Klimaschutz als Geschäftsmodell: Wem die Politik die Klimarettung überlassen sollte

Politikern wird bekanntlich gerne (und in der Regel zurecht) vorgeworfen, dass sie nur in der kurzen Frist denken können. Bis zur nächsten Wahl, höchstens die Spanne des eigenen Politikerlebens im Blick habend. Da klingt es zunächst erfreulich, dass in der politischen Debatte um den Klimaschutz die kommenden Jahrzehnte in den Fokus gerückt sind.

Bis spätestens 2050 soll in Deutschland kein Strom mehr aus fossilen Energieträgern (Kernenergie schon gar nicht) produziert werden. Der Haken an der Sache: Die Politiker von heute werden nicht daran gemessen werden, ob das Ziel erreicht wird.

Deswegen gibt es aktuell einen Überbietungswettbewerb. Zustimmung bekommt, wer das sauberste Klima verspricht. In der Hoffnung, dass die Wähler nicht so genau hinschauen, dass Plausibilitätschecks (wie ihn etwa Hans-Werner Sinn angestellt hat und in der heutigen FAS auf Seite 55 von Gottfried Ilgmann und Klemens Polatschek verständlich zusammengefasst wird) keine breite Öffentlichkeit finden.

Es ist nämlich ziemlich unklar, ob und mit welcher Methode in 30 Jahren der unstete Strom von Sonne und Wind so gespeichert werden kann, dass wir Strom dann nutzen können, wenn wir ihn brauchen. Zugegeben: In drei Jahrzehnten wird viel erfunden. Aber das Neue kommt selten mittels Masterplan in die Welt.

Es wäre zielführender, das Problem vom Ende anzupacken, beim CO2-Ausstoß.

Man stelle sich eine (weltweite) Politik vor, der es gelingt, klimafreundliche CO2-Ziele zu vereinbaren, und diese Politik wäre in der Lage durchzusetzen, dass, wer CO2 ausstößt (ob im Verkehr, in der Industrie, beim Wohnen oder bei der Stromerzeugung), dafür eine käuflich erworbene staatliche Lizenz braucht. Die emittierte Menge wäre an die Zahl der Lizenzen geknüpft, der maximalen CO2-Ausstoß exakt zu regulieren.

Mit der Umsetzung eines solchen simplen Politikziels könnten nicht nur punktgenau die Klimaschutzziele durch einfache Gesetzgebung eingehalten werden, es würden sich vor allem Millionen simple bis bahnbrechende neue Wege finden, durch welche Klimaschutz mit den niedrigst möglichen Kosten erreicht würde. Weil wer Geld sparen kann, erfindungsreich wird. Und weil jeder aus eigenem Interesse an diesem Ziel mitarbeiten könnte. Klimaschutz als Geschäftsmodell.

Die Politik von heute stattdessen ruft sich lieber selbst zum Klimaretter aus. Wir werden das richten, verkündet sie und meint vorgeben zu können, wann welche Form der Energiegewinnung durch eine andere ersetzt werden wird. Ein klarer Plan, mit festen Eckdaten. So wünschen sich viele Politik. Dagegen ist der Vorschlag einer Bepreisung von Umweltverschmutzung politisch so attraktiv wie die Forderung, den Mindestlohn nicht zu erhöhen, sondern abzuschaffen.

Dabei geht es um so viel. Dabei könnte mit der Beschränkung des Staates auf eine seiner Kernaufgaben, nämlich die Zuordnung von Eigentumsrechten, das Klima gerettet werden.

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Veröffentlicht von Johannes Eber

In Berlin living economist, Senior Consultant at the NGO Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) and founder of the media agency Solokarpfen.

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1 Kommentar

  1. Wieso hat dieser Beitrag keinen „Teilen“-Button? :)

    Volle Zustimmung meinerseits. Die, in dem Falle, reinigende Kraft des Marktes sollte genutzt werden!

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