
Ich bin Content Producer. Inhalte-Ersteller. Von Anfang meines Berufsweges an gewesen. Bisweilen habe ich eigene Inhalte erstellt. Meist die Inhalte anderer versucht zu verbessern. Ich bin dabei geworden, was ich einen pragmatischen Perfektionisten nenne. Ich meine die Frage, wie lange man an einem Text, einer Grafik, einem Video arbeitet, bis man sagt: gut, es reicht, dieses Ergebnis darf ans Licht der Welt.
Der Punkt ist: Ein Inhalt lässt sich immer verbessern, ist nie perfekt.
Wenn 5000 Zeichen einen Text bilden, wie kann man da auf die Idee kommen, die Anordnung dieser Zeichen sei die beste aller möglichen. Es wäre Hybris. Die Frage ist folglich: An welcher Stelle lässt man es gut sein? Wann soll die Suche nach Worten und Wendungen enden? Welche Korrekturlesung ist die letzte?
Die Antwort liegt in den Umständen. Und den Menschen. Jeder tickt anders. Hat andere Präferenzen. Andere Erfahrungen. Ich wurde im Tageszeitungsjournalismus groß. Mit täglichen Deadlines. Der Pragmatismus musste den Perfektionismus im Zaum halten.
Aber es war eben immer eine Abwägung. Wie viel Annäherung an den Perfektionismus können wir uns erlauben?
Was mich dagegen stets abgestoßen hat: Wenn es nicht wenigstens versucht wurde. Wenn nicht bis zur letzten Minute geschliffen, noch eine Quelle gecheckt wurde, weil die Zeit noch da war. Ich bin eigentlich in ziemlich vielen Bereichen ein ziemlicher Schluffi, nie wurde mir übermäßiger Ehrgeiz attestiert, aber bei der Suche nach dem bestmöglichen Text tat ich mir mit Kompromissen stets schwer.
Weil ich weiß, was schlechte Texte anrichten. Weil die Überzeugung reifte, dass zum respektvollen Umgang mit Mitmenschen auch gehört, dass man deren Zeit nicht verschwendet. Weil ich erfahren habe, was passiert, wenn jemand sagt, “ja, der Text ist schlecht, deshalb verstecken wird ihn im Blatt”. Weil der Text dann eben doch gelesen wird. Wenn auch nur von wenigen. Wer aber Zeitverschwendung erfährt, reagiert darauf häufig ziemlich rigoros. Mit der Kündigung von Loyalität. Gegenüber einer Person. Oder der Publikation als Ganzes.
Das liegt vor allem daran, dass schlechte Erfahrungen nachhaltiger wirken als positive. Wer eine Packung mit zehn Fischstäbchen kauft und den Packungsinhalt isst, und wenn dann eines von den Fischstäbchen schlecht ist, der wird nicht in Erfahrung behalten, neun leckere Fischstäbchen gegessen zu haben.
So ist es auch mit Inhalten: ein schlechter wirkt nachhaltiger als neun gute.
Das heißt nicht, nichts riskieren zu sollen. Perfektionismus darf nicht am Publizieren hindern. Schließlich ist gar kein Inhalt vor allem gar kein Inhalt. Schlechter als ein halbwegs guter. Aber es heißt, den Job ernst zu nehmen. Vor allem den/die Gegenüber ernst zu nehmen. Jene, für die Kommunikation gedacht ist.
Wer Respekt vor diesen Menschen hat, wird viel dafür tun, Inhalte verständlich, packend, überzeugend, informativ, was auch immer zu machen. Perfekt werden diese Inhalte nie werden. Best-möglich schon.