Wie sich ein gerechter Zugang zum Medizinstudium entwickeln könnte

In Deutschland kann sicher Medizin nur studieren, wer ein Abiturdurchschnitt von 1,0 hat. Ob das verfassungsgemäß ist, verhandelt am Mittwoch das Bundesverfassungsgericht. Die Verantwortung der Universitäten wird dabei leider nicht vor Gericht stehen. Universitäten haben das Wissen über die Anforderungen eines Medizinstudiums, sie hätten die Möglichkeit, die für ein Medizinstudium geeignetsten Studenten auszuwählen. Sie tun es meist nicht. Weil sie wie Behörden arbeiten. Weil sie zu wenig im Wettbewerb stehen. Weil sie deshalb kaum Anreize haben, dass die besten zukünftigen Mediziner von ihrer Universität kommen.

Wer den Zugang zum Medizinstudium gerechter machen will, muss folglich die Freiheit und Verantwortung der Universitäten erhöhen. Es muss sich für Universitäten lohnen, die besten Studenten an ihre Institution zu locken. Dann werden sie auch Verfahren finden, welche diese Auswahl herbeiführt. Die Abinote wird dann nur noch eines von mehreren Auswahlkriterien sein.

6 Kommentare zu „Wie sich ein gerechter Zugang zum Medizinstudium entwickeln könnte

  1. Die Medizinstudiengänge, die mir noch bekannt sind (Jahrgänge bis max. 2007), kamen zum Teil mit Noten von 2,1 in den Medizinstudiengang, und zwar an den besten Unis in Deutschland und über das normale Auswahlverfahren (nicht über die Wartezeit).

    Schon damals haben Laien einen immer bequatscht, man komme nur mit 1,0 ins Medizinstudium. Dem war damals aber definitiv nicht so. Nun soll es also im Jahr 2017 wirklich so sein??? Dann hat es in den letzten 10 Jahren in Deutschland aber eine extreme Noteninflation gegeben, wenn es heutzutage eine solche 1,0-Schwemme gibt. Es scheint, das Abitur wird immer wertloser und nichtssagender. Und das ist dann offenbar auch der wahre Grund, warum der NC abgeschafft wird.

    Ich würde einfach das Abitur wieder aussagekräftiger machen und vor allem zentral stellen, für ganz Deutschland gleich. Das dezentrale Abitur ist maximal ungerecht.

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    1. Das Abitur hat in seiner Wertigkeit deutlich nachgelassen. Eine Bekannte von mir hat mir einem sehr guten Abi (genauen Schnitt kenne ich nicht) die Ausbildung zur Krankenschwester gerade abgeschlossen; das entspricht 6 Wartesemester. Und sie hat immer noch keinen Studienplatz.

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    2. Ich stimme zu, das Abitur ist nicht mehr viel wert.

      Aber ich glaube ihr Beispiel ist nicht ideal, denn „Wartezeit“ ist ausdrücklich eine andere „Schiene“. 20% der Medizinstudienplätze werden über diese Schiene vergeben, mit der ausdrücklichen Absicht, dass die Abiturnote eben keine Rolle spielt, sondern eben nur die reine Wartezeit.

      Fast logisch, dass sie da mit 6 Semestern nicht reinkommt, schon zu meinen Zeiten brauchte man mind. 8-10 Semester, heute sind es wahrscheinlich 12-14, oder noch mehr. (Google weiß sicher die Antwort).

      Ich finde reine Wartezeit ehrlich gesagt nicht besonders intelligent. Zu meinen Zeiten hatten wir Leute im Alter von 30, 35, 40 Jahren, denen eingefallen ist, Medizin das wäre es jetzt. Die waren Bürokaufmann oder IT-Experte oder arbeitslos. Und damals war es tatsächlich so, dass einem die Jahre ab dem Abitur als „Wartezeit“ angerechnet wurden (absurderweise nur keine Jahre in anderen Studiengängen!!!). Wirklich grotesk. Das waren 20% der Plätze reine Verschwendung, für Leute, die selbst zu schlecht waren für ein ganz normales Studium. Die kamen alle nicht einmal bis zum Physikum.

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  2. Es muss sich für Universitäten lohnen, die besten Studenten an ihre Institution zu locken. Dann werden sie auch Verfahren finden, welche diese Auswahl herbeiführt. Die Abinote wird dann nur noch eines von mehreren Auswahlkriterien sein.

    Interessante Theorie. Ich glaube eher, es würde sich nichts Wesentliches ändern. Erstens haben ja die meisten Unis schon weitere Kriterien. Ein Kriterium ist dabei übrigens fragwürdiger als das andere.

    Und zweitens muss man einfach in Länder gucken, die mehr Uni-Wettbewerb haben. Amerika zum Beispiel. Und was ist da entscheidend? Natürlich auch die „Abitur-Note“ und zwar in Form der zentral gestellten SATs.

    SATs machen ja auch einen gewissen Sinn, denn die Korrelation zum IQ zum Beispiel ist evident.

    Auswahlverfahren über Abiturnote und SAT hinaus werden generell überschätzt. Der zusätzliche Aufwand liefert bei weitem nicht den erträumten Ertrag, jedenfalls zu meinen Zeiten nicht, ich bezweifele, dass sich das heute geändert hat. Was soll das für ein Auswahlverfahren sein?

    Ich verstehe auch die Diskussion um die angebliche „Ungerechtigkeit“ nicht. Irgendwie typisch deutsch. Die Leute wissen doch alle, dass man 1,0 braucht. Dann müssen sie sich halt auf ihren Hintern setzen und die 1,0 erreichen. Und wer nicht einmal diese simple Lernarbeit leisten kann (ist ja nicht mehr), ist für das reine Lernstudium Medizin sowieso denkbar ungeeignet.

    Und noch etwas: Je mehr man die Abiturnoten als Maßstab verlässt, desto mehr Studienabbrecher wird es geben. Oder noch schlimmer: Das Medizinstudium wird immer mehr verwässert, so dass es auch der letzte „Idiot“ noch hinbekommt, überspitzt formuliert.

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