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Hallo Tim Renner,

ich habe eben Ihr Video über den Dächern Berlins zum Grundeinkommen gesehen. Sie sympathisieren mit dem Bedingungslosen Grundeinkommen (BGE), weil sie vermuten, dass der digitale Fortschritt Arbeit überflüssig machen wird.

Es mag gute Gründe für ein Grundeinkommen geben (zum Beispiel diese fünf), ein möglicher Jobabbau ist mit Verlaub keiner. Die Geschichte des Fortschritts ist die Geschichte des Jobabbaus, ja ohne Jobabbau ist Fortschritt gar nicht möglich, denn im Kern bedeutet Fortschritt ja, dass wir gleiche Dinge/Dienstleistungen mit weniger Arbeit, beziehungsweise dass wir andere (weil bessere) Dinge/Dienstleistungen herstellen können. In beiden Fällen werden Jobs abgebaut.Was dabei bisweilen übersehen wird: Diese Veränderung macht erst möglich, Neues zu erschaffen.

Die Geschichte des Fortschritts zeigt folgendes: Einen Teil des Fortschritts nutzen wir für mehr Freizeit (auch das ist Wohlstandsgewinn), den anderen Teil stecken wir in mehr Wohlstand durch Arbeit. Ausgegangen ist die (bezahlte) Arbeit bisher jedenfalls nicht.

Würde man alle Jobverluste seit der industriellen Revolution aufaddieren, würde zunächst keiner vermuten, dass es überhaupt noch Jobs gibt. Dabei ist das Gegenteil der Fall: Nie gab es mehr bezahlte (!) Arbeit als heute. Nie gab es mehr gut bezahlte Arbeit als heute. Nie gab es mehr sozialversicherungspflichtige Arbeit als heute. Und ich sehe nur einen Grund, warum sich das in Zukunft ändern sollte, wenn nämlich die Politik das freiwillige Schließen von Arbeitsverträgen erschwert oder verhindert. Nikolaus Piper, der ehemalige Ressortleiter “Wirtschaft” der Süddeutsche Zeitung, hat es einmal so formuliert: “So lange die Menschen Wünsche haben und diese Wünsche von anderen Menschen erfüllt werden können, solange wird uns die Arbeit nicht ausgehen.”

Beste Grüße!

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By Johannes Eber

Berlin-based economist, senior consultant at Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) and co-founder of the media agency Solokarpfen.

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