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Die Leiden der jungen Medien: Warum das Internet keine Qualitätsauswahl braucht

Internet-Map: Eine Vernetzung gleichberechtigter Akteure // Foto: Steve Jurvetson (CC BY 2.0)

Internet-Map: Vernetzung gleichberechtigter Akteure. // Foto: Steve Jurvetson (CC BY 2.0)

Mathias Müller von Blumencron träumt von der Wahrheitsmaschine. Das Internet erfahre “derzeit seine erste wirkliche Bewährungsprobe”, schreibt der FAZ-“Chefredakteur digitale Produkte”  (Kann man Chef über Produkte sein?) heute in der FAZ. Der Grund: Das Internet habe sich zum Massenmedium gewandelt und sei damit zu einer “gigantischen Emotionsmaschine” geworden, “bei der nicht Erkenntnis im Vordergrund steht, sondern pralle Unterhaltung nach den Regeln des Boulevards.” Ein “Geschäftsmodell für Wahrheit” gäbe es im Internet genauso wenig, wie eines für “Konsens” oder “die Förderung der Vernunft”, leidet Blumencron.

Die typischen Leiden einer Printzeitung im digitalen Zeitalter, könnte man beschwichtigend sagen. Tendenzjournalismus, wäre eine kritischere (Ein-Wort-)Anmerkung.

Was mir missfällt: die Tendenz zum Hochstatus, der sich in der Unterstellung offenbart, dass Menschen grundsätzlich nicht in der Lage seien, sich über die Qualität von Inhalten selbst ein Bild zu machen. Oder anders gesagt: Blumencron überstülpt das Internet mit dem typischen Kulturpessimismus des Feuilletons. Er fordert im Internet “Signale der Qualität”, die freilich “mit großer Sorgfalt ausgearbeitet” werden müssten (damit FAZ-Artikel stets an der Spitze der Google-Suchtreffer-Listen landen?).

“Signale”, das klingt unverdächtig. Aber wie zu diesen Signalen kommen? Nach welchen Maßstäben? Und was passiert mit Inhalten, die solchen – wie auch immer erstellten – Signalen nicht genügen? Die Zensur freut sich in der Ferne und kommt tapsend näher.

“Die Social Feeds der großen Netzwerke transportieren Propaganda und schlichten Unsinn auf gleicher Ebene wie sorgfältig erarbeitete Berichte” schreibt Blumencron. Das ist richtig. Zum Glück. Denn damit liegt die Entscheidung, welche Inhalte Verbreitung finden, beim Nutzer. Er teilt und schafft Reichweite für jene Inhalte, die er für gut erachtet, auch für qualitativ gut erachtet.

So funktioniert das Internet: Was gleichberechtigt ins Netz wandert, wird durch deren Teilnehmer gewichtet, nicht durch Institutionen. Pressefreiheit auf höchster Ebene, sozusagen. Keine Stände, keine Privilegien. Die (Internet-)Welt als gleichberechtigter Ort.

Das können nur Status-Quo-Verlierer nicht gut finden.

Dass die Zeitungen ihre Gatekeeper-Funktion verloren haben, ist bedauerlich für die Zeitungen, dass die klassischen Medien die Hüter von Wahrheit und Aufrichtigkeit waren, ist eine Erfindung der Medien selbst. Das Zeitschriftenregal im Edeka-Markt meiner Heimatstadt in den 80er Jahren erzählt eine andere Geschichte.

Deshalb: Vertrauen wir den Marktkräften. Wenn Qualität und Glaubwürdigkeit gesucht wird, dann wird sie auch gefunden werden. Auch weil jene, die Qualität anbieten, sich aus Eigeninteresse für deren Vermittlung einsetzen. Warum sollte dies Daimler gelingen, der FAZ aber nicht?

Und: Vertrauen wir der Vernunft, indem wir den Menschen die Möglichkeiten zur Befähigung zur eigenen Urteilskraft geben. Daran freilich lässt sich arbeiten. An der Beförderung des ureigenen Wunsches, richtige, also einen selbst vorwärts bringende Entscheidungen treffen zu können. Eine solche Urteilskraft ist die vielleicht wichtigste Voraussetzungen autonomen Lebens. Sie liegt also im Interesse jedes Einzelnen. Aber wird sie nachhaltig gefördert? Wie bedeutsam ist sie im (Schul-)Leben? Zählt dort häufig nicht noch immer das Prinzip “Aufnahme und Wiedergabe”?

Der Weg zu einem inhaltlich qualitativeren Internet führt über vielfältige pädagogische und Bildungs-Angebote und nicht über – wie auch immer geartete – (staatliche) Eingriffe in die Informations- und Emotionsmaschine Internet.

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Die unsichtbare Grenze: Wie Zollschranken das Flüchtlingsleid vergrößern

Apple Map Jordanien

Wie viel mehr Menschen könnten ein besseres Leben leben, weil sie der Handel mit Europa wohlhabender gemacht hätte, wenn es ihnen nur erlaubt wäre, mit Europa Handel zu betreiben? Oder thematisch aktueller formuliert: Wie viel weniger Menschen wären auf der Flucht, wenn die reichen Länder und Regionen sich nicht abschotten würden? Die Europäische Union hat innerhalb ihres Territoriums einen weitgehend freien Markt geschaffen, die Marktmauern aber hat sie dabei an ihre Ränder verschoben.

Ich komme auf diese Frage aus Gründen. Eine vernünftige Strategie zur Eindämmung der Flüchtlingsströme ist bekanntlich, die Nachbarländer von Krisenstaaten zu unterstützen. Jordanien, das südlich an Syrien grenzt, ist ein solches Land. Zu den neun Millionen Einwohnern sind in den vergangenen Jahren 1,3 Millionen syrische Flüchtlinge hinzugekommen.

Arbeit finden die Flüchtlinge schon allein deswegen nicht, weil sie in Jordanien nicht arbeiten dürfen. Die Bundesregierung verhandelt gerade 150.000 Arbeitserlaubnisse mit der jordanischen Regierung aus. Im Gegenzug stellt sie dem Land Handelserleichterungen mit der Europäischen Union in Aussicht. Mit diesem 400-Millionen-Menschen großen Wirtschaftsraum handelt Jordanien bisher nämlich kaum. Im Gegensatz zu den USA. Aus mehreren besonderen Wirtschaftszonen Jordaniens werden jährlich Waren im Wert von 1,4 Milliarden Dollar zollfrei in die USA exportiert.

Jordanien möchte gegenüber der EU nun die Vereinfachung der so genannten Ursprungsregel durchsetzen, die festlegt, wie viel Prozent eines Produkts im Ursprungsland produziert sein muss, damit es Zollvergünstigungen in der EU erhält. Wobei das Wort “Zollvergünstigung” ein Euphemismus ist, bedeutet die “Vergünstigung” doch eigentlich, dass die Preise für das Recht gesenkt werden, Zugang zu einem Markt zu erhalten. Warum aber soll dafür überhaupt gezahlt werden? Eine solche Hürde ist zum Nachteil der europäischen Konsumenten, weil sie deren Angebot künstlich verknappt, vor allem aber ist sie zum großen Leid jener, die gerne arbeiten würden, aber wegen (unsichtbarer) Grenzen keine Abnehmer ihres Erarbeiteten finden. Es sind ausschließlich die europäischen Produzenten, die von solchen Schranken profitieren. Wer die Flüchtlingsströme reduzieren will, muss diesen Anachronismus besser heute als morgen beseitigen.

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In eigener Sache: Mein Umgang mit den neuen Rechten

Ich habe Liane Bednarz getroffen. Ich habe eine bestimmte, überlegte, aufgeräumte, freundliche Frau kennen gelernt.

Das ist mindestens deswegen interessant, weil manche Menschen Liane Bednarz ganz anders beschreiben (“Abgrund einer armen und gequälten Seele“).

Liane Bednarz hat zusammen mit Christoph Giesa das Buch “Gefährliche Bürger” geschrieben, indem Sie ihr Wissen über die neuen Rechten offenlegt. Mit den neuen Rechten sind explizit nicht jene Rechten gemeint, die dumpfe Naziparolen krakeelen und deren Outfit bereits auf die Gesinnung schließen lässt, sondern Menschen aus der vermeintlichen Mitte der Gesellschaft, deren Fremdenfeindlichkeit bisweilen erst auf den zweiten Blick sichtbar wird.

Liane Bednarz’ “Gefährliche Bürger” ist ein Buch voller Namen. Wer hat wann was zu wem gesagt. Die tiefe Recherche ist offensichtlich.

Ich habe das Buch mit einem gewissen Widerwillen gelesen. Ich möchte eigentlich mit dieser Welt nichts zu tun haben. Möchte meine Zeit nicht verschwenden. Möchte mir von den neuen Rechten mein Leben nicht bestimmen lassen, und sei es nur für die Lesezeit eines Buches.

Jetzt, nach der Lektüre, gibt es kein zurück mehr. Es ist wie mit dem Baum der Erkenntnis: Der Weg in die zufrieden machende Unwissenheit ist verbaut. Jetzt bleibt nur, sich der Gefahr entgegenzustellen. Mit allen bescheidenen Möglichkeiten. Die Verzweigungen der neuen Rechten sind einfach zu zahlreich, die Gefahren zu bedrohlich, um sich der Auseinandersetzung zu verweigern, auch die Gefahr, durch Nicht-Wissen den neuen Rechten auf den Leim zu gehen. Nur wer versteht, kann angemessen handeln.

Zum Beispiel die aktuelle Aussage der AfD-Vorsitzenden Frauke Petry Flüchtlinge an der Grenze notfalls mit Waffengewalt zu stoppen. Die Einordnung der Aussage kann nur verstehen, wer die Machtverhältnisse innerhalb der AfD kennt. Petry ist als Nachfolger von Bernd Lucke vielen Parteianhängern zu weich. Petry muss sich innerhalb der Partei noch weiter rechts positionieren, will sie nicht von radikaleren Figuren, wie etwa Björn Höcke, mittelfristig abgelöst werden. Der Satz dürfte ihr also nicht einfach rausgerutscht sein. Sie wird ihn wohl überlegt haben.

Ein Problem sehe ich bei den vielen Namensnennungen in Bednarz’ Buch aber auch. Ein Problem, das zwangsläufig mit den vielen Nennungen entsteht, dass es nämlich bisweilen die Falschen trifft. Die Motivation der Menschen ist hinter ihren Worten nicht immer ersichtlich. Im Guten wie im Schlechten. Wer in der Eurokrise lautstark die Rettungspolitik der Bundesregierung kritisiert hat, kann als Ziel die Destabilisierung der Demokratie haben, genauso möglich aber ist die gegenteilige Motivation, nämlich die Demokratie zu stützen. Und wer die Zuwanderung kritisiert, muss freilich kein Ausländerfeind sein.

Im Gegenteil. Hans-Werner Sinn zum Beispiel. Ein lautstarker Mahner falscher Ordnungspolitik. Er wird von den neuen Rechten gerne zitiert. Weil er häufig die herrschende Politik kritisiert. In der Eurokrise macht er dies und auch beim aktuellen Thema Zuwanderung. Sinn weist dabei auf das Problem hin, dass bereits der Nobelpreisträger Milton Friedmann anschaulich beschrieben hat, dass nämlich ein umverteilender Sozialstaat mit offenen Grenzen schwerlich zusammen geht. Weil dann Nettozahler tendenziell ab- und Nettoempfänger zuwandern. Am Ende bricht das System zusammen.

Meine These zu Sinn wäre, dass er auf Schwächen im System auch deswegen hinweist, gerade damit am Ende die neuen Rechten keinen weiteren Aufwind erleben. Wachsender Wohlstand dank guter Ordnungspolitik als bestes Mittel gegen Rattenfänger.

Ich jedenfalls werde auf diesem Blog in diesem Sinne weiterschreiben. Ich werde die Euro-Rettungspolitik weiter kritisch begleiten, gegen staatlichen Rundfunk argumentieren, mich für gute Ordnungspolitik als Basis für gelingende Zuwanderung einsetzen. Auch wenn diese Punkte in ähnlichem Kontext von der AfD aufgegriffen werden. Ich werde bei der Wortwahl in Zukunft genauer darauf achten, nicht missverstanden zu werden. Aber: Wer missdeuten möchte, wird das weiter tun können. Weil ich schlechte Politik als schlechte Politik benenne. Weil das der einzig mögliche Anfangspunkt hin zu einer besseren Politik ist – und so der einzige Weg, damit die aufkommenden neuen Rechten zu belächelten alten Rechten werden.

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Sozialstaat oder offene Grenzen? – Das Dilemma der Sozialen Marktwirtschaft

Nichts erhöht den Wohlstand von Menschen in armen Ländern schneller als die Migration in reiche Länder. Die Verdienstmöglichkeiten sind dort häufig um ein Mehrfaches höher. Migration zuzulassen, ist deshalb eine Frage der Menschlichkeit.

Auch eine Frage des gesunden Egoismus’. Denn meist bringt Migration dauerhaft eine Wohlstandsmehrung für alle. Weil sich in der Marktwirtschaft bei jedem Austausch immer mindestens zwei Seiten besser stellen: Anbieter und Nachfrager, Arbeitnehmer und Arbeitgeber, Produzenten und Konsumenten.

Migration als Win-Win-Erfahrung.

Probleme in Folge zunehmender Migration entstehen deshalb in der Regel nicht auf Märkten, sondern durch den Sozialstaat.

“Sozialstaaten sind dadurch definiert, dass sie denen, die überdurchschnittlich verdienen, mehr Steuern und Beiträge abverlangen, als sie an öffentlichen Leistungen zurück erhalten, während sie den unterdurchschnittlich Verdienenden netto staatliche Ressourcen zukommen lassen.”

Das schreibt Hans-Werner Sinn heute bei Project Syndicate. Diese Umverteilung führt spätestens dann zu ernsthaften Problemen, wenn Menschen ihren Wohnsitz über Ländergrenzen hinweg frei wählen können und sie gleichzeitig Anspruch auf die staatlichen Leistungen des Gastlandes haben. Die Staaten wirkten dann, so Sinn, wie ein Magnet für die Armutsflüchtlinge, weil sie zusätzlich zu ihrem Lohn eine Migrationsprämie in Form des staatlichen Umverteilungsgewinns erhielten. Und Sinn weiter:

“Nur wenn sie alle den Lohn erhielten, könnte man auf eine effiziente Selbststeuerung der Migration vertrauen. Der Sozialmagnetismus führt nicht nur zu einer ineffizienten Verteilung der Menschen im Raum, sondern erodiert und lädiert die Sozialstaaten. Außerdem treibt er die möglichen Gastländer auf die Dauer in einen Abschreckungswettbewerb durch gezielte Rücknahme der sozialstaatlichen Leistungen über das hinaus, was bereits die Mittelknappheit gebietet.”

Das bedeutet: Wer Migration zulässt, muss sich vom so genannten Inklusionsprinzip weitgehend verabschieden, also dem Anspruch auf Sozialleistungen, sobald man sich in einem Land aufhält. So wie es etwa der Britische Premierminister David Cameron fordert, wonach EU-Migranten erst nach vier Jahren in den Genuss steuerfinanzierter Sozialleistungen kommen sollen.

Um Härten zu vermeiden, dürfte das Inklusionsprinzips allerdings nicht aufgegeben, sondern müsste umgekehrt werden: EU-Migranten würden während dieser vier Jahre vom Heimatland finanziert werden, so sie bedürftig werden.

Hans-Werner Sinn:

“In der Tat spricht viel dafür, die EU-Regeln viel stärker in die Richtung eines Heimatlandprinzips zu verändern. Das Heimatland bleibt trotz der Wanderung für eine Reihe von Jahren für Sozialfälle zuständig, und erst dann wechselt man zum Inklusionsprinzip. Es ist ja auch schwer einzusehen, warum beispielswiese ein deutscher Sozialhilfeempfänger, der nicht arbeitsfähig ist, vom spanischen Staat versorgt werden sollte, wenn er es vorzieht, seinen Wohnsitz nach Mallorca zu verlegen. Genauso unplausibel wäre es, wollte man dieser Person die freie Wohnsitzwahl verwehren, bloß um den spanischen Staat zu schützen. Wenn man das europäische Ziel der Personenfreizügigkeit ernst nimmt, dann muss die heilige Kuh des Inklusionsprinzips endlich geschlachtet werden.”

Für viele Flüchtlingen aus Nicht-EU-Ländern wird das Inklusionsprinzip freilich nicht anwendbar sein. Eine Unterstützung ihrer Heimatländer wird in der Regel nicht stattfinden. Sinn plädiert in diesen Fällen dafür, von den bislang dominierenden Lohnersatzleistungen, die ohne Arbeit zur Verfügung gestellt werden, zu einem System mit Lohnzuschüssen und Leistungen für kommunale Arbeit überzugehen. So würde die Grundsicherung faktisch zu einem Lohn für einfache Arbeit und der Anreiz zur Migration in den Sozialstaat reduziert.

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Mein Sohn ist reicher als das Gesamtvermögen von 30 Prozent der Weltbevölkerung – oder: Für was Oxfam Aufmerksamkeit bekommt


Hallo Oxfam,

die Schlagzeile habt ihr, Recht deswegen noch lange nicht.

Die Welt wird immer ungerechter, weil ungleicher, schreibt ihr, die 62 Reichsten der Erde hätten mehr Vermögen als die untere Hälfte der Weltbevölkerung, also 3,5 Milliarden Menschen, so eure Botschaft, und deshalb fordert ihr unter anderem mehr Umverteilung.

Dabei ist allein schon die Gegenüberstellung von Menschen mit und ohne Vermögen irreführend, weil sie suggeriert, dass das eine etwas mit dem anderen zu tun hätte. Dass Arme arm, weil Reiche reich seien. Dass der Kuchen nur falsch verteilt sei. In Wahrheit aber backt jeder meist seinen eigenen Kuchen. Die einen können besser backen als andere. Entscheidender ist: Vielen fehlt es an Zutaten. An Bildung, an durchsetzbarem Recht, an der Möglichkeit, Eigentum zu erwerben und dauerhaft zu behalten.

Vor allem aber: Die absolute Armut nimmt weltweit ab! Und zwar in der Regel überall dort, wo die Möglichkeiten der Vermögensmehrung zunehmen. Vermögensungleichheit und Armutsreduktion sind zwei Seiten derselben Medaille. Wer Reichtum verteufelt, leistet der Armut einen Bärendienst.

By the way: Am zweitmeisten Arme (nach Indien) leben – eurer Quelle nach (Gobal Wealth Report der Bank Credit Suisse) – in den USA (7,5 Prozent). Weil es dort viele überschuldete Hausbesitzer und College-Absolventen mit Studienkredit gibt. Man könnte auch sagen: Die ungleiche Vermögensverteilung ist dort besonders hoch, wo es funktionierende Kreditmärkte gibt. Seid ihr auch gegen Kredite?

Übrigens, Oxfam: Mein sechsjähriger Sohn verwaltet in seiner privaten Sparkasse mehr Vermögen (ca. 30 Euro) als das gesamte Vermögen der untersten 30 Prozent der Welt beträgt, weil 30 Prozent aller Menschen kein positives Nettovermögen (Saldo aus Vermögen und Schulden) haben. Wollt Ihr daraus nicht eine Schlagzeile zimmern?

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Die FAZ und die “Flüchtlingslawine”

“Die Flüchtlingslawine donnert weiter ins Tal”,

schreibt die FAZ heute (19.01.2016) im Kommentar auf Seite 1, und sie schreibt damit im Politikteil das Gleiche, was sie seit Wochen schreibt, sie zeichnet nämlich mit Worten nahezu apokalyptische Bilder von Deutschlands Zukunft, die ob der Zuwanderung nur die Farbe schwarz kennen, und ich frage mich, inwiefern die FAZ die Lawine, von der sie schreibt, nicht selbst mit losgetreten hat und nun darunter begräbt, wofür ich dachte, dass die FAZ stünde: Vorurteilsfreiheit und Vernunft.

Bildungsunsystem #Beispiel215

“… Das Land beschäftigt die Lehrer, die Bezirke sind aber für die Gebäude zuständig. Manchmal stellt sich heraus, dass der Bildungsstadtrat kein Interesse an der Sanierung der Toiletten hat, weil er meint, er könne alle Kritik entweder dem Baustadtrat (von einer anderen Partei) oder ‘dem Senat’ in die Schuhe schieben. …”

Das schreibt Mechthild Küpper heute (18.01.2016) in der FAZ über die andauernde Misere der Berliner Verwaltung im Allgemeinen und über die Schulen im Speziellen.

Man stelle sich vor, Firmeneigentümer könnten nicht ihr Personal selbständig wählen, nicht ihre Büros und Produktionsstätten nach ihren Vorstellungen bauen und erhalten, nicht darüber entscheiden, welche Produkte und Dienstleistungen produziert und angeboten werden.

Man stelle sich vor, so wäre unser ganzes (Wirtschafts)Leben organisiert. Verantwortung wäre bis zur Unkenntlichkeit verschoben. Entscheiden würden nicht jene, die es am besten wissen müssen, weil sie vor Ort sind, sondern andere, weit entfernte Stellen, unterschiedliche Stellen, mit unterschiedlichen Interessen. Die nicht am Ergebnis gemessen werden. Nicht anhand zufriedener Kunden und hoher Qualität. Man stelle sich das vor.

Niemand würde dies akzeptieren. Weil offensichtlich ist, wie unvernüftig dies wäre. Bei der Bildung, dem wichtigsten Wohlstandsbringer, akzeptieren wir diese Unverantwortung. Weil es Tradition hat. Weil, was schon immer so war, selten hinterfragt wird. Weil wir nicht wissen (können), in welcher anderen, besseren (Bildungs)Welt wir leben könnten. Was möglich wäre. Und so bleiben wir dort stehen, wo wir immer standen.

“Kann man nicht eine ‪‎Mauer‬ bauen, um die Zuwanderer abzuhalten und abzuschrecken? Werden unsere Nachkommen auf ein glückliches Intermezzo von dreißig Jahren (1989 bis 2019) zurückschauen, in dem man ohne Mauern auskam? Gewiss, die Emotionen der Menschen sind vielfach an den Status quo gebunden. Und so sind viele Wähler bereit, humanitäre Impulse hintanzustellen, wenn es um die Verteidigung des jeweiligen Status quo geht. Da aber dieser Status quo im Norden die Momentaufnahme der bürgerlichen Gesellschaft ist, entspringt aus ihm eine Innovationsdynamik. Die macht es sehr unwahrscheinlich, dass der Status quo so aufrechterhalten werden kann. Der Gleitflug der übrigen ‪‎Wanderungskosten‬ wird weitergehen. Mauern, die Wanderungen von Menschen blockieren sollen, dienen der Erhaltung eines überlebten Status quo. Das galt für die Mauer bis 1989 – und es würde gelten für eine künftige Mauer quer durch Europa. Die neue Völkerwanderung zwingt uns, über die Zukunft der global-sozialen ‪‎Marktwirtschaft‬ neu nachzudenken.”

// Carl Christian von ‪Weizsäcker‬ in “Wechselkurs und Völkerwanderung”, ‪FAZ‬, 15.01.2016

Welchen Schutz für Tiere? Warum die Marktwirtschaft einen Wertekonsens braucht

Ökonomik ist die Wissenschaft von der Verbesserung der Lebensbedingungen durch Interaktion. Vieles lässt sich durch Verhandeln und den daraufhin tatsächlich stattfindenden Handel verbessern. Fast unser gesamter Wohlstand basiert auf freiwilliger Zusammenarbeit.

Nicht alles aber ist aushandelbar. Werte zum Beispiel lassen sich nur schwierig verhandeln. Die Gesellschaft (der Markt) braucht einen gemeinsamen Rahmen, auf dem Begegnung (Interaktion) stattfinden kann. Und für diesen Rahmen braucht es einen Konsens, eine gemeinsame Vorstellung über Werte, nicht viele zwar, aber ein paar grundlegende.

Die Unverletzbarkeit des Menschen gehört zu diesem Konsens. Bei der Frage, wie wir mit Tieren umgehen sollten, ist die Bandbreite der Vorstellungen über richtige Umgangsweisen deutlich größer. Die einen sehen den Menschen weiter als die Krone der Schöpfung, die Tiere dienen ihm in erster Linie zum eigenen Lebenserhalt; am anderen Ende des Spektrums werden alle Lebewesen als gleichberechtigt angesehen (zum Beispiel in der Jain-Bewegung).

Ein Konsens scheint hier schwer vorstellbar. Vielleicht auch deswegen gibt es in der Tierschutzbewegung eine auffällige Gruppe, die beim Kampf für Tierrechte Sympathie für Gewalt gegen Menschen zeigt (siehe Video der Tierschutzoroganisation Peta oben und die Diskussion dazu bei Facebook).

Wer aber die Unverletzbarkeit des Menschen nicht anerkennt, kann nicht darauf hoffen, dass sich der vorhandene Wertekonsens auf den Umgang mit Tieren ausdehnen lassen wird.

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