Warum der Mindestlohn Arbeitgeber glücklich macht (und hunderttausende Arbeitnehmer unglücklich)

Die Regierung liefert, was sie im Koalitionsvertrag versprochen hat. Ab 1. Juli werden die Älteren zufrieden gestellt, ab kommendem Jahr die Menschen mit niedrigem Einkommen. 8,50 Euro wird ab 1. Januar 2015 der gesetzliche Mindestlohn betragen. Mindestens 4,6 Millionen Deutsche werden davon betroffen sein, vermuten Hagen Lesch, Alexander Mayer und Lisa Schmid vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Viele werden aber nicht nur be-, sondern vor allem getroffen sein: Patrick Arni, Werner Eichhorst, Nico Pestel und Alexander Spermann prognostizieren, dass 570.000 Stellen durch die Einführung des Mindestlohns wegfallen.

„Erstens werden nach unseren Schätzergebnissen etwa 570.000 Menschen ihre Jobs verlieren. Die Dauer ihrer Arbeitslosigkeit ist jedoch eine unbekannte Größe. Je länger die Menschen in Arbeitslosigkeit verbleiben, desto höher sind die fiskalischen Kosten. Soweit insbesondere Geringqualifizierte und Ostdeutsche von Arbeitslosigkeit betroffen sind, ist mit einer längeren Arbeitslosigkeit und damit auch entgangenen Erträgen bzw. höheren Sozialausgaben auf längere Sicht zu rechnen.“

Und nicht nur das: Mittelfristig wird der Mindestlohn auch für die Steuerzahler teuer werden. Das lehrt die Erfahrung bei Einführung des Mindestlohns in anderen Ländern. Werden die negativen Auswirkungen des Mindestlohns spürbar (zum Beispiel in Form des Anstiegs der Jugendarbeitslosigkeit), wird nach dem Staat gerufen. Aber nicht in Form der Abschaffung der Mindestlöhne, sondern der Ruf nach Subventionen wird laut. Geld, das in erster Linie zu den Unternehmen fließt. In Frankreich unterstützt der Staat den Mindestlohn mittlerweile in Höhe von 2 Prozent des Bruttoinlandprodukts, heißt es in der IW-Studie:

Es ist weitgehend unbestritten, dass der hohe französische Mindestlohn eine Belastung für den französischen Arbeitsmarkt darstellt. Dies gilt besonders für jüngere Arbeitnehmer. Ein hoher Anteil der jungen Arbeitnehmer in Frankreich gilt als nicht ausreichend qualifiziert, um so viel Leistung zu erwirtschaften, wie sie ein hoher Mindestlohn voraussetzt. …. Trotz unterschiedlicher Befunde ist klar, dass die Arbeitsmarkteffekte negativer ausfallen würden, wenn die Regierung den Mindestlohn nicht massiv subventionieren würde. Die Lohnsubventionen spielen gerade für die Beschäftigungschancen von Geringqualifizierten eine ganz entscheidende Rolle, weil die Arbeitsnachfrage sehr elastisch auf sinkende Arbeitskosten reagiert. … Als Fazit der französischen Mindestlohnerfahrungen lässt sich festhalten: Der Mindestlohn ist sehr hoch und die Arbeitsnachfrage reagiert sehr elastisch auf Änderungen der Arbeitskosten. Um die negativen Beschäftigungswirkungen des hohen Mindestlohns abzumildern, erhalten die Arbeitgeber Lohnsubventionen in Höhe von 2 Prozent des BIP.

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