Auf der Suche nach Gewinnern: Was wären die Konsequenzen einer Enteignung von Wohnungen?

“Markt macht Armut – Wohnen ist ein Menschenrecht”: Unter diesem Motto haben am Wochenende (nach Veranstalterangaben) 40.000 Menschen in Berlin demonstriert (hier Bewegbilder). Es ging gegen hohe Mieten und den Auftakt des Volksbegehrens “Deutsche Wohnen & Co. enteignen”. Wer aber würde durch eine Enteignung von Wohnungsbau- und Wohnungsvermietungsfirmen eigentlich gewinnen, wer verlieren? Ein Überblick.

Steuerzahler: Zweifellos würden die Steuerzahler die Hauptlast einer Enteignung tragen. Weil sie die bisherigen Eigentümer für die Eigentumsübertragung an den Staat entschädigen müssten. Mit der Übertragung würden die steuerzahlenden Bürger selbst Eigentümer der Wohnungen, doch würden sie von den Käufen vermutlich kaum profitieren, weil Zweck der Enteignung gerade ist, dass die Eigentümer kaum oder keinen Gewinn machen.

Enteignete Wohnungseigentümer: Da eine Enteignung auf Zwang basiert, ist davon auszugehen, dass der Preis, der für die Enteignung gezahlt würde, unter dem Marktpreis läge (läge er darüber, wäre der Zwang überflüssig). Die Eigentümer der Wohnungsbaugesellschaften (im Fall von Deutsche Wohnen sind es Aktionäre, denn das Unternehmen ist börsennotiert) würden also durch eine Enteignung schlechter gestellt.

(Zukünftige) Mieter, die in nicht enteigneten Wohnungen leben (werden): Die Enteignung macht private Investitionen in Wohnungen weniger attraktiv. Weil die Wahrscheinlichkeit für Wohnungsbaufirmen steigt, in Zukunft selbst enteignet zu werden. Sinkt das Angebot an Wohnraum, steigt der Preis für Wohnraum. Wohnen wird also teurer. Wird der Anstieg gesetzlich gedeckelt, entsteht ein Nachfrageüberhang, das heißt: Menschen finden keine Wohnung.

Mieter in enteigneten Wohnungen: Durch die Enteignung bestimmt der Staat die Angebotsbedingungen seines zu vermietenden Wohnraums. Wahrscheinlich wird er diese Wohnungen günstiger anbieten (weil dies das Kernanliegen der Enteignungsbefürworter ist). Die Miete sinkt also, zumindest relativ zum Marktpreis. Mittelfristig kann die Qualität der staatlichen Wohnungen leiden. Denn das Interesse an zufriedenen Mietern ist für einen Vermieter überschaubar, wenn sein Preis unterhalb des Marktpreises liegt, da er zu diesem Preis die Wohnungen stets vermietet bekommt. Zukünftige Mieter (junge Generation) würden von den niedrigen Mieten in den staatseigenen Wohnungen unterproportional profitieren, weil Wohnungswechsel mutmaßlich die Ausnahme wären, da die Mieter, ob der niedrigeren Preise, selten den Mietvertrag kündigen würden.

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Veröffentlicht von Johannes Eber

In Berlin living economist, Senior Consultant at the NGO Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) and founder of the media agency Solokarpfen.

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