Wir sollten Arbeit statt Nicht-Arbeit fördern

Soll Nicht-Arbeit stärker als bisher alimentiert werden? Durch eine Reform von Hartz IV? Durch ein bedingungsloses Grundeinkommen? Der Zeitpunkt für eine solche Debatte könnte unpassender nicht sein: Die Zahl der Hartz IV-Bezieher geht zurück (trotz vieler Geflüchteter), die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt hoch und das Verhältnis von Rentnern zu Arbeitenden wird weiter zunehmen.

Wir sollten besser darüber diskutieren, wie Arbeit attraktiver gemacht werden kann. Sie ist die Basis unseres Wohlstands. Gutes Essen, eine warme Wohnung, ein funktionierender Rechtsstaat, die Heilung von Krankheiten – all das ist das Ergebnis von Arbeit. Die Entlohnung von Nicht-Tätigkeit ist insofern ein gefährliches Spiel mit unseren Lebensbedingungen.

Die Politik ist deshalb gut beraten, jene Stellschrauben in den Fokus zu nehmen, welche Arbeitsaufnahme und Arbeitsausweitung behindern. Dazu gehört die exorbitant hohe Transferentzugsrate von 80 bis 100 Prozent auf Sozialleistungen. Die Arbeitsaufnahmen lohnt sich häufig nur für wenige Stunden die Woche. Dadurch steigt höchstens die Zahl der Minijobs, Wohlstand für den Einzelnen wie für die Gesellschaft entsteht so kaum. Dazu gehört auch die kostenfreie Mitversicherung des Ehegatten in der Krankenversicherung. Dieser Anachronismus gehört in Zeiten des Arbeitskräftemangels über Bord geworfen. Er verhindert nicht nur mehr Beschäftigung, er ist auch ungerecht, weil häufig von unten nach oben umverteilt wird. Außerdem: Die Abgabenbelastung auf Arbeit muss so gering wie möglich gehalten werden. Vielleicht sollte die Finanzierung von Sozialversicherung und Staat gänzlich neue gedacht werden, weg von der (einseitigen) Belastung der Arbeitseinkommen.

Und noch ein Grund spricht für die Fokussierung der Politik auf die Förderung von Beschäftigung: Unsere Welt wird nicht nur mobiler, der demografische Wandel erfordert weiter und dauerhaft Zuwanderung. Mehrheitlich akzeptiert wird diese aber vermutlich nur, wenn jene, die kommen, sich ihren Lebensunterhalt weitgehend selbst verdienen. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, in welcher Ausprägung auch immer, passt nicht in diese Welt.  Offene Grenzen gehen schwer mit einem Leben auf Kosten anderer zusammen.

Dagegen schafft Arbeit nicht nur Wohlstand, Arbeit macht gelingendes Zusammenleben erst möglich. Weil wer arbeitet, nicht nur zum eigenen Wohle, sondern auch zum Wohle der Gemeinschaft lebt.

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Veröffentlicht von Johannes Eber

In Berlin living economist, Senior Consultant at Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) and co-founder of the media agency Solokarpfen.

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