Das unbegrenzte Wachstum: Warum Zuwanderung für moderne Gesellschaften gewinnbringend ist

Vieleicht ist die offensichtlich verbreitete Angst vor der Zuwanderung in Deutschland insofern verständlich, dass in vergangenen Jahrhunderten solche Wanderungsbewegungen bisweilen tatsächlich folgenreicher im negativen Sinne waren. Die Verwendung endlicher und begrenzter Ressourcen führte bei Bevölkerungszunahme nämlich zwangsläufig zu Verteilungskämpfen.

Es ist zum Beispiel eine Erfahrung der jüngeren Geschichte, dass sich das Saat-Ernteverhältnis (im Frühmittelalter lag es bei 1:2, stieg im Spätmittelalter auf 1:5 und ist heute – zum Beispiel beim Winterweizen – bei 1:40) dank technischen Fortschritts in einem Maße verbesserte, dass nicht nur größere Bevölkerungsteile sich anderen Herstellungsprozessen als der von Nahrung widmen können, sondern dass diese Nahrungsmittel auch nicht mehr knapp sind – egal wie viele Menschen auf einem bestimmten Gebiet leben.

Eng verbunden mit der Nahrungsmittelproduktion war in vergangenen Jahrhunderten der Verteilungskampf um die endliche Ressource „Land“. Zuwanderung war gleichbedeutend mit der Gefahr, das eigene Land zu verlieren. Und da das Land die Ernährung sicherte, war diese Gefahr lebensbedrohlich.

Unsere moderne Gesellschaft ist deutlich weniger von endlichen Ressourcen abhängig. Für eine ausreichende Lebensmittelversorgung braucht es ausreichend Technik, die Zahl der zu versorgenden Menschen ist zweitrangig. Und auch die Frage nach dem (weiterhin begrenzten) Lebensraum ist nicht mehr existenziell, sondern höchstens noch eine Frage des Preises (je mehr Menschen an einem Ort leben wollen, desto höher die Immobilien- und Mietpreise).

Aber die Nachteile der Bevölkerungszunahme haben nicht nur abgenommen, die Vorteile auch zu. Ein Großteil unseres (wachsenden) Wohlstands wird heute nicht mehr mittels begrenzter Bodenressourcen, sondern durch potenziell unbegrenzter menschlicher Ressourcen hergestellt: der Arzt, der heilt, der Parkplatzwächter, der überwacht, der Designer, der Bücher layoutet – alle tragen zum Wohlstand bei. Und dieser Wohlstand wächst mit jedem Menschen, der sich an diesem Austauschprozess beteiligt. Je mehr mitmachen, desto besser für alle.

Die gleiche Regel gilt für den wichtigsten Wohlstandstreiber, den Fortschritt. Es ist die Vernetzung von Erkenntnissen, welche uns in den vergangenen zwei Jahrhunderten eine unvergleichbare Wohlstandsexplosion beschert hat. Voraussetzung dafür war die unüberschaubare Zahl der Mitmachenden. Auch hier gilt: Je mehr Menschen sich beteiligen, desto größer der potenzielle Wohlstandsanstieg.

Fazit: Auch in früheren Zeiten gingen Wanderungsbewegungen bisweilen mit wirtschaftlichem Fortschritt einher, aber noch nie waren die Nachteile einer Bevölkerungszunahme so gering (Bedeutung endlicher Ressourcen nimmt ab) und die möglichen Vorteile so groß. Stimmt dann noch der Rahmen (Marktwirtschaft), dann können die Menschen vor allem jene Interaktionen umsetzen, die nicht nur für sie selbst von Vorteil sind, sondern eben auch für andere. Der Bäcker, der die besten Brötchen backt, hat die meisten Kunden. Ob er diese Qualität aus egoistischen Motiven liefert (weil er viel verdienen will) oder weil er anderen was Gutes tun möchte (leckere, gesunde Brötchen), ist für den Kunden zweitrangig. Und genauso zweitrangig ist die Herkunft des Bäckers.

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