Offener Brief an Frauenbeauftragte

Liebe (steuerfinanzierte) Frauenlobbyisten,

das Leben in Deutschland ist ungerecht zu den Frauen, lese ich auf Ihren Plakaten hier in Berlin. Und auf Ihrer Webseite lerne ich, dass diese Plakate Teil Ihrer Kampagne zu Frauenarmut sind. Sie vergleichen dabei vor allem die Einkommen zwischen Frauen und Männern. Ihr Fazit: Frauen haben in allen Einkommensbereichen weniger.

  
Warum das so ist? An den Frauen liegt es jedenfalls nicht, so Ihr Grundton. „Betroffen (von Armut) sind Frauen aller Generationen, besonders häufig trifft es Alleinerziehende und Rentnerinnen“, schreiben Sie etwa.

Frauen als Betroffene also. Passiv und hilfsbedürftig. So stellen Sie Frauen vornehmlich auf Ihrer Webseite dar. Mit Verlaub: Ist das nicht frauenverachtend? 

Zu Ihren Gunsten nehme ich an, dass Ihr Frauenbild, wie soll ich sagen, strukturell bedingt ist. Schwachen Frauen muss geholfen werden. Frauenbeauftragten helfen schwachen Frauen. Ergo braucht es Frauenbeauftragte. 

Das Problem: Mit einem solchen Frauenbild wird sich wenig ändern. Wer etwa, wie Sie das tun, den empirisch messbaren Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen kommentarlos plakatiert (siehe Foto oben), nimmt mindestens billigend in Kauf, dass die überwiegende Mehrheit der Betrachter glaubt, dieser Unterschied sei Folge ungleicher Bezahlung in ansonsten gleichen Jobs. 

Bekanntlich liegt die durchschnittlich niedrigere Bezahlung aber nicht an bösartigen Männerkartellen, die in verrauchten Führungsetagen das Vermögen der Firma unter den Gleichgeschlechtlichen aufteilt. Der Grund ist vielmehr vornehmlich bei den Entscheidungen der Frauen zu suchen. 

Bei allem Respekt vor den gesellschaftlichen Bedingungen: Frauen wählen unterdurchschnittlich bezahlte Berufe und sie entscheiden sich auch für längere berufliche Auszeiten in Folge der Erfüllung von Kinderwünschen. So erklären sich die Unterschiede. 

Keine Frage: Für eine gerechtere Aufteilung von Hausarbeit und Kinderbetreuung braucht es in der Regel zwei Seiten. Aber auch für diese andere Seite entscheidet frau sich freiwillig.

Wäre es nicht an der Zeit, liebe Beauftragte, weniger von Frauen als „Betroffene“ zu sprechen, sondern deren Eigenverantwortung in den Mittelpunkt Ihrer Kampagnen zu stellen? Weil eben bei entsprechenden Entscheidungen bei Berufswahl und Familiengründung Frauen selbstvertändlich so viel verdienen wie Männer. 

Sie würden mit einer solchen Kommunikation vermutlich von der eigenen Klientel Gegenwind bekommen. Frauenbeauftragte machen Frauen für ihr Leben verantwortlich! Das gäbe Ärger. Aber wäre es das nicht wert? Wo doch in der Eigenverantwortung der Schlüssel für eine zügige Annäherung der Einkommen liegt. Oder liegt das am Ende gar nicht in Ihrem Interesse? Weil Sie damit an dem (Job-)Ast sägen würden, auf dem Sie sitzen.

-> Passend dazu, der heutige Seite-1-Leitartikel in der FAZ von Karin Truscheit

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