„Die ‚digitale Gesellschaft‘ gibt es nicht“

Der Mensch überbewertet regelmäßig Entwicklungen der Gegenwart gegenüber denen der Vergangenheit. Das macht der Medienwissenschaftler Lutz Hachmeister im heutigen (01.06.2015) Feuilleton-Aufmacher deutlich. „Teilnehmer an ’netzpolitischen Abenden‘, der Digi-Messe ‚re:publica‘ oder Nutzer der brav sozialdemokratischen Website #digitalLeben bekommen große und traurige Augen, wenn man ihnen erklären muss, dass es eine digitale Gesellschaft nicht gibt“, schreibt er dort – und mir aus der Seele. Denn natürlich verändern technische Neuerungen unser Leben: Möglichkeiten nehmen zu, auch mögliche Gefahren. Die Vorstellung der vermeintliche Einzigartigkeit einer „Digitalen Gesellschaft“ ist, meiner Meinung nach, eher ein Zeichen von Egozenzentrismus, mindestens von Unwissenheit. Denn, so schreibt Hachmeister, das Digitale sei nicht einmal neu: 

„Digitale Kommunikation ist, so schon Paul Watzlawick, jede Form des codierten Transfers von Zeichen und Symbolen – wenn wir etwa K-a-t-z-e schreiben, anstatt das Bild einer Katze zu zeichnen. Das Konzept einer rechnerischen Binärcodierung entstand in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts im Kopf des Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz, der sich wiederum auf Inspirationen aus China berief. Leibniz verknüpfte sein mathematisches Interesse am ‚Calculus‘, an der Rechenmaschine, mit einem religiösen Dualismus: Die 0 ist das Nichts, die 1 repräsentiert göttliche Schöpfung und Fügung.“

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