
Es gibt bekanntlich viele Einführungen in die Ökonomik. Jene von Karl Homann und Andreas Suchanek ist die beste, die ich kenne.
Warum?
Weil sie keine reine Einführung für Wirtschaftswissenschaftler:innen ist. Weil es um mehr geht als BIP, Arbeitsmarkt oder Inflationsmessung.
Das Buch geht im Kern um die Frage, warum menschliches Zusammenleben manchmal gelingt, und manchmal nicht.
Was sind die Bedingungen für gewinnbringendes menschliches Zusammenleben? Wann entstehen Probleme? Wie lassen sich diese lösen? Wirtschaftswissenschaften als Interaktiosökonomik, die gesellschaftliches Zusammenleben mit ökonomischer Methode durchleuchtet. Darum geht es in dem Buch. Wer Gesellschaft im Kern und im Grunde verstehen will, sollte dieses Buch lesen,
Manche sehen darin einen gewissen Wissenschaftsimperalismus. Weil die Ökonomik sich in vermeintlich fremde Gebiete wagt. Wenn die Ökonomik die Institution der Ehe durchleuchtet, etwa. Oder Vorschläge zur Beendigung von Kriegen macht. Meine Erfahrung: Wer sich ein Bewusstsein, also auch eine gewisse Demut, über die Limitationen der ökonomischen Methode bewahrt, der kann mit ihr viel verstehen. Mehr jedenfalls als traditionell gelehrt wird.
Mir jedenfalls hat dieses Buch des 1943 geborenen Homann und des 1961 geborenen Suchanek vor vielen Jahren die Augen geöffnet. Was Ökonomik kann, wenn sie an Klassiker wie John Stuart Mill und Adam Smith anknüpft und dieses Denken mit modernem wissenschaftlichen Instrumentarien weiterentwickelt.
Ich befürchte allerdings, dass ich vieles, was mich damals fasziniert hat, ich im Laufe der Zeit wieder vergessen habe. Deswegen gehe ich zurück zu diesen Anfängen und lese, 20 Jahre nach Erscheinen der zweiten (und letzten) Auflage, jetzt wieder dieses mir so wunderbar in Erinnerung gebliebene Buch, das damals, das folgende zu meinem Lieblingsmotto gemacht hatte:
Economics is the art of making the most of life.
Danke Karl Homann, danke Andreas Suchanek! Ihr habt mein Leben reicher gemacht!