Weshalb spricht keiner über Monopole? – Oder: Was ich bei Bildungsdiskussionen vermisse

6008114294_4bb20bf8f8_oAlle sind sich einig darüber, dass Bildung der Garant für den Wohlstand der Zukunft ist. Dass Schulen und Hochschulen besser werden müssen. Nur den Weg dahin, scheint kaum einer zu kennen.

Es wird darüber diskutiert, wie lange die Gymnasialzeit dauern soll, welche Inhalte in den Lehrplan gehören oder wie der Übergang innerhalb der Schulsysteme stattzufinden hat. Wichtige Fragen, keine Frage. Aber daran entscheidet sich nur bedingt ein zukunftsfähiges Bildungssystem. Es ist wie immer in Gesellschaften: Entscheidend ist der Rahmen, in dem sich Leben abspielt. Stimmen die grundlegenden Bedingungen, sind gute Ergebnisse möglich.

Über diesen Rahmen gibt es keine breite gesellschaftliche Debatte. Als sei sie ein Tabu. Dass die Politik das Thema nicht anrührt, ist verständlich. Sie will sich nicht mit jenen (vielen) anlegen, die sich im staatlichen Bildungssystem eingerichtet haben. Aber warum gibt es keine Bewegung auf der Nachfrageseite? Bei den Eltern und Schülern?

Schließlich gibt es bei der Bildung nur einen wesentlichen Anbieter, den Staat. In allen anderen Bereichen würde das Kartellamt eingreifen. Es würde versuchen, das Monopol zu brechen. Weil die schädlichen Auswirkungen allen bewusst sind: geringe Qualität zu hohen Kosten. Es würde über das Monopol geschimpft, deren Abschaffung gefordert werden.

Das Bildungsmonopol interessiert kaum jemanden. Warum? Weil Schule schon immer so war? Ja, auch. Ich glaube aber, es liegt an noch etwas anderem. An einer Art intellektuellen Fehlleistung der Deutschen.

Die Vermutung geht so: Die Marktwirtschaft als abstrakter Systembegriff wird von vielen nicht gemocht. Alle aber schätzen die positiven Ergebnisse der Marktwirtschaft. Die grundsätzliche Freiheit, anzubieten und zu kaufen was man möchte, führt zu Vielfalt und stetiger Verbesserung. Das Bessere als Feind des Guten hat uns den Wohlstand gebracht, der uns heute besser und länger leben lässt. Dieses Ergebnis aber braucht eines: den Wettbewerb. Er ist das konstituierende Element der Marktwirtschaft.

Die Bildung dem Wettbewerb auszusetzen, aber ist nicht mehrheitsfähig. Weil, so meine Vermutung, eben ein Denkfehler begannen wird. Viele Menschen glauben, in einem marktwirtschaftlichen Schulsystem würden Schüler der Konkurrenz ausgesetzt – und wollen das (zu Recht) nicht.

Genau das wäre aber nicht der Fall. Schüler und Eltern wären in diesem System die (aktiven) Konsumenten. Sie würden also von Vielfalt und stetiger Verbesserung profitieren. In Konkurrenz würden dagegen die Bildungsangebote stehen. Die würden im Wettbewerb um die (und das Geld der) Schüler und deren Eltern gezwungen, ihr Angebot stetig anzupassen und zu verbessern. Ein Angebot, das zu den Schülern passt. So dass denen Schule Spaß macht. Weil sie lernen können, was sie lernen wollen. Es würde um sie geworben werden, mit guter Bildung, mit dem Versprechen der Freude am Lernen, mit individueller Pädagogik.

Stattdessen geht es in jeder Bildungsdiskussion (die hier habe ich heute morgen gehört) um die Ausgestaltung des (falschen) Rahmens. Es werden schlechte Bildungsergebnisse beklagt, über Stress bei Schülern und Lehrern berichtet, über zu viele Bildungsverlierer lamentiert. Und wenn die Diskutanten, ob der Vielzahl der föderalen Bildungsreformen, durcheinander kommen, fordern sie die Zentralisierung der Bildung in Berlin. Als wäre das Ziel von Bildung und Pädagogik den Expertenstatus von Experten zu retten.

Es ist der Rahmen, den die Politik gestalten sollte. Dieser Rahmen könnte darin bestehen, die finanziellen Mittel den zu Bildenden zur Verfügung zu stellen – und nicht wie heute, den Institutionen.

Die Befüllung des Rahmens könnte die Politik getrost jenen überlassen, die es betrifft: Lehrern, Schulen, Schülern, Eltern. Warum vertrauen wir beim Kauf von Autos den segensreichen Wirkungen des Wettbewerbs, aber bei einer viel wichtigeren Sache, der Bildung, den Beteiligten nicht? Warum setzen wir bei dem, was neben der Gesundheit am wichtigsten ist, auf Einheitsangebote, die in Ministerien entworfen werden?

Wettbewerb würde dagegen stetige Innovation entstehen lassen, Innovation, die aus der Nähe zu Schülern und Lehrenden erwächst – und aus der Motivation, dass sich die Bemühungen nach besserer Bildung auch bei denen auszahlt, die sich um diese Verbesserung bemühen.

Diese Motivation gelingt durch den Markt. Weil dort Anbieter die Ernte einfahren können, wenn sie erfolgreich schaffen, wonach Menschen verlangen. Das klingt nach Utopie? Es wäre Marktwirtschaft.

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