Gegen die Freiheit: Wie die Politik das Zukunftsthema „flexible Rente“ liegen lässt

„Statt über ein neues, starres Renteneintrittsalter wie etwa 69 Jahre zu diskutieren, sollten die Menschen den Zeitpunkt ihres Renteneintritts selbst bestimmen können.“ // Aus der Bertelsmann-Studie „Großer Bedarf an flexiblen Übergängen vom Arbeitsleben in die Rente

Eine Gesellschaft, in der das Leben der Alten (Nicht-Arbeitenden) durch das der Jungen (Arbeitenden) finanziert wird (Umlageverfahren), bekommt bekanntlich dann ein Problem, wenn es viele Alte und wenige Junge gibt. In Deutschland verschiebt sich das Verhältnis so stark wie in kaum einem anderen Land der Welt. Und da in Deutschland die gesetzliche Rente nach dem Umlageverfahren funktioniert, funktioniert sie eben zunehmend schlecht.

Die Politik tut sich bekanntlich schwer damit, das Problem anzugehen, da beide Optionen der Problemlösung bei Wahlen Stimmen kosten. Die Politik könnte das Umlageverfahren durch die demografiefestere Variante der Kapitaldeckung ablösen, oder sie könnte festlegen, dass die Menschen länger arbeiten müssen.

Wie gesagt, beides ist politisch schwer durchsetzbar. Die Kapitaldeckung ist zunächst (und damit entscheidend ob des Planungshorizonts der Politik) teuer. Denn ein Kapitalstock muss zunächst aufgebaut werden, während gleichzeitig die bestehenden Rentenansprüche bedient werden müssen. Bei der Einführung der Kapitaldeckung zahlt eine (und zwar eine wählende) Generation doppelt. Auch mit der Anhebung des Renteneintrittsalters ist politisch kein Blumentopf zu gewinnen (mit der Absenkung des Renteneintrittsalters, siehe Nahles-Projekt „Rente mit 63“, dagegen schon). Das ist freilich verständlich: Der Mensch will in der Tendenz lieber weniger arbeiten, also mehr Freizeit haben.

Die Bertelsmann-Stiftung hat das jüngst per Umfrage belegt. Das erwünschte Renteneintrittsalter (in der Grafik unten die dunkelblaue Linie) liegt deutlich unter dem tatsächlich zu erwartenden Renteneintrittsalter (hellblaue Linie).

Großer Bedarf an flexiblen Übergängen vom Arbeitsleben in die Rente

Was also tun, wenn sowohl (mehr) Kapitaldeckung als auch Erhöhung des gesetzlichen Renteneintrittsalters als politische Reformoption verbaut sind?

Die Berteslmann-Stiftung empfiehlt, den Menschen mehr Selbstbestimmung zu geben. Für 87 Prozent der Bevölkerung, so die Umfrage, käme eine Teil- und Flexirente in Frage.

Teil- und Flexirenten sind ein mögliches Gestaltungsinstrument der Politik, um Übergänge vom Arbeitsmarkt in die Rente zu flexibilisieren. Teilrenten bieten älteren Arbeitnehmern die Möglichkeit, beispielsweise aus gesundheitlichen Gründen früher in Rente zu gehen. Mithilfe von Flexirenten können ältere Arbeitnehmer, die gern länger im Berufsleben bleiben wollen, später in Rente gehen.

Eine derartig flexiblere Rente würde zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen:

  • Die Menschen könnten ihr Leben stärker nach eigenen Vorstellungen gestalten,
  • und weil mit längerer Lebensarbeitszeit auch die Rente steigen würde, würde der Anreiz zunehmen, erst später in Rente zu gehen.

Eigene Wünsche könnten so in Deckung mit der gesellschaftlichen Notwendigkeit gebracht werden. So sähe gute Ordnungspolitik aus. Aber die Politik tut sich schwer mit diesem Weg. In der AG „Flexible Übergänge in den Ruhestand“ sollten Bundestagsabgeordnete der Regierungsparteien (bis Herbst 2015) Lösungen aushandeln. Vor allem die SPD sträubt sich aber, die Anreize (länger arbeiten für mehr Rente) entsprechend zu verändern.  Im Moment sieht es nicht mehr nach einer Einigung in dieser Legislaturperiode aus. Eine vertane Chance für gute Ordnungspolitik.

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