Das sozialistische Schulsystem Deutschlands

Welches ist eine gute, passende ‪‎Schule‬ für meinen Sohn? Auf diese Frage suche ich seit einigen Wochen eine Antwort. Und immer deutlicher wird, dass es am Ende nicht auf die Qual der Wahl hinauslaufen wird, sondern auf: das Beste aus dem beschränkten Angebot machen. Zwar gibt es in Berlin viele Schulen, aber bei den attraktiven sind die Wartelisten übervoll.

Sicherheit gibt es nur an einer Schule, der Einzugsschule. Bekanntlich gibt es in Deutschland nicht nur die Schulpflicht, der Staat sagt jedem Kind auch, in welche Schule es zu gehen hat.

„Jedem Kind wird eine Grundschule zugewiesen“ – die ganze Malaise des deutschen Bildungssystems in einem einzigen Behördensatz!

Wie würde eigentlich das Essen in Restaurants schmecken, mit welchen Autos würden wir umherfahren (gäbe es überhaupt welche?), welche Lebensmittel hätten wir in unseren Kühlschränken, wenn Restaurants, Autohersteller und Supermärkte ihre Kunden zugewiesen bekommen würden? Wenn sie wüssten, dass Freundlichkeit, dass Verbesserung ihrer Produkte nice to have ist, weil die Kunden so oder so kommen (müssen)?

In welcher Welt würden wir heute leben, wenn das unser Gesellschaftssystem wäre?

Zuweisungen gab es nur im Sozialismus, denken wir – und täuschen uns. Bei der Bildung, dort, wo jeder unterschreibt, dass es das Wichtigste für die Zukunft unseres Landes ist, dort ist es noch heute so.

Proteste dagegen? Kaum vernehmbar. Vielleicht weil schlechte Gewohnheit ein schleichendes Gift ist („Die Schule ist halt so“, „Ich habe es auch überlebt“), sicher auch, weil viele Deutsche das Problem nicht sehen. Weil man nicht sehen kann, was nicht sein darf. Die Mehrheit der Deutschen steht mit dem Wettbewerb weiter auf Kriegsfuß, meine These. Gelitten, nicht geliebt ist das System, das Menschen dazu leitet, anderen Gutes zu tun, gänzlich ohne moralische Verbiegung, schlicht aus Eigeninteresse, aber eben doch mit gewissen Zumutungen auf Anbieterseite.

Ich vermute, dass es in Umfragen eine Mehrheit für die Aussage gibt, dass Bildung zu wichtig sei als dass man sie dem Wertbewerb überlassen könne. Die Bildung ist kein Einzelfall. Ähnlich wird auch regelmäßig beim gegenwärtigen Trend der Rekommunalisierung argumentiert. Geht es um Kernbereiche des Lebens, soll der Wettbewerb ausgeschaltet werden. Dass wir ohne diesen kaum Fortschritt hätten und damit vom heutigen Wohlstand Lichtjahre entfernt wären, harrt weiter auf Verankerung in den Köpfen der Mehrheit.

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