Lasst den Superreichen superviel: Ein Plädoyer für Reichtum

Vor einigen Jahren wurde im US-amerikanischen Profi-Football eine Gehaltsobergrenze eingeführt. Sie traf die Superstars der Szene. Andrew Luck, Quaterback der Indianapolis Colts, war einer der ersten „Betroffenen“ gewesen. Er erhielt für einen Vier-Jahres-Vertrag 22 Millionen Dollar. Zwei Jahre zuvor hatte Sam Bradford noch 78 Millionen Dollar bekommen.

Im Freakonomics-Podcast Why America Doesn’t Love Soccer (Yet) wird Luck (ab Minute 31:50 ) gefragt, ob er sich damals über die neue Regel geärgert habe, dass er eben statt sehr, sehr, sehr viel Geld nur sehr, sehr viel Geld verdient habe. Schlaflose Nächte hätte ihm dies nicht bereitet, sagt Luck so lässig wie möglich. Eine andere Antwort, etwa dass er den vielen Millionen gerne noch viele Millionen mehr hinzugefügt hätte, ist wohl selbst in den USA nicht möglich. Er müsste mit dem größtemöglichen Unverständnis rechnen.

Denn erstens wird Menschen, die reich sind und gerne noch reicher werden wollen, Gier und Egoismus vorgeworfen. Zweitens, so wird der Durchschnittsverdiener argumentieren, sei es doch egal, ob man im Jahr eine Million verdiene oder 10 Millionen oder 50 Millionen. So viel Geld könne ein Einzelner sowieso nicht ausgeben.

Was dabei gerne vergessen wird: Reichtum ist relativ. Ein Netto-Monatseinkommen von 2000 Euro ist in manchen Teilen der Welt der Himmel auf Erden. Für diese Menschen mag unser Versuch, das Einkommen zu erhöhen, ähnlich irritierend wirken, wie für uns die Wohlstandsmehrung von Millionären.

Außerdem: Wer glaubt, ein Millionär wüsste mit einer zusätzlichen Million nichts anzufangen, dem fehlt es an Fantasie. Zum Beispiel tun Menschen gerne Gutes. Wer etwa sein Geld Ärzte ohne Grenzen gibt, kann anderen helfen. Und er kann um so mehr helfen, je mehr er gibt. Wie viele Menschenleben lassen sich mit 1 Million Euro retten? Wie viele mit 10 Millionen? Und mit 100 Millionen?

Der Microsoft-Gründer Bill Gates hat die finanzstärkste Stiftung der Welt gegründet. Stiftungskapital: 36,2 Milliarden Dollar. Welche Menschen hätten das Geld erhalten, wenn es dem Milliardär Gates genommen und zum Staat geflossen wäre, wie es etwa der französische Staatspräsident François Hollande mit einem Steuersatz von 75 Prozent ab Einkommen von mehr als eine Million Euro vorhatte?

Die Befürworter einer solchen Hochsteuer werden mit Gerechtigkeit argumentieren. Dass dadurch notwendige Umverteilung möglich würde. Ich frage mich: Warum glauben viele, dass die Institution Staat Menschen mehr und besser helfen kann, als Menschen sich gegenseitig, von Mensch zu Mensch sozusagen?

Im Übrigen: Millionäre müssen ihr Geld nicht an Ärzte ohne Grenzen geben, um anderen Gutes zu tun. Auch der (egoistische) Kauf, etwa eines Porsches, schafft das. Er bringt  Einkommen, zum Beispiel in den Speckgürtel von Stuttgart.

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