Tatwaffe Auto: Warum werden Verkehrsunfälle mit Todesfolge schwächer bestraft als andere Tötungsformen?

Wie begeht man den perfekten Mord?

Die schlichte Antwort im (wie immer interessanten wie kurzweiligen) Freakonomics-Podcast „The perfect crime„:  mit der perfektesten, weil unverdächtigsten aller Mordwaffen, dem Auto.

Freilich sollte der „Unfall“ einigermaßen zufällig aussehen. Dann aber sei die Motivation (Mord) nur schwer nachweisbar.

Hinzu kommt: Die Strafen für Tötungen mit dem Auto sind im Vergleich zu anderen Tötungsformen deutlich geringer, zumindest in den USA, vor allem in New York (kennt jemand die Gesetzgebung/Rechtssprechung in Deutschland?).

So gab es etwa in New York zwischen 2008 und 2012 1.300 Verkehrsunfälle mit tödlichem Ausgang für Fußgänger. Aber nur 66 Fahrzeughalter wurden zu einer Gefängnisstrafe verurteilt.

Warum das so ist?

Weil viele Menschen (Mehrheit) Auto fahren und die Mehrheit die Politik und damit die Gesetzgebung (mit)bestimmt und weil sich jeder Autofahrer ausmalen kann, selbst in eine solche Situation zu geraten, dass nämlich ein kleiner Fehler dramatische Konsequenzen hat, und man dann nicht für Jahre ins Gefängnis möchte.

Dieser Argumentationskette folgt jedenfalls Jura-Professorin Lisa Smith (ab Minute 4:55).

Eine mögliche Folge der laxen Bestrafung: viele Tote (vorausgesetzt das Strafmaß beeinflusst Fahrverhalten).

50,2 Prozent aller getöteten Verkehrsteilnehmer in New York im vergangenen Jahr waren Fußgänger (absolut: durchschnittlich 150 pro Jahr, im Vergleich die Zahl aller – also nicht nur Fußgänger – in Berlin 2013 getöteten Verkehrsteilnehmer: 37), landesweit sind es in den USA dagegen lediglich 14 Prozent (im Podcast ab Minute 7:27).

Freilich ist die Zahl nur bedingt aussagekräftig, weil der Anteil der Fußgänger am Straßenverkehr in New York deutlich höher ist (auf der anderen Seite verhalten sich New Yorker Fußgänger wesentlich umsichtiger, sie sind sich der Gefahren bewusster).

In der Wirkung ist diese Freakonomics-Folge ein Plädoyer für ein Umdenken im Straßenverkehr. Warum, fragt sich Freakonomic Stephen Dubner gegen Ende des Podcast (ab Minute 19),  wird so wenig gegen tödliche Fußgängerunfälle unternommen? Warum akzeptieren wir diese Tragödien?

Die Antwort folgt im Podcast selbst: Weil jedes einzelne Drama nicht groß genug ist, es auf die Titelseite von Zeitungen zu schaffen („It won’t make it to the frontpage of a newspaper“). Wir unterschätzen eben systematisch Gefahren, die einzelne betreffen und häufig auftreten (Verkehrsunfälle), und wir überschätzen Gefahren, die selten sind, aber dann eine große negative Wirkung haben (Flugzeugabstürze oder Naturkatastrophen).

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