Vorteil durch Anreize: Warum wir uns eine Wertediskussion in Folge des Flüchtlingstroms sparen können

Der große Zustrom von Menschen aus fernen Ländern führt in Deutschland zu Wertediskussionen in allen Lebensbereichen: in der Familie, im Freundeskreis, im Beruf, in den Medien. Dabei geht es in der Regel um zwei Kernfragen: Wie notwendig ist es, dass die zu uns Kommenden unsere Werte übernehmen? Und: Was sind eigentlich unsere Werte?

Mir mutet die Diskussion seltsam rückwärtsgewandt an, leben wir doch schon lange in einer globalisierten Welt, in der Begegnungen (vermeintlich) fremder Menschen und Kulturen selbstverständlich geworden sind. Die Moral, welche sich dabei im Wesentlichen etabliert hat, ist jene, aus der auch die Marktwirtschaft ihre Legitimation bezieht: Es sind all jene Beziehungen und Austauschprozesse erlaubt (sogar erwünscht, weil dadurch der Wohlstand aller steigt), welche für die Beteiligten von Vorteil sind, und wodurch andere nicht Geschädigt werden.

Erlaubt ist ausschließlich jene „Schädigung“, die sich aus dem Marktprozess insofern ergibt, dass Konkurrenz notwendig für Fortschritt und Wohlstand ist. Die Beschwerde des Unternehmers, der seine Kunden an die bessere oder billigere Konkurrenz verliert, hat in der Marktwirtschaft keine Aussicht auf Erfolg.

Der Wirtschaftsethiker Karl Homann schreibt über unser heutiges globalisiertes Zusammenleben („Sollen und Können“ S. 241):

Die Berufung auf Werte, etwa die christlichen Werte in der ‚Wertegemeinschaft‘ Europa, ist hier kontraproduktiv, weil dann Andersdenkende, etwa die islamisch geprägte Türkei, von China und Indien ganz zu schweigen, von vornherein ausgegrenzt werden. Die ‚Währung‘ auf die sich alle verständigen können, ist die Währung von Vorteilen und Nachteilen.

Wichtig: Unter Vorteilen ist alles das zu verstehen, was die Menschen selbst als Vorteile ansehen.

So einfach kann Ethik sein.

Die Marktwirtschaft ist deshalb auch der geeignete Ordnungsrahmen, damit Menschen unterschiedlicher Kulturen gewinnbringend für alle zusammenleben können. Die Politik muss ledigich die Möglichkeiten der Interaktionen zulassen (Stichwort: offener Arbeitsmarkt). Und die Politik muss das Anbieten von Vorteilen für die Anbietenden attraktiv gestalten (etwa mittels entsprechender Anreize in der Sozialpolitik). Dann sind die Sorgen, dass die neu Ankommenden nicht zum Vorteil der schon hier Seienden werden, unbegründet.

3 Gedanken zu “Vorteil durch Anreize: Warum wir uns eine Wertediskussion in Folge des Flüchtlingstroms sparen können

  1. johannes du siehst das alles von der seite deines berufes. die meisten menschen haben angst, dass ihnen was weggenommen wird. und dann noch dazu vom islam. jürgen todenhöfer sagt: in deutschland leben 5 millionen muslime. das sind unsere verbündeten. lbg mutti

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    1. Die erfreuliche Erkenntnis der Ökonomie ist: Stimmt der Rahmen, dann können die Menschen vor allem jene Interaktionen umsetzen, die nicht nur für sie selbst von Vorteil sind, sondern auch für andere. Der Bäcker, der die besten Brötchen backt, hat die meisten Kunden. Ob er diese Qualität aus egoistischen Motiven umsetzt (weil er reich werden will) oder weil er anderen was Gutes tun will (leckere, gesunde Brötchen), ist für den Kunden zweitrangig. Und genauso zweitrangig ist die Herkunft des Bäckers.

      Es ist also grundsätzlich eine gute Sache, wenn mehr Menschen ihre Fähigkeiten einsetzen, zum eigenen Vorteil, in der Marktwirtschaft zwangsläufig immer auch zum Vorteil der anderen. Lediglich bei endlichen Ressourcen (zum Beispiel Land) kann eine Bevölkerungszunahme zu Nachteilen führen. Weil das Vorhandene nicht Vermehrbar ist, folglich pro Kopf weniger bleibt. Eine Bevölkerungszunahme ist aber vor allem in fortschrittlichen Gesellschaften meist ein Gewinn, weil was gefragt ist, vor allem Dienstleistung und Fortschritt ist – und beides unterliegt keiner natürlichen Begrenzung.

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