Warum wird man Mönch?

Warum gehen Menschen (immer noch und lebenslang) ins Kloster? Weil das Klosterleben Gemeinschaft bringt. Verlässliche Gemeinschaft. Und Sicherheit. Einen häufig minutiös vorgegebenen Tagesablauf. Wo alles vorhersehbar ist, kann nichts schief gehen. Schon gar nicht mit Gottes Segen.

Ich meine aber, dass das „Berufen fühlen“, die Überzeugung, dass das Klosterleben „Bestimmung“ ist, noch aus einer weiteren Besonderheit entsteht: dem dauerhaften Verzicht. Wer auf etwas verzichtet, um etwas anderes zu bekommen, für den erhält das Andere einen höheren Wert. Die überteuerte Karte macht das Konzert einzigartig. Der extravagante Reisetrip, auf den man zwei Jahre sparen musste, wird zur stetig wiedererzählten Lebenserinnerung. Ökonomisch gesagt sind die Opportunitätskosten des Klosterlebens ziemlich hoch. Man verzichtet auf Bewegungsfreiheit, auf die freie Berufs- und Partnerwahl. Selbst für den, der Vorgaben schätzt, muss der Verzicht spürbar sein.

Dieser Verzicht lässt sich leichter akzeptieren, wenn der Grund des Verzichts ein besonders gewichtiger ist. Deswegen neigt der Mensch dazu, den Preis eines Gutes in seine persönliche Nutzenfunktion zu integrieren. Je mehr er bezahlt, desto wichtiger wird das Gut für ihn. Die Bedeutung steigt durch den Verzicht. Eigentlich eine Form von Selbstbetrug. Wenn auch eine verständliche. Der Mensch denkt eben nicht nur rational. 

In der Abwägung jedenfalls lohnt sich das Klosterleben für manche offensichtlich. Und wir wissen nicht einmal, ob dieses Leben heute weniger lohnenswert geworden ist. Es gibt zwar (mindestens in Europa) weniger Ordensmenschen als früher, aber anders als in vorangegangenen Generationen ist die Entscheidung für den Klostereintritt heute überwiegend eine freie. Mindestens das ist ein großes Glück.

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