Umverteilen statt wachsen: Warum der G20-Protest konservativ ist

Proteste zum G20-Gipfel in Hamburg.

Oxfam hat mal wieder die Keule ausgepackt: Acht Menschen besäßen so viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung, zu der 3,6 Milliarden Menschen gehörten, verkündet die NGO zum G20-Gipfel in Hamburg. Damit lässt sich Stimmung machen, auch wenn der Vergleich so ziemlich gar nichts über die Entwicklung der Lebensverhältnisse der Menschen aussagt (siehe auch „Mein Sohn ist reicher als das Gesamtvermögen von 30 Prozent der Weltbevölkerung“ oder aktueller hier). 

Oxfam fordert als Konsequenz, dass der G20-Gipfel vor allem die Ungleichheit bekämpfen müsse. Mehr Umverteilung statt mehr Wachstum, lautet verdichtet die Hauptforderung der Gipfelgegner.

Welcher Trugschluss! Als wäre der millionenfache Mittelstandswohlstand in Asien durch Umverteilung entstanden! Tatsächlich wurde der Aufschwung durch neue Freiheiten möglich. Dass Menschen Berufen folgen konnten, die gewinnbringend für sie sind; dass Branchen dem Wettbewerb ausgesetzt wurden und so Produkte stetig besser werden können; dass Menschen die Freiheit bekamen, dass von ihrem Geld zu kaufen, was sie wollen; und dass der Austausch von Waren über Ländergrenzen möglich wurde. Dass alles hat die millionenfache Arbeitsteilung befördert, wodurch zunehmend große Teile der Weltbevölkerung ein zunehmend langes Leben führen können. 

Woher aber kommt die Umverteilungsgläubigkeit? Meine These: Sie ist ein Relikt unserer Geschichte. Die Protestler in Hamburg wären demnach ziemlich konservativ. Sie hingen religiösen, familiären und ständischen Gesellschaftsvorstellungen der Vergangenheit an, in denen Wachstum und Entwicklung nicht vorkam. Dort war Umverteilung das einzige Mittel, damit es anderen besser gehen konnte. 

Diese Vorstellung ist tief in uns verwurzelt, wurde von Generation zu Generation weitergetragen. Doch sie passt nicht mehr zu freien Gesellschaften, zu einer Form des Zusammenlebens, in der millionen Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen möchten. 

Die Marktwirtschaft  ist eine Gesellschaftsform, in der die Menschen zum gegenseitigen Vorteil leben können. Die Moral wird dabei auf die Ebene des Ordnungsrahmens verlegt und nicht von den Individuen eingefordert. In einer Marktwirtschaft muss der Bäcker nicht selbstlos sein, um die besten Brötchen zu backen, der Wettbewerb schafft das auch (mehr in kurz hier von mir;  ausführlicher und besser von Karl Homann in „Ethik in der Marktwirtschaft“ (hier als .pdf)).

Im Übrigen: Ein Gesellschaftssystem überlebt vermutlich auf Dauer nur, wenn es nicht ständig moralisches Verhalten einfordert, indem Sinne, dass die Menschen sich systematisch zurücknehmen müssen, damit es anderen auf besser gehen kann. Insofern stehen die Chancen gut, dass sich die Marktwirtschaft langfristig weltweit zunehmend etabliert. Die Proteste wären dann nur ein Nachhall unserer eigenen Geschichte. 

2 Kommentare zu „Umverteilen statt wachsen: Warum der G20-Protest konservativ ist

  1. Vielleicht sind diese Leute auch einfach nur ein Produkt der speziellen deutschen Marktwirtschaft. Wohlstandsverwahrloste Schläger, die es ohne die deutsche „Soziale Marktwirtschaft“ gar nicht geben würde. Jedenfalls nicht in solchen Massen. Asozial trifft es eher.

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