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Wie verändert die Digitalisierung die Demokratie?

Nie hatten die Menschen einen besseren Zugang zu Informationen. Das müsste eigentlicht die Funktionsfähigkeit von Demokratien verbessern. Weil sich die Menschen leichter bilden können und sie damit kompetenter und kritischer werden.

Dass dem nicht so ist, sagt einem das Bauchgefühl schon eine Weile. Dieses Bauchgefühl bestätigen nun die beiden Ökonomen Filip Matejka und Guido Tabellini: Die Menschen (in den USA) sind im Durchschnitt nicht besser politisch gebildet als in den 1980er Jahren. Und: Der digitale Fortschritt stärkt den Extremismus.

Eine Erklärungen der Wissenschaftler: Anders als früher ist heute vor allem der Zugang zu Detailwissen größer. Extreme Gruppierungen und Minderheiten können sich leichter informieren und ihre Interessen an die Politik tragen.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung, dass Informationen heute zwar leicht zu bekommen sind, aber die Informationsaufnahme weiter kostet, nämlich Zeit („Informations are easy to obtain but costly to absorb“). Die Folge: Detailwissen eignen sich immer nur diejenigen an, für die dieses Wissen von hoher Bedeutung ist.

Die Folge: Die Politik stellt sich mit ihren Angeboten stärker als früher auf die Bedürfnisse von extremen Gruppen und Minderheiten ein. Interessenspolitik nimmt zu, das große Ganze gerät aus dem Fokus. Vor allem dann, wenn die Themen wenig kontrovers sind.

Eine Konsequenz, so die Autoren: Budgets für öffentliche Güter, etwa in den Bereichen Justiz, Infrastruktur oder Verteidigung lägen tendenziell unter den gesellschaftlich gewünschten.

„This is not good for the functioning of democracy“, so das Fazit von Matejka und Tabellini. Und: “Even without subtle psychological mechanisms, simply the free choice of information tends to increase the influence of extremist voters and divert attention away from non-controversial general interest policies.“

Von Johannes Eber

In Berlin living economist, senior consultant at Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) and co-founder of the media agency Solokarpfen.

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