Das Land mit dem größten Bruttoinlandsprodukt (USA) von einem Populisten regiert, das Land mit dem zweitgrößten BIP (China) – eine Diktatur; und manch wirtschaftlich aufstrebende Länder – wie Polen – auf dem Weg in selbige: Meine (frühere) Überzeugung, dass wirtschaftliche Freiheit mittelfristig zwingend mit darüber hinaus gehenden gesellschaftlicher Freiheiten einhergehen muss, hat mehr als erste Risse.

Wer Wettbewerb ins Bildungssystem bringen will (und Wettbewerb ist – so meine Überzeugung – die entscheidende Stellschraube für ein besseres Bildungssystem), der darf nicht den Staat, sondern muss die Menschen entscheiden lassen, welche Bildungsangebote sie wahrnehmen möchten. Das Chancenkonto von Martin Schulz hat die Chance, diesen Wettbewerb in Gang zu bringen. 

Christoph Eisenring von der NZZ hat, finde ich, eine treffende Analyse über das Wahlprogramm der Union geschrieben. Von Veränderungswillen fehle darin jede Spur. Angela Merkel verwalte den Wohlstand, den der Reformeifer des späten Gerhard Schröders mitgeschaffen habe.

Mehr als ärgerlich daran: Die Union macht damit politisch gesehen vieles richtig. Denn die Menschen (Wähler) sehen aktuell keine Reformnotwendigkeit. Warum sollte die Union Themen in ihr Wahlprogramm schreiben, die vorprogrammiert zu Konflikten mit potenziellen Koalitionspartnern führen und Stimmen bei den Wählern kosten könnte? Angela Merkel geht es um Machterhalt. Dies einem Politiker übel zu nehmen, wäre aber freilich albern. Doch der ökonomische Preis einer solchen Konservierungspolitik wird vermutlich beträchtlich sein.

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06086863Deutschland sei zum Land der Niedriglohnempfänger mutiert, heißt es bisweilen von Seiten interessierter Politik. Freilich nur, um die Politik als Problemlöser ins Spiel zu bekommen. Sei es um eine Erhöhung des Mindestlohns zu fordern, sich für mehr „Lohngerechtigkeit“ zwischen den Geschlechtern einzusetzen, oder die Rechte der Tarifparteien zu stärken. Doch der Handlungsaufforderung fehlt der akute Handlungsbedarf. Die Zahl der Niedriglohnempfänger hat sich seit zehn Jahren praktisch nicht verändert (liegt bei rund 20 Prozent aller Lohnempfänger): http://ift.tt/2mIbJHQ.  Allerdings: Weitet man den Betrachtugnszeitraum, sieht man, dass zwischen 1995 und 2005 der Anteil derer, die höchstens zwei Drittel des durchschnittlichen Bruttostundenlohns verdienen (im Jahr 2015 war die Grenze 9,91 Euro), um rund fünf Prozentpunkte gestiegen ist: http://ift.tt/2opa9aa.

„Wer mitdiskutieren möchte, nimmt auf der Bühne Platz.“ – Wer macht mit beim, wie ich finde sehr interessanten, Diskussionsformat des Berliner Pub Talk am 30. Oktober 2014 in Berlin? Ich bin jedenfalls dabei. Thema wird unter anderem sein: „10 Jahre Hartz IV: Sind die schmerzhaften Reformen ein Schlüssel für Deutschlands wirtschaftliche Stärke?“
 10 Jahre Hartz-Reformen: Pflicht oder Zwang?

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Es ist nicht wirklich verwunderlich, aber dennoch interessant: Die Ökobewegung ist ein Wohlstandsphänomen! In der Nachkriegszeit hat sich kaum einer Gedanken darüber gemacht, unter welchen Bedingungen Lebensmittel produziert wurden. Was zählte, war Masse. Die Menschen mussten satt werden.

Heute werden in den reichen Ländern alle satt. Wir können es uns daher zunehmend leisten, andere Prioritäten zu setzen. Auf Qualität und Produktionsbedingungen wird mehr geachtet – offensichtlich aber nur bei steigenden Einkommen.

Auf dem lesenswerten Blog Economics Help ist nämlich nachzulesen, dass in England nach jahrelang zweistelligen Wachstumsraten im Zuge der Wirtschaftskrise die Nachfrage nach Biolebensmitteln im vergangenen Jahr um 9 Prozent gefallen ist.

Noch also scheint Bio ein Luxusgut zu sein. Mit weiter wachsendem Wohlstand wird sich auch das ändern. Bio wird der neue Standard werden.