Bildungsmangel und emotionale Kälte: Die AfD und ihre (saudummen) Anhänger

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Es soll ja die Meinung geben, Facebook und Co. führe dazu, dass Menschen engstirnig werden. Weil man dort nur das zu sehen bekommt, was das eigene Umfeld für interessant hält – ein Köcheln und Röcheln im eigenen Dunst und Saft sozusagen. Dabei zeigt Facebook doch vor allem eines: wie engstirnig manche Menschen tatsächlich sind. Der FAZ-Redakteur Volker Zastrow hat das unlängst erfahren, nachdem sein Kommentar zur AfD („Die neue völkische Bewegung„) auf der Webseite seiner Zeitung erschienen war.

Die AfD hatte daraufhin den Kommentar auf ihrer Facebook-Seite mit einer eigens erstellten (saudummen) Textgrafik (siehe oben) gepostet, worauf wiederum die FAZ auf ihrer Seite akribisch nachverfolgt hat, was sich dort an Kommentaren findet.

Diese Kommentare sind eine Offenbarung und eine Entlarvung. Die Worte und Sätze zeigen Unkenntnis, Dummheit, Hass – und sind damit eine tausendfache Bestätigung von Zastrows Meinungsstück. Die Kommentare aber machen auch Angst und fassungslos, weil sie zeigen, zu was Bildungsmangel und emotionale Kälte führen kann.

Und wenn sich der Schrecken gelegt hat, kommt das Mitleid, und mit ihm die Frage, was man tun kann, das Menschen so nicht werden und dass Menschen, die so sind, anders werden können. Ein freies Bildungssystem, das den individuellen Fähigkeiten gerecht wird, und ein Arbeitsmarkt, der jedem eine Perspektive gibt, fällt mir dazu ein.

Wer dann immer noch so einen  Mist schreibt, trägt spätestens dann die alleinige Verantwortung.

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15 Kommentare zu „Bildungsmangel und emotionale Kälte: Die AfD und ihre (saudummen) Anhänger

  1. Ja, einerseits „Meinungsfreiheit“ und „Selber Denken“ schreien, andererseits seine Kritiker mit „faschistisch“ (Links-Faschismus ist eine Wortkreation der Rechten) und „Lüge“ mundtot machen.
    Und wer widerspricht oder zum tatsächlichen Selberdenken ermuntert, wird ebenfalls direkt als Links-Faschist abgekanzelt.
    Lauter als Andere zu schreiben heißt noch lange nicht, eine individuelle Meinung zu vertreten.
    Und mal ehrlich: Nationalismus, Patriotismus und Grenzgläubigkeit sind absolut rückständige Systeme aus vorherigen Jahrhunderten. Man sollte meinen, wir wären schon weiter.

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    1. Informieren sie sich mal über die Herkunft des Wortes Faschismus-das ist eindeutig LINKS im Italienischen.Kein Wunder war Mussolini doch vorher sogar Linker Pazifist…

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  2. Ich habe auch lange Zeit gehofft, dass wir über den Nationalismus und die damit zu verbindenden negativen Begleiterscheinungen hinweg wären. Aber die Gegenwart belehrt mich eines Besseren Schlechteren. Es ist traurig und sehr beunruhigend. Unsere Welt gerät aus den Fugen.

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  3. @Wehrwohlf: Da bin ich anderer Meinung. Was Schröder Agenda-Politik bewirkt hat, könnte den Schluss nahelegen. Viele der von Hartz IV und Niedrigrenten betroffen sind, sowie die „Verlierer der Globalisierung“ bilden vermutlich eine Basis für solche Parteien. Ich glaube nicht an eine Zukunft für die AfD, weil zu viele der heutigen Sympathisanten es nicht ernst meinen mit dem, wofür diese Partei steht. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass es sich dabei überwiegend um Frustwähler handelt. Gegen diese Entwicklung muss aber unbedingt etwas gesetzt werden. Es dürfte kein guter Weg sein, über den Abbau des Sozialstaates eine positive Entwicklung für offene Gesellschaften zu erreichen.

    Die Globalisierung hat in vielen Ländern zu großen sozialen Verwerfungen geführt. Insbesondere in Europa sehen wir das. Leute mit unzureichender Bildung haben wenig Chancen, einen auskömmlichen Lohn für ihre Familie zu erhalten. Gegen die Entwicklung kann ein Nationalstaat überhaupt nichts tun. Einfach gesagt, das Geld sucht seinen Weg und die (nationale) Politik haben fest keine Chance, steuernd einzugreifen. Die Handlungsspielräume für die nationale Politik haben sich seit über 20 Jahren rasant verengt.

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    1. @HS

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      Die Handlungsspielräume für die nationale Politik haben sich seit über 20 Jahren rasant verengt.

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      Das hat die deutsche Politik sich in großen Teilen selbst zuzuschreiben. Merkel behauptet zum Beispiel einfach, heutzutage sei kein Grenzschutz mehr möglich. Das ist ganz offensichtlich gelogen. Sie will einfach nicht. Diesen Willen kann sie ja haben, aber dann soll sie gefälligst sagen, dass es ihr Wille ist. Das macht Merkel aber nicht. Merkel tut so als sei ihr Wille Naturgesetz. So denken heute leider viele Politiker. Ich glaube nicht, dass das gut ist.

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  4. Viele der von Hartz IV und Niedrigrenten betroffen sind, sowie die “Verlierer der Globalisierung” bilden vermutlich eine Basis für solche Parteien.

    Die Empirie bestätigt das nicht.

    Es dürfte kein guter Weg sein, über den Abbau des Sozialstaates eine positive Entwicklung für offene Gesellschaften zu erreichen.

    Das kann man so sehen. Aber den Kreis kriegt man nicht quadratisch. Ich empfehle die Lektüre von Paul Colliers „Exodus“.

    Gegen die Entwicklung kann ein Nationalstaat überhaupt nichts tun.

    Natürlich kann er das. Zum Beispiel, indem er bei den Einheimischen auf Bildung setzt und die Zuwanderung gering Qualifizierter verhindert. Übrigens das Modell, das auch die meisten Staaten praktizieren, die man „Einwanderungsländer“ nennt.

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    1. Zum Beispiel, indem er bei den Einheimischen auf Bildung setzt und die Zuwanderung gering Qualifizierter verhindert.

      Das stimmt. Einen Einfluss auf die Wirtschaft hat die Politik nicht mehr. Wenn sie denn je einen gehabt haben sollte.

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    2. Zum Beispiel, indem er bei den Einheimischen auf Bildung setzt und die Zuwanderung gering Qualifizierter verhindert. Übrigens das Modell, das auch die meisten Staaten praktizieren, die man “Einwanderungsländer” nennt.

      So ein Wahlprogramm hat in Deutschland von den möglichen über 5%-Parteien witzigerweise nur die AfD. Ich finde die AfD nicht sonderlich extrem. Ich finde es eher extrem, dass sich die Parteiprogramme der seriöseren Parteien (CDU/SPD/Grüne/FDP) nicht wesentlich unterscheiden. Diese Parteien stehen sich in vielen Punkten extrem auf den Füßen. Das ist nicht gut für eine Demokratie. Diese vier Parteien müssten vier wirklich verschiedene Politikentwürfe repräsentieren, dann bräuchte man Parteien wie die AfD nicht. Besonders die CDU hätte den Raum rechts der Mitte niemals freigeben dürfen.

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  5. Ich war bisher einmal auf einer größeren AfD-Veranstaltung. Ich hatte in der Tat nicht den Eindruck, dass bei der AfD weniger Idioten herumrennen als bei den anderen Parteien. Aber eben auch nicht mehr.

    Es waren auch Leute von der Presse anwesend. Ich bin bei einem Reporter des ZDF eine gute Stunde mitgelaufen. Der Reporter hat in dieser Zeit fast 20 Leute angesprochen und kurze Interviews geführt. Wenn die Leute ihm zu moderat geantwortet haben, hat der Reporter das Interview zügig abgebrochen und ist weitergezogen.

    Letztendlich waren zwei dieser ca. 20 Leute sehr ungebildet und äußerten sich entsprechend. Und was kam am Abend im ZDF als „authentischer“ Beitrag von der AfD-Veranstaltung? Genau diese zwei Leute. Von den anderen 18 Menschen kein Wort. Da kann ich es schon verstehen, dass AfD-Leute sehr misstrauisch werden und behaupten die deutsche Presse sei eine Lügenpresse. Die zwei extremsten Fälle von 20 herauspicken und so tun als sei dies „die AfD“ ist in der Tat eine Lüge.

    Ganz ähnlich macht es auch die FAZ: Erst beleidigen sie die AfD-Anhänger durch die Bank und dann beklagen sie sich, wenn es auf Facebook einen entsprechenden Shitstorm dazu gibt. Es ist doch logisch, dass es einen Shitstorm gibt, was hat die FAZ anderes erwartet? Ein Lob für ihren hitjob von AfD-Anhängern? Es ist klar, dass sich kein AfD-Anhänger zu so einem Artikel positiv äußert.

    Ich glaube trotzdem nicht, dass auf Facebook nur sehr bösartige Kommentare stehen. Aber nur solche werden in der FAZ berichtet.

    Ehrlicher wäre es, wenn man zugibt, ja es gibt extreme Leute bei der AfD, es gibt aber auch viele moderate. Wie das Verhältnis moderat zu extrem aussieht, ist aktuell nicht ganz klar, weil es dazu wenig bis keine seriöse Untersuchungen gibt. Aber dass hier grundlegende Unterschiede zu anderen Parteien bestehen, sollte man besser erst einmal nachweisen. Schon mal auf einer SPD-Veranstaltung mit dem einfachsten Parteivolk gewesen? Da kommt Freude auf. Ich wette bei CDU, Grünen, Linken ist es nicht anders.

    Mir fällt auch auf, dass die deutsche Presse nun immer häufiger über die „ungebildeten“ AfD-Anhänger und ablästert, die ja so dumm wären und bildungsfern und arbeitslos.

    Ungebildete „Globalisierungsverlierer“ waren über Jahre die absoluten Lieblinge der Journalisten. Über diese Leute durfte man kein schlechtes Wort verlieren. Aber sobald diese Menschen rechte Parteien wählen, lästern die Journalisten hemmungslos über den „white trash“ ab.

    Ich glaube die Kausalität geht dabei so: Erst waren viele Menschen unzufrieden mit der aktuellen Politik und der in Deutschland extrem homogenen Presse und dann wurde die AfD immer größer. Andersherum geht schlecht. Und von der FAZ sind die AfD-Leute natürlich besonders enttäuscht, weil die FAZ von sich behauptet, sie sei die wichtigste konservative Zeitung in Deutschland. Zeitung ja, aber konservativ?

    Die FAS und FAZ online sind jedenfalls nicht mehr merklich konservativ. Zur Druckversion der FAZ kann ich nicht mehr viel sagen, die lese ich seit einigen Jahren nicht mehr. Aber schon damals dachte ich: Warum sollte ich mir diese Zeitung noch kaufen, die gleichen Meinungen und Ansichten bekommt man auch in ZEIT, SZ oder Spiegel.

    Entschuldigung für den langen Kommentar.

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  6. @American Viewer
    Aus eigenen Erfahrungen kann ich nichts beitragen. Allerdings habe ich ZDF-Berichte über AfD-Veranstaltungen gesehen, die auf mich fair gewirkt haben. Dazu habe ich kürzlich was geschrieben.

    Ich gebe Ihnen dennoch recht, dass unsere Medien insgesamt zu unkritisch und oft einseitig berichten. Die Tiraden, mit denen wir es im Internet zu tun haben, sind aus meiner Sicht damit dennoch nicht zu rechtfertigen.

    Vielleicht kann man davon sprechen, dass die GroKo für die negativen gesellschaftlichen Entwicklungen verantwortlich ist. Schließlich leben wir schon zu lange mit dieser unglücklichen Konstellation. Es gibt politische keine widerstreitenden Konzepte, keine ernstzunehmenden jedenfalls. Vielleicht fehlt es generell an Konzepten, die halbwegs überzeugen könnten?

    Wir erleben auch in Deutschland ein Wiederaufstehen des Nationalismus. Dies repräsentiert die AfD auf eine Art, über die wir uns sehr wohl streiten sollten. Mit generellen und oft nicht weniger tendenziösen Ausgrenzungsmethoden hatten es zu ihrer Zeit auch die Grünen und die Linken zu tun. Die Linken werden bis heute von vielen nicht als demokratische Kraft akzeptiert. Bei den Grünen war das lange Zeit nicht anders. Soviel noch zum unterschwellig beklagten linken Mainstreamjournalismus.

    VG Horst

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