Der Welthandel schwächelt – wirklich? #quickread

Der Welthandel schwächelt bekanntlich. Prof. Dr. Rolf Langhammer erklärt heute in der FAZ anschaulich die Ursachen und unterscheidet zwischen zyklischen und strukturellen Gründen.

Die zyklischen Gründe sind zum einen der zu Ende gehende Rohstoffpreisboom zum anderen der hohe US-Dollar, der den in US-Dollar hochverschuldeten Rohstoffexporteuren in Schwellen- und Entwicklungsländern zusetzt. Die Folge: Sinkende Staatseinnahmen, die mit steigenden Steuersätzen teilweise kompensiert wird, was die Importnachfrage senkt.

Die strukturellen Gründe:
1. Schwellenländer wie China und Südkorea treten von einer Phase des exportgetriebenen Wachstums in eine Phase konsumgetriebenen Wachstums. -> Nachfrage nach wenig international gehandelten Dienstleistungen steigt -> Löhne und Preise steigen (Balassa-Samuelson-Effekt) -> internationale Wettbewerbsfähigkeit und Nachfrage sinkt
2. „Inklusives“ Wachstum (bessere Lebensbedingungen für die ärmere Bevölkerung) der Schwellen- und Entwicklungsländer ist Ziel aller G-20-Länder, was vor allem (nicht international handelbare) Dienstleistungen wie Bildung und Gesundheit meint.
3. Datenbedingte Unterschätzung der Dynamik des Dienstleistungshandels. Denn der technische Fortschritt hat Dienstleistungen über das Internet handelbar gemacht (z.B. Software, Spiele, Musik), die nicht so präzise wie Güter erfasst werden können. „Das Internet wird den Unterschied zwischen Binnen- und Außenhandel tendenziell einebnen“, so Langhammer. Seine These ist, dass der Welthandel unterschätzt wird: „Der wahre Weltgesamthandel dürfte deutlich über den von der WTO für 2015 angegebenen 21 Billionen Dollar liegen.“

Warum der Protektionismus wenig Chancen hat

Donald Trump schürt die Angst vor Protektionismus. Der wird nicht kommen, glaubt Daniel Gros vom CEPS in Brüssel mit einem überzeugenden Argument: dem Fehlen von mächtigen Lobbygruppen. Früher seien die Interessen von Kapital und Arbeit gleichgerichtet gewesen. „Ihre Interessen standen miteinander im Einklang, weil höhere Zölle es den Arbeitnehmern ermöglichten, höhere Löhne zu verlangen, während das Kapital in Abwesenheit ausländischer Konkurrenz trotzdem höhere Gewinne erzielen konnte“, schreibt Gros auf Project Syndicate. Heute jedoch stünden die Interessen von Arbeitnehmern und Kapital nicht mehr in diesem Zusammenhang: „Die produzierende Industrie wird inzwischen überwiegend von multinationalen Konzernen dominiert, die Produktionsstätten in vielen Ländern unterhalten.“ Eine protektionistische Trump-Politik würde folglich der multinationalen USA-Wirtschaft schaden.

Hinzu komme, so Gros, dass mittlerweile viele Unternehmen in globale Wertschöpfungsketten eingebunden seien. Würden folglich Länder Vergeltungsmaßnahmen gegen US-Importe verhängen, würden die diese Bauteile exportierenden US-Unternehmen leiden.

Die Gewerkschaften haben diesen Zusammenhang offensichtlich erkannt: „Es ist bemerkenswert, dass die US-Gewerkschaften, die NAFTA vor 20 Jahren bekämpft haben, Trumps Drohungen gegenüber Mexiko heute nicht unterstützen“, schreibt Gros.

06086863Deutschland sei zum Land der Niedriglohnempfänger mutiert, heißt es bisweilen von Seiten interessierter Politik. Freilich nur, um die Politik als Problemlöser ins Spiel zu bekommen. Sei es um eine Erhöhung des Mindestlohns zu fordern, sich für mehr „Lohngerechtigkeit“ zwischen den Geschlechtern einzusetzen, oder die Rechte der Tarifparteien zu stärken. Doch der Handlungsaufforderung fehlt der akute Handlungsbedarf. Die Zahl der Niedriglohnempfänger hat sich seit zehn Jahren praktisch nicht verändert (liegt bei rund 20 Prozent aller Lohnempfänger): http://ift.tt/2mIbJHQ.  Allerdings: Weitet man den Betrachtugnszeitraum, sieht man, dass zwischen 1995 und 2005 der Anteil derer, die höchstens zwei Drittel des durchschnittlichen Bruttostundenlohns verdienen (im Jahr 2015 war die Grenze 9,91 Euro), um rund fünf Prozentpunkte gestiegen ist: http://ift.tt/2opa9aa.