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economics in the margins

Zur Ökonomie des Büroverhaltens in einer Pandemie

Unternehmen und ihre Mitarbeiter gehen mit der Pandemie unterschiedlich um. Die einen arbeiten weiter vollständig im Homeoffice, andere sind zur umfänglichen Büropräsenz zurückgekehrt. Die meisten haben Formen dazwischen gefunden.

Verhalten im Büro während einer Pandemie ist vermutlich Neuland für die Verhaltensökonomie.

Eine interessante Frage: Wie verhält sich der Mensch in Situationen, auf die er nur bedingt Einfluss hat und in denen er andere schaden und von anderen geschädigt werden kann. Wenn etwa Arbeitsvertrag und Arbeitsrecht die gleichen Menschen täglich und über jeweils viele Stunden in einem Raum zusammenbringen.

Bekanntlich birgt das lange gemeinsame Verweilen in geschlossenen Räumen bei Covid19 ein hohes Ansteckungsrisiko. Genau das aber ist das Merkmal vieler Bürosituationen. Wie wirkt sich dieser Umstand auf das Verhalten der Menschen aus?

Meine These: Menschen in Mehr-Personen-Büros verhalten sich außerhalb ihrer Bürozimmer risikoaverser als Kollegen in Einzelzimmern.

Die ökonomische Erklärung dafür wäre folgende: Die arbeitsvertragliche Verpflichtung zum Aufenthalt in Mehr-Personen-Büros entspricht ökonomisch formuliert einer Gefangenensituation. Jedes Individuum agiert unter limitierten Möglichkeiten. Es gibt Beschränkungen und es gibt Freiheiten. Die wesentliche Beschränkung hier besteht darin, dass sich Ansteckungen im Bürozimmer kaum vermeiden lassen, die zentrale Freiheit dagegen ist, dass jeder Einzelne außerhalb von Büro und Arbeit großen Einfluss darauf hat, ob er sich selbst infiziert.

Da die Infektion von außen in das Bürozimmer eingetragen wird, hängt es folglich vom Verhalten jedes Einzelnen außerhalb des Bürozimmers ab, wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung innerhalb des Raumes ist.

Fazit: Jeder Büroangestellte von Mehr-Personen-Büros profitiert davon, dass die „Zimmergenossen“ sich möglichen Ansteckungssituationen außerhalb der „Gefangenen-Situation“ entziehen. Daraus kann eine gegenseitige Verantwortung entstehen, die risikoaverseres Verhalten von Büroangestellten in Mehr-Personen-Büros im Vergleich zu Kollegen in Einzelbüros erklärt.

Von Johannes Eber

In Berlin living economist, senior consultant at Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) and co-founder of the media agency Solokarpfen.

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