Die Sharing-Ökonomie, also das temporäre Teilen von Ressourcen, ist bekanntlich nichts grundsätzlich Neues. Lesezirkel gibt es seit Jahrzehnten, das Teilen von landwirtschaftlichen Nutzmaschinen ist noch älter.

Doch das Internet lässt die Möglichkeiten der gemeinsamen Nutzung zunehmen. „Scheiterte das temporäre Teilen von Ressourcen in der Vergangenheit oft an hohen Such‐ und Transaktionskosten, sind diese Suchkosten als auch andere Transaktionskosten durch das Internet deutlich gesunken“, schreibt Justus Haucap im Working Paper „Ökonomie des Teilens – nachhaltig und innovativ? – Die Chancen der Sharing Economy und ihre möglichen Risiken und Nebenwirkungen

Durch das Internet sei das sehr kurzzeitige und sehr kleinteilige Teilen von Ressourcen deutlich einfacher und lohnenswerter geworden, so Haucap weiter. Wie Jeremy Rifkin schon 2000 prognostiziert habe, sei damit das Eigentum an Ressourcen zunehmend weniger wichtig, da es andere Formen des Zugangs zu den Ressourcen gebe als über das Eigentum.

Schätzungen zeigten, so Hacuap, dass

  • die Wachstumsrate in den EU27‐Ländern um 0,2 Prozent steigern könnte,
  • damit etwa eine Million neue Arbeitsplätze entstehen könnten;
  • in Deutschland die Zahl der Arbeitsplätze über fünf Jahre hinweg um zwischen 50.000 und 240.000 steigen könnte,
  • im Wesentlichen ausgelöst durch einen prognostizierten Markteintritt von etwa 40.000 neuen kleinen und mittelständischen Unternehmen.

Was diesen Wachstumsschub konkret ausgelöst habe, seien im Wesentlichen zwei Gründe:

  • Erstens reduziere das Internet die Suchkosten in ganz erheblicher Weise das „Matching“ von Anbietern und Nachfragern auch für kleine Transaktionen (wie eine kurze Stadtfahrt oder eine Übernachtung).
  • Und zweitens löse das Internet das Problem fehlenden Vertrauens zwischen ehemals weitgehend anonymen Anbietern und Nachfragern. In der Vergangenheit sei es aufgrund zahlreicher Informationsprobleme riskant gewesen, die eigene Wohnung Fremden zu überlassen oder diese im Auto mitzunehmen bzw. bei diesen mitzufahren, sodass zahlreiche Transaktionen einfach unterblieben seien, was nun über Bewertungs‐ und Reputationsmechanismen die Anonymität des Marktes überwunden werden könne, indem Vertrauen durch Reputationsmechanismen induziert werde. „Nicht zufällig ist etwa bei Uber oder AirBnB wie schon bei eBay das gegenseitige Bewerten nach einer Transaktion ein zentraler Punkt für das Funktionieren der Plattformen.“

Mit den neuen Diensten, so Haucap, stellten sich allerdings auch ordnungspolitische Fragen:

Werden etwa soziale Standards und gesetzliche Regulierungen umgangen und wird so ein unfairer Wettbewerb zwischen gewerblichen und privaten Anbietern von Autofahrten und Übernachtungs‐ möglichkeiten ausgelöst, der gewerbliche Anbieter künstlich benachteiligt? Hebelt eine Umgehung bestehender Regulierungen durch neue Anbieter eigentlich sinnvolle Regelungen aus und entstehen so Nachteile für dann rechtlich weniger geschützte Marktteilnehmer wie etwa Auftragnehmer und Verbraucher? Sind neue Besteuerungsverfahren nötig, wenn davon auszugehen ist, dass viele Transaktionen von privaten Personen in der Sharing Economy in der Regel nicht oder nur teilweise versteuert werden?

Die Politik neige bei der Sharing-Ökonomie dazu, das Kind mit dem Bade auszuschütten:

Angesichts dieser Fragen ist eine erste Reaktion vieler Politiker auf die neue digitale Konkurrenz in Europa –auch im Interesse der etablierten Anbieter, die sich nur ungern diesem neuen Wettbewerb stellen – abwehrend: Google zerschlagen, Amazon regulieren, Uber und AirBnB verbieten, so die Vorschläge.

Die Folge: Volkswirtschaftlich sinnvolle Transaktionen würden unterbunden, denn prinzipiell könnten sich durch ein gemeinsames Nutzen von Ressourcen auch im privaten Bereich sowohl ökonomische als auch ökologische Vorteile ergeben: „Je einfacher und günstiger es ist, sich ein Auto mit anderen zu teilen oder sich fahren zu lassen statt selbst zu fahren, desto weniger ist es notwendig, selbst ein Auto zu besitzen.“

Haucap plädiert deshalb etwa für die Deregulierung des Taximarktes.

Sein Fazit:

Alles in allem bietet die Digitalisierung erhebliche Chancen, die Nutzung von Ressourcen erheblich effizienter zu gestalten und damit neben ökonomischen auch ökologische Vorteile zu realisieren. Um unerwünschte Risiken und Nebenwirkungen zu vermeiden, ist eine Anpassung bestehender Regelungen notwendig. Durch verbesserte Datenübermittlungen an Finanz‐ und Aufsichtsbehörden, könnte die Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit in auch bisher schon lange kritischen Bereichen wie dem Taxigewerbe sogar eingedämmt und damit Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden.

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