Mein Sohn ist reicher als das Gesamtvermögen von 30 Prozent der Weltbevölkerung – oder: Für was Oxfam Aufmerksamkeit bekommt


Hallo Oxfam,

die Schlagzeile habt ihr, Recht deswegen noch lange nicht.

Die Welt wird immer ungerechter, weil ungleicher, schreibt ihr, die 62 Reichsten der Erde hätten mehr Vermögen als die untere Hälfte der Weltbevölkerung, also 3,5 Milliarden Menschen, so eure Botschaft, und deshalb fordert ihr unter anderem mehr Umverteilung.

Dabei ist allein schon die Gegenüberstellung von Menschen mit und ohne Vermögen irreführend, weil sie suggeriert, dass das eine etwas mit dem anderen zu tun hätte. Dass Arme arm, weil Reiche reich seien. Dass der Kuchen nur falsch verteilt sei. In Wahrheit aber backt jeder meist seinen eigenen Kuchen. Die einen können besser backen als andere. Entscheidender ist: Vielen fehlt es an Zutaten. An Bildung, an durchsetzbarem Recht, an der Möglichkeit, Eigentum zu erwerben und dauerhaft zu behalten.

Vor allem aber: Die absolute Armut nimmt weltweit ab! Und zwar in der Regel überall dort, wo die Möglichkeiten der Vermögensmehrung zunehmen. Vermögensungleichheit und Armutsreduktion sind zwei Seiten derselben Medaille. Wer Reichtum verteufelt, leistet der Armut einen Bärendienst.

By the way: Am zweitmeisten Arme (nach Indien) leben – eurer Quelle nach (Gobal Wealth Report der Bank Credit Suisse) – in den USA (7,5 Prozent). Weil es dort viele überschuldete Hausbesitzer und College-Absolventen mit Studienkredit gibt. Man könnte auch sagen: Die ungleiche Vermögensverteilung ist dort besonders hoch, wo es funktionierende Kreditmärkte gibt. Seid ihr auch gegen Kredite?

Übrigens, Oxfam: Mein sechsjähriger Sohn verwaltet in seiner privaten Sparkasse mehr Vermögen (ca. 30 Euro) als das gesamte Vermögen der untersten 30 Prozent der Welt beträgt, weil 30 Prozent aller Menschen kein positives Nettovermögen (Saldo aus Vermögen und Schulden) haben. Wollt Ihr daraus nicht eine Schlagzeile zimmern?

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13 Gedanken zu “Mein Sohn ist reicher als das Gesamtvermögen von 30 Prozent der Weltbevölkerung – oder: Für was Oxfam Aufmerksamkeit bekommt

  1. Endlich spricht es mal jemand aus.

    Mit ihren Kommentaren zur aktuellen Flüchtlingskrise kann ich nicht viel anfangen, weil man Kommentare dieser Art durchweg in allen Medien zuhauf lesen kann – auch in der von Ihnen so gescholtenen FAZ. Was bei diesem Thema fehlte, waren kritische Kommentare. Jetzt nach Köln wurde es ein bisschen ausgewogener, aber wirklich nur ein bisschen. Immerhin.

    Dieser Kommentar zu Oxfam ist sehr gut. Er ist inhaltlich komplett richtig und er erscheint in dieser Form in praktisch keinem deutschen Medium.

    Das ist doch das Problem, das wir heute haben: Hetze gegen die Marktwirtschaft, Hetze gegen das kapitalistische System und das bewusste Anstacheln einer Neid- und Wegnehmkultur gegenüber Leuten, die ein Vermögen gebildet haben – und sei es auch noch so klein.

    Aus dieser Propaganda heraus entstehen aus meiner Sicht faschistische und kommunistische Systeme – und eben nicht aus einer kritischen Haltung gegenüber der ungesteuerten Zuwanderung. Eine Massenmigration gab es zu den Zeiten von Hitler und Stalin nicht, das war damals in keinem Land der Erde ein Thema, schon gar keine ungesteuerte Massenmigration.

    Hetze gegen den Kapitalismus, das war damals das große Thema mit dem die Menschen eingenommen wurden und von dem sie eingenommen waren. Das wird heute unterschlagen. Die damaligen Schriften sind (bewusst?) verboten, denn sonst könnte man ja genau nachlesen, was damals das große Thema war: Der „raffende“ Kapitalist – bei Stalin auch gerne in Form des „raffenden“ Kulaken und bei Hitler natürlich in Form des „raffenden“ Juden.

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    1. Ja das stimmt,allerdings wurde im 3 Reich nicht nur gegen Juden gehetzt sondern besonders auch die USA und auch gegen alle deutschen „Ausbeuter,Bankster,Kapitalisten“.
      Und In der UDSSR wurde natürlich auch gegen Juden gehetzt(anscheinend hatte man dort besonders gern Karl Marx´s Schrift zur Judenfrage gelesen)nur wurde da keine Rassenkunde betrieben.
      „Nach dem Oktoberputsch der Bolschewiki wurden die Juden allen Sowjetbürgern gleichgemacht, ob sie wollten oder nicht. Ihre Volkssprache, das Jiddische, konnten sie zwar vorerst weiterhin pflegen, sie sollte jedoch dem neuen System dienen. Zumindest der Antisemitismus – die rassistische Form der Judenfeindschaft – aber schien in der Sowjetunion Geschichte zu sein.
      Daß dem nicht so war, weiß man spätestens seit den dreißiger Jahren, als die Mehrheit der jiddischen Publizisten den stalinistischen Säuberungen zum Opfer fiel. Anfang der fünfziger Jahre galt der Kampf den „Kosmopoliten“ und meinte wiederum vor allem die Juden. Das läßt sich am Schauprozeß gegen die Kremlärzte nachweisen, der 1953 geplant wurde. Bis zu seinem Tod empfand Stalin ein tiefes Mißtrauen gegen die Juden, weil er sie verdächtigte, Agenten des Auslandes und des Klassenfeinds zu sein.
      Schon nach dem Oktoberputsch von 1917 begannen die Bolschewiki alle jüdischen Parteien und Organisationen aus der Politik auszuschalten und die mosaische Religion zu unterdrücken.
      http://www.deutschlandfunk.de/rotbuch-stalin-und-die-juden.700.de.html?dram:article_id=81192

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  2. Das positive Nettovermögen wird in den Klammern als „mehr Schulden als Vermögen“ definiert – müsste es nicht anders herum so sein, dass ein positives Nettovermögen mehr Vermögen als Schulden bezeichnet? Natürlich steht im Satz KEIN positives Nettovermögen, womit dann wohl das richtige gemeint wäre… es liest sich jedenfalls etwas irreführend.

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  3. Ich sehe nicht das Kapital für sich als ungerecht, sondern den Missbrauch des Kapitals zur Ausübung der Macht über andere Menschen. Darin besteht die große Ungerechtigkeit. Wer das Geld hat, bestimmt die Musik!

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  4. Eigentlich geht es darum, dass ein unglaubliches Vermögen angeschafft wird auf Kosten von uns ALLEN und insbesondere von uns Unternehmern, die ihre Steuern zu zahlen haben. Daher muss es so sein, keine Steueroasen. Wo die Superreichen und Mächtigen sitzen ist im Grunde genommen egal. Ein klares NEIN zu Steueroasen und Steuern müssen dort bezahlt werden wo diese anfallen. Also ob in Indien oder Afrika oder Europa.
    Wäre zumindest einmal ein Anfang.

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    1. Die Ausbeutung von Unternehmern dadurch zu bekämpfen, dass diese lückenlos weltweit erfolgen soll, erscheint mir jetzt nicht so ganz schlüssig…

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  5. Nehmen wir die angeführte Analogie: Ich backe meine eigenen Kuchen, einen nach dem anderen und erfreue mich an der Anhäufung der tollsten Torten in meiner Vorratskammer – so viele inzwischen, wie ich im Leben gar nicht verspeisen könnte. Klar, denn ich bin mit den richtigen Zutaten im Haus geboren und hatte einfach Glück. Ein paar Straßen weiter sieht die Lage anders aus: Eine Familie hatte weniger Glück und ist nun kurz vorm Verhungern. Ich weiß das, aber anstatt dieser Familie eine meiner großartigen Torten zu überlassen, schimpfe ich lieber darauf, dass nicht alle die gleichen Zutaten erhalten. Bei der nächsten Wahl wähle ich die Partei, die genau Letzteres fordert. Nach einigem Hin und Her erhält die genannte Familie einen Satz Zutaten, ein Kochbuch und einen Ofen. Aber inzwischen sind alle Familienmitglieder so sehr ermattet, dass keiner mehr die Kraft besitzt, auch nur ein kleines Törtchen zu backen. Wie gemein, jetzt sind sie alle tot. (Moral der Geschichte, in Kurzform: ja, wir müssen Anreize schaffen, dass Menschen ihre eigenen Kuchen backen. Aber dafür muss die grundlegende Ungleichheit abgeschafft werden. Und als Soforthilfe ist eine Umverteilung das Mittel der Wahl.)

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  6. ein sachlicher und meinetwegen gerne kritischer kommentar zu der oxfam schlagzeile wär ja schön – aber das ist genau das gleiche, wie das, was vorgeworfen wird: extreme simplifizierung, polemische formulierungen, milchmädchen rechnungen – nur diesmal im sinne des von oxfam als wurzel allen übels ausgemachten systems. jaja. der eine will bill gates enteignen, der andere meint „jeder ist seines glückes schmoied“ aus dem zentral beheizten mitelleuropäischen büro. gähn.

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  7. guter alter neoliberaler bullshit: eh du armes schwein, keine arme, keine kekse! der artikel ist nur ausgerichtet auf eine gewinnmaximierende lebensweise, ethische und soziale aspekte werden komplett ausgelassen. dann wird noch schnell auf die weltweit abnehmende armut abgestellt, ohne auf die begleitenden verteilungskämpfe einzugehen – und dass durch die fortschreitende minimierung jeglicher regulation das ungleichgewicht zwischen dem durch produktivität generiertem wohlstand und dem durch geld und gier generiertem überfluss immer grösser wird, scheiss doch der hund drauf… und zum schluss wird noch der sohnemann aus der tasche gezaubert, damit es aber auch der dümmste versteht! widerlich.

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  8. Es ist immer eine Frage des Blickwinkels. Sozialstaaten funktionieren immer nur, wenn ALLE auch dazu beitragen. Wenn aber die Reichsten der Reichen nicht mal arbeiten müssen, sondern nur aufgrund ihrer Kenntnis- und Besitzvorteile (Insiderwissen + vorhandenen großen Besitz) durch Spekulation und Zocken (mit Derivaten bzw. mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen = wird für die Armen immer teurer und nichtm ehr leistbar) Ertragssteigerungen von 30 und mehr % im Jahr haben und diese dann auch noch in Steueroasen steuerbefreiend parken, aber alle öffentlichen Einrichtungen (Infrastruktur etc.) in ihrem Herkunftsland praktisch kostenlos nutzen, dann stimmt die untenstehende Behauptung aber schon sowas von gar nicht!

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