (vermutlich) nicht anders, als das Spiel der Terroristen mitzuspielen, und sich so zu deren Erfüllungsgehilfen zu machen, selbst wenn, wie im Fall von Charlie Hebdo, die Getöteten selbst Journalisten sind.

Der Ökonom Bruno S. Frey schreibt in dem lesenswerten Artikel “How to Deal with Terrorism“:

The relationship between terrorists and the media can be described as ‘symbiotic.’ The interests of the terrorists are similar or even identical to those of the media: Both want to make news, and both want the terrorist act to remain in the news as long and as prominently as possible.

Und die Politik ist ebenfalls Gefangener in diesem Spiel. “Um sich von den Bürgern und Medien nicht den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, die Risiken auf die leichte Schulter zu nehmen, neigt die Politik zu einer Überreaktion auf Terrorismus”, hat Timo Brück vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) vor einiger Zeit im Handelsblatt gesagt.

Deshalb: Wer den Terroristen nicht in die Falle gehen will, denkt besser rational und bleibt, so gut es geht, entspannt.

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Die FDP kommt zurück! – Wetten, dass…

Logo FDP

Die Sehnsucht nach einer neuen FDP mit Einfluss wächst, mein Eindruck. Egal in welcher Farbe. Weil jene, die sich Attribute geben wie “freiheitsliebend”, “staatskritisch”, “weltoffen”, “unternehmerfreundlich” oder “eigenverantwortlich” ohne politische Heimat sind. Zwischen 5 und 10 Prozent der Deutschen ticken so, sagen Empiriker – zu wenig für Mehrheiten, genug für Mitsprache in Parlamenten.

An Mitsprachemöglichkeiten aber fehlt es bekanntlich aktuell. Die Piraten haben sich zerlegt, die Grünen halten dem Spagat von konservativer Gefolgschaft und Freiheitsthemen nicht Stand, Union und SPD binden mit Umverteilung die Massen, und die AfD hat ihre Anfangssympathie verspielt. Auch außerhalb des Parteienspektrums gibt es keine breite Bewegung, in der sich liberale Menschen wiederfinden könnten. Bleibt die FDP. Sie ist konkurrenzlos. Verrückt eigentlich, nach allem, was hinter ihr liegt.

Dass die FDP ohne Alternative ist, liegt an den Liberalen selbst. Weil wer individuell denkt, sich mit Gemeinschaftsprojekten bisweilen schwer tut. Glück für die FDP, die nun eine neue Chance bekommt zu werden, was sie bisher nur teilweise war: eine liberale Partei.

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“Es wird so getan als wollten alle Eltern spätestens ein Jahr nach der Geburt wieder Vollzeit arbeiten”

Ich habe Kristina Schröder für die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft ein paar Fragen gestellt, und ich finde Sie hat eine angenehm liberale Haltung bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, in dem Sinne, dass Politik und Wirtschaft die Menschen nicht zu einem für die Gesellschaft nützlichen Verhalten drängen sollten.

“Es wird so getan als wollen alle Familien spätestens ein Jahr nach der Geburt wieder Vollzeit arbeiten – und zwar beide Elternteile. Ich glaube nicht, dass das so ganz die Realität in Deutschland ist. Viele Eltern wollen das, dann sollten das Staat und Wirtschaft unterstützen, aber viele wollen das eben auch nicht, und sagen, diese besonderen Jahre wollen wir so arrangieren, dass einer von beiden Teilzeit arbeitet. Und ich finde das genauso OK.”

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Eine Frage der Freiheit

Warum ich gegen eine (hohe) Erbschaftsteuer bin? Weil der Mensch selbst bestimmen sollte, wem er, wenn er stirbt, sein Eigentum übergibt.

Why I am against (high) inheritance taxation? Because each person should decide for themselves who becomes, in case of death, the new owner of his property. It’s a matter of freedom!

Allein mit dem Soli – oder: Warum die Politik für das Brechen ihres Versprechens nicht abgestraft wird

Soli-Erfinder Helmut Kohl. // photo by: KASonline (CC BY 2.0)
Soli-Erfinder Helmut Kohl. // photo by: KASonline (CC BY 2.0)

Eigentlich seltsam: Die Politik (Union und FDP)  führt eine neue Steuer ein, verspricht, dass diese nur temporär ist, und wenn sich dann die Politik nicht daran hält (was nicht verwundert), wird sie dafür nicht abgestraft (was verwundert).

Warum führt die aktuelle Debatte um die Fortführung des Solis nach 2019 nicht zu mehr Widerworten und Widerstand? Warum holen sich die Bürger nicht ihr Geld zurück? Man hatte es ihnen versprochen (Helmut Kohl: „Der Solidaritätszuschlag ist bis Ende 1999 endgültig weg.“).

Mir fallen drei Gründe ein:

  1. Die Zustimmung zur Bundeskanzlerin ist langsam aber stetig gewachsen und scheint mittlerweile unerschütterbar. Angela Merkel verkündet, wir brauchen den Soli, und der Wähler denkt, wenn sie das sagt, wird das ihre Richtigkeit haben. Ich vermute, dass nur eine nachhaltige Konjunkturkrise an ihrer Popularität kratzen kann.
  2. Das Auslaufen des Solis würde zumindest im Osten nicht auf ungeteilte Zustimmung stoßen. Die Abschaffenden würden sich (25 Jahre nach dem Mauerfall!) dem Vorwurf der Entsolidarisierung aussetzen.
  3. Vor allem aber: Die Fortsetzung des Soli-Zuschlags in anderen Begrifflichkeiten und Formen hat den Schutz einer All-Parteien-Koalition im Bundestag und Bundesrat. Es fehlt medienwirksame Kritik in breitem Stil. Die Politik der Großen Koalition scheint wieder mal alternativlos. Dabei ist sie alles andere als das.

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71 Prozent Steuern und Abgaben auf erneuerbare Energie

Liebe Freunde der Energiewende,

wir (3-Personen-Haushalt) beziehen unseren Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien, dennoch gehen 71 Prozent der Stromkosten (Jahresrechnung 2014: 840,10 Euro) an den Staat (Steuern und Abgaben) sowie an Netzbetreiber.

Unter anderem zahlen wir für

  • die EEG-Umlage (167,79 Euro),
  • die Offshore-Haftunsumlage (6,82 Euro),
  • für die Umlage abschaltbare Lasten (0,22 Euro),
  • die Konzessionsabgabe (65,20 Euro),
  • die Strom NEV-Umlage (3,11 Euro),
  • die KWK-Umlage (4,73 Euro) und
  • für Stromsteuer (55,93 Euro),
  • von der Umsatzsteuer (134,13 Euro) nicht zu schweigen.

Habt ihr das so gewollt, liebe Energiewende-Freunde? Oder anders gefragt: Sollen wir jetzt auf den günstigeren Tarif aus fossiler und atomarer Energie wechseln, damit wir es uns leisten können, die Energiewende zu finanzieren?

Es grüßt

Der Pixelökonom

 

Stromkosten Vattenfall

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“The way we train teachers is fundamentally broken in this country.”

David Levin, a former teacher who co-founded, with Mike Feinberg, KIPP, the Knowledge is Power Program.rom at Freakonomics “Is America’s Education Problem Really Just a Teacher Problem?“:

The way we train teachers is fundamentally broken in this country. And I think that’s true on three levels.

So one, it’s disproportionately theory-based. And so you’ll learn about theories of child development, you’ll learn about theories of math instruction, or theories of reading instruction. And all of that is actually important. It’s just I’m not sure of like what good the theory of math instruction is if you don’t actually know how to deliver a lesson on math as well.

Number two, we have two problems with the way we approach content in this country. There is no doubt that content is queen and king. So the importance of content mastery in the classroom is absolutely essential. Having said that, sometimes the best math teachers weren’t necessarily the best math students, because you know you often teach better what you weren’t so good at, because you actually had to work to learn it. And yet, very often you have to have a certain number of college credits in math in order to be a math teacher. There is truth to that for sure when you get to the more complicated and higher levels. At K-8 level, however, you need to be able to deliver the content. You need to have a mastery over that, and that isn’t necessarily meaning you had a math degree in order to be able to teach fractions. You just need to be able to actually understand the nuances behind fractions. And right now, we’re assuming that if you have a math degree you can teach math as opposed to you know being taught the content.

The third problem with the way teachers are trained is that we are not training teachers right now to meet the challenges of our kids today. Right? So to this extent we are sort of still training teachers for classrooms of the past. So we’re not teaching teachers well enough how to effectively differentiate for the vast range of skills the kids have. We’re not teaching teachers effectively enough how to use technology to further teaching, and we’re not teaching teachers how to make school relevant for what kids are really needing to succeed in the colleges they may go to or the careers they may pursue 20 years from now.

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