Baden-Württemberg reformiert mal wieder das Schulsystem…

Machen Sie doch mal einen Selbstversuch: Lesen Sie folgenden Artikel des FAZ-Stuttgart-Korrespondenten Rüdiger Soldt über die Versuche der baden-württembergischen Landesregierung, der im südlichen Bundesland in Verruf geratene Schulbildung alten Glanz zurückzubringen, und fassen Sie danach die wichtigsten Fakten zusammen, was also die Regierung (vor allen in Form der Kultusministerin Susanne Eisenmann, CDU) so an Veränderungen vor hat.

Ich habe diesen Selbstversuch gerade unternommen. Ich kann mich an wenig erinnern. Ich vermute, das liegt weniger an mir und noch weniger an Rüdiger Soldt. Die Materie ist schlicht zu komplex. Was ich mir gemerkt habe: Es soll ein staatliches Institut aufgelöst und zwei neue gegründet werden. Ziel sei es (was sonst?) die Schulqualität zu verbessern. Unter anderem sollen Lehrer bessere Fortbildung erhalten. Schön auch der Wunsch, dass schlechte von guten Schulen lernen sollen: „Vorbildliche Schulen sollen Handlungsempfehlungen für schlechtere Schulen entwickeln. Und Teams, zu denen nicht nur Lehrer gehören, sollen diese Empfehlungen dann an die Schulen weitergeben“, schreibt Soldt. 

Das wird bestimmt klappen. Wie so viele Schulreformen davor geklappt haben. 

Immer wird was geändert, reformiert, umorganisiert. Jede neue Regierung macht das so. Denn immer gibt es den Ruf nach mehr und besseren Lehrern, nach anderen Schulplänen, nach veränderten Schulsystemen. Die Schule wird reformiert, seit es die Schule gibt. Nur an des Pudels Kern traut sich keiner ran. Und der liegt in einem Satz des großen Ökonomen Friedrich August von Hayek, dem Satz von der Anmaßung des Wissens (mehr hier von Karen Horn), dass nämlich die Menschen sich überschätzen, wenn sie gesellschaftliches Zusammenleben staatlich planen wollen. Weil es schlicht zu komplex ist. Masterpläne gehen schief, wenn sie Details regeln wollen. 

Wissen liegt immer nur bei einzelnen Menschen. Und nur der Markt trägt diesen Wissen effizient dahin, wo es den größten Nutzen stiftet. In vielen Lebensbereichen haben wir die Vorteile des über Märkte verbundenen dezentralen Wissens erkannt und akzeptiert. Nur im vielleicht für den Wohlstand eines Landes wichtigsten Bereich, den der (Schul-)Bildung, will sich diese Erkenntnis nicht durchsetzen, dass also eine zentral organisierte Bildung immer nur überschaubar gute Ergebnisse hervorbringt. Weil eben das Wissen in zentralen Stellen fehlt, fehlen muss, es kann gar nicht anders sein. Und weil darüber hinaus den Anbietern von Bildung der Anreiz fehlt, sich stetig zu verbessern. Denn die Nachfrager (Schüler) haben in einem staatlichen Bildungsmonopol schlicht keine Alternativen. Nur der Markt kann die Bildung retten. Aber keine Frage: Mit diesem Satz gewinnt man keine Wahlen. Nicht einmal die FDP traut sich da ran. 

Ein Gedanke zu “Baden-Württemberg reformiert mal wieder das Schulsystem…

  1. „Mehr Markt“ ist leider nur ein Schlagwort, das zudem auch noch schnell in ideologisches Sperrfeuer gerät. Dabei wären ein paar sinnvolle Schritte durchführbar, ohne dass es verdächtig nach „Markt“ riechen würde:

    Einstellung sämtlicher Reformen von oben (als Konsequenz aus dem im Beitrag Geschilderten)
    Mehr Entscheidungsfreiheit für die einzelne Schule (Lehrerauswahl, Lehrerbezahlung)

    Mal damit anfangen. Das wird Wunder wirken.

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s