8, 10, 62 Euro: Wie viel sind wir bereit für ein Monatsabo zu zahlen?

Netflix, Spotify, FAZ
Einen Monat unendlich viele Serien und Filme schauen: 7,99 Euro (-> Netflix). 

Einen Monat alle Musik der Welt hören: kostenlos mit Werbung oder 9,99 Euro ohne Werbung (-> Spotify).

Einen Monat ein einziges (zugegebenermaßen gutes) Nachrichtenmedium lesen: ab 1. Oktober (Print und Digital) 61,90 Euro; nur digital vermutlich 40 Euro (-> FAZ) (bei  gleichzeitiger Reduktion der Qualität). Digitalabo kostete ü

Die Zahlungsbereitschaft für Tageszeitungen stammt offensichtlich aus einer anderen Zeit. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Spotify-Netflix-Mensch für die Nutzung eines singulären Angebots wie die FAZ Monat für Monat mehr als 60 Euro ausgibt, kann nur gegen Null tendieren.

Die Preispolitik der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Erhöhung der Abopreise zu Beginn des Jahres und ab 1. Oktober) lässt sich rational einzig so erklären: Der Verlag will in das Grab, das der Strukturwandel geschaufelt hat, so viel Einnahmen wie möglich mitnehmen. Im Grunde hat eine solche Preispolitik Züge von  Altersdiskriminierung: Hohe Abopreise werden von denen abgeschöpft, die sich nicht mehr an die Welt des Internets gewöhnen wollen oder können. Dort nämlich stellt auch die FAZ den Großteil ihrer Inhalte kostenlos zur Verfügung.

Nimmt man den Saldo aus Einnahmen und Ausgaben als Maßstab funktioniert die Hochpreis-Stragie der FAZ bisher nicht: das Defizit  steigt. Ich bin mir sicher: Mit einer solchen Preispolitik wird der Zeitungsverlag seine (Print-)Leserschaft sehr bald auf eine sehr kleine Zielgruppe reduziert haben.

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11 Kommentare zu „8, 10, 62 Euro: Wie viel sind wir bereit für ein Monatsabo zu zahlen?

  1. Irgendwie verstehe ich nicht, was dieser Vergleich soll.
    Ich gehe ja auch nicht in eine Disko und beschwere mich, dass der Cocktail 8 € kostet, weil ich zuhause praktisch gratis Leitungswasser trinken kann.

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    1. Mein Punkt ist der: Wenn die Zahlungsbereitschaft für das grenzenlose Schauen von Filmen oder das Hören von Musik ab 10 Euro sich einer Schmerzgrenze nähert, dann wird kaum einer für die Nutzung eines einzelnen Mediums (sei es auch noch so gut) 60 Euro pro Monat zahlen. Vor allem dann nicht, wenn es im Internet kostenlose Substitute gibt.

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  2. Aber es geht doch hier um das Print-Produkt. Ich denke schon, dass der Wert bei einem Produkt, dass quasi jeden Tag neu „für mich“ erstellt wird höher ist als bei einen Streaming-Dienst. Der günstige Preis entsteht ja auch durch die Skaalen-Effekte und der hohen (weltweiten) Verbreitung der Dienste…

    Das ist ein Vergleich von Äpfeln und Birnen hier.

    Abgesehen davon: Wie schon richtig festgestellt sind wir nicht die Zielgruppe. Wenn die Verlage klug sind werden sie in Zukunft neue Geschäftsmodelle entwickeln, die an die „Generation Internet“ zugeschnitten sind.

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    1. Abgesehen davon: Wer sagt das 10€ für Streaming-Dienste wirklich die Schmerzgrenze ist. Ich denke man könnte schon mehr verlangen, aber man muss eben mit „kostenfreien“ alternativen wie illegale Downloads konkurieren.

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    2. Ich sehe den Punkt, dass die Formate unterschiedlich sind („Äpfel mit Birnen), und dass das größere Publikum von Netflix und Spotify einen günstigeren Preis ermöglicht. Meine Sicht ist aber die Kundenperspektive: Am Ende kaufen die Menschen Produkte, bei denen aus ihrer Sicht das Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Und da glaube ich, dass die Verlage die Realitäten verkennen, dass nämlich die Zahlungsbereitschaft, auch ob der günstigen Angebote anderer Medien, zurückgeht und nicht steigt.

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    3. Zum Thema „Schmerzgrenze“: Man könnte es doch auch mit Sky vergleichen, da kostet das Abo (komplett) ab 34,90 im Monat. Also in etwa so viel wie die digitale FAZ.

      Klar: letzten Endes sprechen die Abo-Zahlen eine deutliche Sprache.

      Ich bezweifle nur, dass das an den günstigen Angebote anderer Medien liegt und nicht an den direkten (und kostenlosen) Konkurrenz von Online-Nachrichtenseiten.

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  3. Äpfel und Birnen, in der Tat. Die Produktionskosten einer tagesaktuellen Zeitung, geschrieben in einer Sprache und gelesen in nur einem Land (meinetwegen dreien, wenn wir Ö/CH mal höflichkeitshalber mitählen wollen) mit einer jahrelang haltbaren Serie, einem Film oder Musikalbum für die Ewigkeit zu vergleichen, mit der/dem ein weltweites Publikum angesprochen wird und die sich -zigfach vermieten und verkaufen lässt – das ist schon hanebüchen.

    Ganz abgesehen davon, daß die Streamingdienste auch nur legale Ausplünderung der Künstler sind und wenn der grosse Plattformkrieg erst einmal beendet ist und entschieden wurde, welches Streamingportal am Ende die Macht hat, wird dieses natürlich die Preise drastisch anziehen und „heult doch“ sagen.

    Sehr schön hat das übrigens hier jemand zum neuen U2-Deal mit Apple zusammengefasst: “Free is no longer enough”.
    View story at Medium.com

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  4. Ich zahle null für die FAZ, lese sie aber auch nicht. Ich würde 5 für das volle online Angebot zahlen. Das wären ja dann 5 mehr als Null. So bekommen sie nix.

    Ich habe über 10 Jahre genau 0 für Musik ausgegeben. Seit Spotify zahle ich £120 im Jahr. Damit verdient die Industrie deutlich mehr an mir als vorher. Spotify Kontroversen hin oder her.

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  5. Die Preispolitik der FAZ ist in der Tat realitätsfremd. Ich glaube auch nicht, daß sie online oder mobil schon nennenswerte Erträge erzielen. Das Problem liegt darin, daß sie den Preis aus dem Produkt ableiten und nicht aus der Zahlungsbereitschaft der potentiellen Leser. Johannes‘ Vergleich mit den Streamingdiensten ist in dieser Hinsicht sehr erhellend.

    Wenn sie überhaupt noch Erfolg haben wollen, dürfte das Digitalabo MAXIMAL 7-8 Euro kosten, eine Einzelausgabe der Sonntagszeitung MAXIMAL 1 Euro. Und selbst dann müßten sie noch kräftig an der Leistung schrauben.

    Bizarres Denken ihrer Produktentwickler.

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