„Sonst bleibt den heute Jungen noch weniger“: Warum wir jetzt eine Reform der Rentenversicherung brauchen

Die (umlagefinanzierte) Rente ist bekanntlich sicher, die Rentenhöhe nicht. Um so mehr als die Große Koalition eine Politik für die (vielen) Alten und gegen die (wenigen) Jungen macht. Die Rentenreform der aktuellen Regierung ist „ein Sündenfall“, sagt der Ökonom Thomas Straubhaar im Zeit-Interview mit Zacharias Zacharakis. Da die Lebensarbeitszeit, statt wie notwendig, nicht ausgeweitet, sondern verkürzt worden sei, „werden die Kosten für künftige Generationen noch einmal in die Höhe getrieben.“

Dabei drängt die Zeit für eine Reform doppelt: Der demografische Wandel erhöht die Beiträge und senkt die Auszahlungen („die Rente wird im besten Fall bei der Hälfte, im schlechtesten Fall bei 40 Prozent des dann aktuellen Durchschnittsgehalts liegen“), gleichzeitig steigt der Anteil  Älterer bei Wahlen, was notwendige Reformen zugunsten der Jüngeren verhindert. „Gegen die Lobbymacht der Senioren“, so Straubhaar, „kann in einer alternden Gesellschaft keine Politik betrieben werden.“

Straubhaars Ansatz zum Gegensteuern: Die Einführung eines passiven Wahlrechts für Kinder, das von den Eltern ausgeübt wird. „Der Effekt wäre zwar eher gering, weil zu wenige Kinder geboren werden, aber es wäre zumindest ein gewisser Ausgleich für die wachsende politische Macht der Alten.“

Wichtiger, laut Straubhaar: Unverzüglich sollte eine „komplette Flexibilisierung des Renteneintrittsalters“ umgesetzt werden. Seine Faustformel: „Lebenserwartung minus 16 Jahre plus die Hälfte der künftig weiter steigenden Lebenserwartung. Das ergibt ein aktuelles Renteneintrittsalter von ungefähr 65. Wenn die Lebenserwartung pro Jahr weiterhin um zwei Monate steigt, dann würde automatisch die Hälfte davon – also ein Monat – auf den Renteneintritt addiert.“

„Gehen wir davon aus, dass auch innerhalb der nächsten zehn Jahre die Lebenserwartung um etwa ein gutes Jahr steigen wird. Dann könnten wir jetzt bei 66 starten, in den nächsten zehn Jahren gehen wir Richtung 67. Und 2050 gehen wir Richtung 70. Elegant an diesem Automatismus wäre, dass wir nicht jedes Mal aufs Neue festlegen müssten, wann wer in Rente gehen darf.“

Außerdem, so Straubhaar, brauchen wir einen Umstieg von der Beitragsfinanzierung durch Arbeitseinkommen zu einer stärkeren Finanzierung über Steuern, damit auch Kapitaleinkommen herangezogen werden können („Arbeit macht einen immer geringeren Anteil der gesamten Wertschöpfung aus“).

Denkbar wäre freilich auch, nicht über den indirekten Weg der Steuern die Altersvorsorge zu sichern, sondern jeden Menschen zu verpflichten, aus sämtlichen Einkommen (Arbeits- und Kapitaleinkommen) für seine eigene Rente vorzusorgen. Durch eine solche Verpflichtung würde Trittbrettfahrer-Verhalten vermieden, dass also Menschen auf die eigene Altersvorsorge verzichten, weil sie im Alter auf Kosten der Gesellschaft leben können (Grundsicherung).

Ein weiterer Schlüssel für auskömmliche Einkommen im Alter, so Straubhaar, ist Bildung: „Durch ein besseres Bildungssystem und eine bessere Ausbildung werden die Menschen produktiver. So können die Löhne stärker steigen und die Beträge zur Rentenversicherung legen ebenfalls zu. Wenn wir dank Bildung besser werden, dann wird der Kuchen für alle größer, den man am Ende verteilen kann.“

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