Griechenlands goldene Zukunft

Ein Minister opfert sich für sein Land, das sich im heroischen Kampf gegen die Repressionen scheinbar allmächtiger Kreditgeber befindet. So stellt der scheidende Finanzminister Yanis Varoufakis sich und die Lage in Griechenland dar.

Wer will sich schon erinnern, wie Griechenland in diese Situation geriet? Dass es wegen zu hoher Schulden bei privaten Geldgebern keine Kredite mehr erhielt. Dass daraufhin Staaten als Geldgeber einsprangen. Dass diese Staaten das Geld ihrer Steuerzahler gaben. Dass dieses Geld (im Falle Deutschlands über 80 Milliarden Euro) vermutlich nicht mehr zurückgezahlt werden wird.

Schuld sind immer die anderen, sagt Varoufakis, sagt die Politik. Da unterscheidet sich die deutsche nicht von der griechischen Regierung. Es ist zu verlockend. Im Ausland wohnen keine Wähler.

Nur: Schuldzuweisungen helfen keinem. Im Gegenteil. Sie führen zu falschen Schlüssen. Wäre Deutschland unter den gleichen Bedingungen wie Griechenland in die Währungsunion geraten, unsere Wettbewerbsfähigkeit hätte sich ähnlich rasant verschlechtert.

Der Fehler lag im System. Und das System war eine einheitliche Währung für unterschiedliche Wirtschaftsräume. Die Euro-Einführung senkte die Kosten der Kreditaufnahme auf ein europaweit fast einheitliches Niveau. Die Kreditgeber glaubten dem Versprechen auf stabiles Geld und hofften auf eine gegenseitige Haftung im Falle einer drohenden Staatsinsolvenz.

Durch die niedrigen Zinsen wurde es für Staaten wie für Private höchst attraktiv, Geld zu leihen. In Griechenland besonders. Denn bis zur Krise 2009 lag die Inflationsrate durchgehend über dem EU-Schnitt. Die Rendite war hoch und es schien einfach, das geliehene Geld in der Zukunft zurückzahlen zu können. Doch der Preisanstieg war Folge der Lohnentwicklung, die wiederum nur teilweise Folge gestiegener Produktivität war. Die Wettbewerbsfähigkeit sank also.

Heute, sechs Jahren nach Beginn der Krise, ist die Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands bei weitem nicht wieder hergestellt. „Das Land hat seine Preise während der Krise bereits um 8 Prozent gegenüber dem Rest der Eurozone gesenkt, indem es Sparmaßnahmen einleitete. Aber das ist erst ein Drittel des nötigen Weges, und mehr geht kaum“, schreibt Professor Hans-Werner Sinn.

Deswegen hilft nur, den entscheidenden Fehler, die Euro-Einführung, zu revidieren. Ein flexibler Wechselkurs als Anpassungsinstrument unterschiedlicher Lohn- und Preisentwicklungen wird benötigt, die Rückkehr zur Drachme also. Sie wird zur Ernüchterung in Griechenland führen. Das Wohlstandsniveau im Vergleich zum Ausland wird offensichtlich. Die Griechen werden sich weniger davon leisten können, was im Ausland hergestellt wird. Sie werden ärmer werden. Zunächst. Die Nachfrage wird sich auf das Inland konzentrieren. Weil die heimischen Produkte im Verhältnis zu den ausländischen günstiger werden. Zusammen mit dem abwertungsbedingten Anstieg der internationalen Wettbewerbsfähigkeit wird die griechische Wirtschaft zu florieren beginnen.

Der Euro-Austritt als Konjunkturfeuer! Gleichzeitig könnte der europäische Binnenmarkt als gigantischer Absatzmarkt für griechische Produkte bestehen bleiben. Vorausgesetzt Griechenland bleibt Mitglied der Europäischen Union. Es gibt keinen (ökonomischen) Grund, warum Griechenland das nicht sollte. Grenzenloser Waren- und Personenverkehr sind die wichtigste Voraussetzung für Wohlstand. Bleiben diese Grenzen offen, spricht nichts gegen eine wirtschaftlich erfolgreiche Zukunft Griechenlands.

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