Fortschritt für den Umweltschutz? Warum wir uns mit Prognosen so schwer tun

Der Mensch neigt dazu, seine Erfahrungen der Vergangenheit in die Zukunft fortzuschreiben. Und vergisst dabei, dass unser Verhalten sich in aller Regel an die Umstände anpasst. Ändern sich die Umstände, ändern wir unser Verhalten.

Die Ökonomie ist auf diesem Auge nicht blind (Stichwort „Elastizitäten“) und überrascht bisweilen den interessierten Laien.

Beim Thema Umwelt geschieht dies besonders häufig. Vielleicht auch, weil dort besonders oft in den Kategorien „schwarz“ und „weiß“ gedacht, gesprochen und geschrieben wird. Entweder steht die Welt (mal wieder oder immer noch) am Abgrund oder Umweltschutz wird ignoriert.

So können Elektroautos (Model S von Tesla) heute aussehen. Wer hätte das vor 20 Jahren prognostiziert?
So können Elektroautos (Model S von Tesla) heute aussehen. Wer hätte das vor 20 Jahren prognostiziert?

Unser Bild der Wirklichkeit stimmt eben nur bedingt mit dieser überein, und veränderte Lebensbedingungen ändern unser Verhalten. So hat etwa unser Wohlstandsanstieg in Folge des Fortschritts der vergangenen 200 Jahre nicht dazu geführt, dass wir ausschließlich unseren materiellen Reichtum gemehrt hätten. Wir arbeiten auch weniger als früher. Die Folgen des Fortschritts wurden sozusagen aufgeteilt: Wir gönnen uns mehr Faulheit und mehr Konsum; wir haben eben nicht nur einen Wunsch maximiert (zumindest die meisten nicht).

So verhält es sich auch beim Umweltschutz. Als die Motoren immer effizienter wurden, träumte die Welt vom 3-, 2- und 1-Liter Auto und vergaß, dass die Menschen noch andere Wünsche haben als die Umwelt zu schützen. Sie wollen auch Komfort und Sicherheit. Deswegen wiegt ein Golf heute doppelt so viel wie vor 30 Jahren – und verbraucht nur bedingt weniger.

Weil wir uns also den Bedingungen anpassen, könnte sich auch ein aktuelles Umweltthema anders entwickeln als viele heute glauben. Der Elektromobilität steht möglicherweise in absehbarer Zeit der Durchbruch bevor. Denn es spricht wenig dafür, warum die bestehenden Speicherprobleme (vor allem geringe Reichweite) nicht durch viele kluge Köpfe gelöst werden. Viele sprechen vom bevorstehenden grünen Zeitalter, weil die Energie für das Elektro-Auto auch von regenerativen Energien stammen kann. Wahrscheinlicher: Es wird von der günstigsten Energiequelle kommen. Das wäre ein entscheidender Vorteil des Elektroautos: dass der Mobilitätsverbrauch viele Quellen haben kann.

Wenn aber die Auswahl und damit das Angebot wächst, sinkt der Preis. Sinkt aber der Preis der Mobilität, wird diese zunehmen. Gute möglich also, dass wir vor einer weiteren rasanten Zunahme des Induvidualverkehrs stehen; mit all seinen erfreulichen (mehr persönliche Freiheit) und all seinen problematischen Seiten (Umweltverschmutzung, Lärm, Gefahr). Die (Um)Welt ist eben nicht schwarz-weiß, sondern bunt.

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