Ein Markt für Schulden – oder: Warum sich Griechenland und Deutschland nicht streiten müssten

Ist ein Schuldenschnitt (es wäre der größte aller Zeiten) gut für Griechenland? Für Europa? Für die Welt?

Einiges spricht dafür:

  • möglicher Wachstumsschub nach Schuldenschnitt,
  • finanzieller Spielraum für den griechischen Staat;

anderes dagegen:

  • Schuldenschnitt könnte in Europa Schule machen,
  • möglicher Gesichtsverlust für Stabilitätsländer wie Deutschland.

Eine Entscheidung wäre leichter, würden die griechischen Schulden nicht in erster Linie von allen Europäern geschultert (80 Prozent der griechischen Schulden von 320 Milliarden Euro liegen beim Europäischen Rettungsfonds, der EZB und dem IWF), sondern von jenen, die bereit waren, dem griechischen Staat Geld zu leihen, die sich dafür entschieden haben ins Risiko zu gehen und die deshalb auch die Folgen tragen müssen.

Aber so ist es nicht. Risiko und Haftung sind bei der europäischen Schuldenkrise auseinander gefallen (genauer gesagt war Risiko und Haftung seit der Euro-Einführung nie wirklich in der gleichen Hand). Die Politik ist eingesprungen. Staaten haben anderen Staaten Geld geliehen. Jetzt hängt alles mit jedem zusammen. Und die Verantwortlichen, so sie noch im Amt sind, können sich aus selbiger stehlen.

Wie sähe die Entscheidung aus, wenn der griechische Staat seine Schulden nicht bei Staaten hätte? Würde er dann einen Schuldenschnitt durchführen?

Ein Schuldenschnitt ist nichts anderes als ein Vetragsbruch, nämlich in der Form der Nichteinhaltung des Versprechens, das geliehene Geld (mit Zinsen) zurückzuzahlen. Einen solchen Vertrauensverlust würde sich die griechische Regierung gut überlegen. Denn wer Vertrauen verloren hat, tut sich in der Zukunft schwer. Wer leiht schon jenem Geld, der in der Vergangenheit seine Gläubiger nicht befriedigt hat?

Dennoch könnte sich die griechische Regierung einen Schuldenschnitt erlauben. Sie hätte dabei aber nur eine einzige Handlungsmöglichkeit, um nach einem Schuldenschnitt neues Geld geliehen zu bekommen: Sie müsste mittels radikaler Strukturreformen glaubhaft versichern, dass die Zukunft anders wird als die Vergangenheit war. Nur so könnte sie Vertrauen zurückgewinnen.

Und so würde Griechenland mittelfristig ein wirtschaftsstarkes Land.

Aber die griechischen Schulden werden nicht am Markt verhandelt. Sondern in der Politik. Und die Politik hat es noch immer geschafft, andere für eigenes Fehlverhalten schuldig zu sprechen. Besonders gerne das Ausland. Denn da wohnen keine Wähler.

Und so wirft die deutsche Regierung der griechischen mangelnden Reformwillen vor (und lenkt damit von ihren eigenen Fehlern  – Stichwort „Vergemeinschaftung der Schulden“ – bei der europäischen Staatsschuldenkrise ab), während die neue griechische Regierung die Schuld für ihre missliche Wirtschaftslage den Auflagen der Troika und den Deutschen in die Schuhe schieben.

Der Markt kennt keine Moral, heißt es. Das kann ein Segen sein.

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Ein Gedanke zu “Ein Markt für Schulden – oder: Warum sich Griechenland und Deutschland nicht streiten müssten

  1. „Und so würde Griechenland mittelfristig ein wirtschaftsstarkes Land.“ – diese These zu glauben, fällt ein wenig schwer. Womit könnte Griechenland auf dem Markt überleben? Welche Wirtschaftszweige kann man ankurbeln? Welchen Vorteil hat Griechenland, um Investoren anzulocken? Mit Tourismus und Olivenöl (platt gesagt) kann man heute keine ganze Volkswirtschaft nähren.
    Die Reformen werden nötig sein, aber selbst nach deren Umsetzung sehe ich Griechenland als Staat in der Peripherie des Wirtschaftskerns in der EU.

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