
Ist dieses Auto eine Waffe?
Mindestens kann es so eingesetzt werden.
Wir haben schreckliche Erfahrungen gemacht. Männer haben diese Waffe verwendet. Mit unterschiedlichen Motiven. Mit den immer gleichen schrecklichen Folgen.
Viel wurde darüber gesendet, getweetet, diskutiert.
Schlimmer in Zahl und Häufigkeit: Wenn ein Auto zur Waffe wird, ohne dass es gewollt war.
Was ich damit meine.
Am Straßenverkehr teilzunehmen, ist riskant. Ich weiß das. Vor vielen Jahren starb erst mein Onkel, Jahre später sein Sohn, beide als Fahrer eines selbst verschuldeten Autounfalls.
Wer am Straßenverkehr teilnimmt, riskiert etwas.
Millionen machen das täglich. Weil vergleichsweise wenig passiert. Das liegt vor allem daran: die eigene Verletzlichkeit. Wir achten darauf, in unserer Spur zu bleiben, weil ein Zusammenstoß mit dem Gegenverkehr schlimme Folgen hätte. Auch für andere. In erster Linie für uns. Es wären unsere Schmerzen, unsere langwierige Rehabilitation, unser möglicher Tod.
Es sind diese Sorgen, die uns stundenlang nahezu unbewegt bei hoher Aufmerksamkeit hinter einem Lenkrad verharren lassen. In welcher anderen Situation sind wir ähnlich diszipliniert?
Was aber, wenn diese Sorge schwindet? Wenn Autos schwerer, sicherer, panzerartiger werden? Wenn wir, wie der tatsächliche Panzerfahrer, wenig Rücksicht auf die Außenwelt nehmen müssen? Wenn wir uns also zunehmend unverwundbarer fühlen? Die Außengeräusche bei hoher Geschwindigkeit innen nicht mehr ankommen. Uns in gewärmten Ledersesseln Dolby-Musik beschallt. Was können einem dann noch die Anderen da draußen? Zumal, wenn sie auf einem Rad sitzt. Oder zu Fuß die Straße überqueren. Sie würden bei einem Zusammenstoß ein paar Kratzer im Autolack hinterlassen (von den rechtlichen Folgen abgesehen).
Und sie wären möglicherweise tot. Die Gefahr dafür steigt. Weil Investitionen in Sicherheit zu lange vor allem in Richtung “Sicherheit für Auto-Käufer:innen” flossen (so funktioniert ungeregelte Marktwirtschaft) und zu wenig in die Sicherheit der von der potentiellen Waffe “Auto” Betroffenen (das kann geregelte Marktwirtschaft).
Weil Letzteres zu wenig geschieht, fahren durch unsere Städte heute Autos mit einer Motorhaubenhöhe, bei der selbst Basketballgrößen bei Zusammenprall keine Chance haben. Weil sie nicht über den zwei Tonnen schweren Stahlblock geschleudert werden, sondern vom ihm überrollt.
Was tun?
Begreifen, dass Autos nicht am gefährlichsten sind, wenn sie bewusst als Waffe genutzt werden, sondern, wenn jene, die damit fahren, nicht wissen, dass sie eine solche besitzen.
Und: Nicht zurück in eine Welt, in der Auto-Insassen gefährlicher lebten und deshalb vorsichtiger fuhren (mit der Technik von heute wären Onkel und Cousin mutmaßlich noch am Leben).
Aber wir müssen neue Regeln denken. Der Schutz der einen, darf nicht auf Kosten der anderen gehen. Unversehrtheit ist das wichtigste Recht in einer Demokratie. Wir leben nicht in einer solchen, wenn dieses Recht nicht für alle gilt.