Use markets to save the planet

Die Marktwirtschaft hat in der Klimaschutzdebatte einen schweren Stand. Auf den ersten Blick zu Recht. Die Arbeitsteilung mittels Märkte hat Teilen der Menschheit großen Wohlstand gebracht, gleichzeitig aber auch zu vielfältigen Umweltproblemen geführt. Der Klimawandel infolge des Verbrennens fossiler Energieträger ist da nur eines, wenn auch – global betrachtet – vermutlich das größte Problem.

Wer aber die Marktwirtschaft für den Klimawandel verantwortlich macht, hat das Thema nicht durchdrungen. Denn es ist gerade das Fehlen von Märkten, was zur Erderwärmung führt.

Die Erkenntnis, dass übermäßige Umweltverschmutzung meist Folge von Marktversagen ist, liegt seit Jahrzehnten vor (siehe zum Beispiel „Umweltökonomie“ von Bruno Frey, 1972 ). So ist etwa eine intakte Atmosphäre ein öffentliches Gut.

Öffentliche Güter zeichnen sich im Konsum durch die Eigenschaften Nicht-Ausschließbarkeit und Nicht-Rivalität aus. Märkte versagen unter solchen Bedingungen. Es fehlt an Eigentumsrechten für das Gut „intakte Umwelt“ und somit ein Preis. Jeder kann ohne persönliche Kosten die Umwelt nutzen – und somit schädigen.

Beispiel fossile Energie: Bis vor wenigen Jahren musste kein Mensch auch nur einen Cent für das Ausstoßen von CO2 zahlen. Die Folge: Unkontrolliert viel Kohlendioxid in der Atmosphäre. Mittlerweile sind die negativen Folgen sichtbar.

Man kann früheren Generationen dafür kaum einen Vorwurf machen. Lange Zeit war der Zusammenhang von CO2-Ausstoß und Erderwärmung nicht bekannt. Das ist mittlerweile anders. Wissen schafft Verantwortung. Das gilt bei Umwelt- wie bei Wirtschaftsthemen. Und deshalb stehen auch Ökonomen in der Verantwortung, dass die Erkenntnis um sich greift, dass mit Märkten das Klima gerettet werden kann. Und dass es dazu auch den Staat braucht, der nämlich dafür sorgen muss, dass Märkte entstehen können. Indem er etwa Eigentumsrechte am Gut Umwelt vergibt oder – wie beim europäischen Emissionszertifikatehandel – schlicht definiert, wie viel Umweltbelastung noch zumutbar ist, etwa in dem er bestimmt, wie viel CO2 maximal ausgestoßen werden darf.

Der Staat als Reparateur, als Hersteller eines Marktes, er heilt das Marktversagen und bringt den Marktmechanismus in den Umweltschutz – der entscheidende Schritt für eine relevante Beschränkung des Anstiegs der Erderwärmung.

Mit Märkten kann nicht nur zielgenau Umweltschutz betrieben werden, sondern auch effizient; dass also etwa eine CO2-Vermeidung so umgesetzt wird, dass es der Gesellschaft am wenigsten weh tut. Das geht nur mit Märkten. Denn es braucht das kumulierte Wissen der Vielzahl an Marktteilnehmern, um Umweltschutz bestmöglich betreiben zu können.

Der europäische Emissionszertifikatehandel zeigt es: Oft kritisiert für seine angeblich zu niedrigen Preise, leistet er, was er leisten soll, er reduziert die Emissionen exakt in der gewünschten Höhe. Dass Deutschland seine Emissionsziele für 2020 dennoch verfehlt, liegt an jenen Bereichen, die nicht vom Emissionshandel erfasst sind: Straßenverkehr, Landwirtschaft, Gebäude. Die Energiewirtschaft und relevante Teile der Industrie befinden sich dagegen – weil Teil des Handelssystems – auf dem vorgegebenen Reduktionspfad.

Gut möglich, dass im anstehenden Herbst die politischen Weichen in Deutschland gestellt werden, wohin sich der Klimaschutz hierzulande bewegt. Die Erkenntnis, dass die Festlegung von Obergrenzen durch den Staat plus Handel mit Verschmutzungsrechten der beste Weg sind, um Klimaschutz punktgenau bei geringst möglichen Kosten zu erreichen, ist unter Ökonomen mittlerweile eine Binsenweisheit. Die Diffusion in die breite Öffentlichkeit aber findet nur langsam statt. Der Politik wird es so schwer fallen, die für den Klimaschutz besten Entscheidungen zu treffen.

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Veröffentlicht von Johannes Eber

In Berlin living economist, Senior Consultant at Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) and founder of the media agency Solokarpfen.

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