Am Fernsehen olé, fürs Land o weh: Was die Fußball-WM mit Brasilien macht

Wenn diese Erkenntnis Mehrheitsmeinung wird, dann wird es für die Fifa und das Internationale Olympische Komitte zunehmend schwieriger werden, in demokratischen Staaten Abnehmer für ihre Sportgroßveranstaltungen (Fußball-WM, Olympische Spiele) zu finden:  „Die positiven volkswirtschaftlichen Effekte von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen sind für die Gastgeberländer meist verschwindend gering“, sagt Dr. Jörn Quitzau, Volkswirt bei der Privatbank Berenberg. Er hat in der Studie „Strategie 2030 – Brasilien und die Fußball-WM 2014“ mit Prof. Dr. Henning Vöpel, Volkswirt am Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI), die wirtschaftlichen Perspektiven Brasiliens vor dem Hintergrund der Fußball-WM untersucht.

Kernaussagen der Studie:

  • Die im Vorfeld erstellten Kosten-Nutzen-Analysen überzeichnen regelmäßig die positiven Effekte.
  • Das brasilianische Wirtschaftsministerium hatte geschätzt, dass die Fußball-WM 2014 rund 5,5 Milliarden US-Dollar an Einnahmen aus dem Tourismus erlösen wird. Dagegen stehen die immensen Ausgaben zur Durchführung der WM – in Brasilien wurden 10 Milliarden Euro vor allem für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, Stadien sowie die Sicherheit ausgegeben.
  • Hohe Ausgaben für Sportereignisse sind gerade in Schwellenländern in Konkurrenz zu anderen staatlichen Programmen wie z.B. Bildungsinvestitionen zu setzen. „Es gilt, Wohlfahrtsgewinne von Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen den Wohlfahrtsgewinnen alternativer Maßnahmen gegenüberzustellen“, so Quitzau.
  • Allerdings: „Intern kann die WM zumindest kurzfristig zu mehr Zusammenhalt und Stolz in der Bevölkerung beitragen“, sagt Vöpel. Eine gute Referenz für Brasilien seien die Erfahrungen, die Südafrika mit der Ausrichtung der WM 2010 gemacht hat, so der Volkswirt. Wenngleich die direkten wirtschaftlichen Auswirkungen nach wie vor schwierig zu messen sind, hat die WM nach vier Jahren rückblickend zum Nation Building Südafrikas beigetragen.

Fazit von Vöpel und Quitzau: „Brasiliens Chancen auf einen Titelgewinn bei der WM sind ungleich größer als eine schnelle Lösung seiner tiefgreifenden wirtschaftlichen und politischen Probleme.“

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