Geschäftsmodell “Zuverlässigkeit”: Mit Monotonie Geld verdienen

Der Mensch neigt am Morgen zu einer gewissen Monotonie. Wahrscheinlich braucht er das, um gut in den Tag zu starten. Tägliche Wiederholung spart das, was direkt nach dem Aufstehen noch spärlich vorhanden ist: Schaffenskraft.

Die Tageszeitungen haben auf Basis dieser menschlichen Eigenschaft ein goldenes Zeitalter erlebt (Zeitung zum Frühstück = tägliche und planbare Einnahmen). Aus meiner Zeit bei einer Tageszeitung erinnere ich mich, mit welch großem Aufwand Kunden, denen am Morgen “versehentlich” keine Zeitung geliefert worden war (Austräger hatte verschlafen, war betrunken oder unabgemeldet verreist), die fehlende Zeitung innerhalb kürzester Zeit zugestellt wurde. Die schlechte Laune der Kunden (keine Zeitung zum Frühstück) rechtfertigte den (finanziellen) Aufwand. Vor allem, weil ein einmal verlorener (Abo-)Kunde, dauerhafte Einnahmeverluste zur Folge hatte. Deswegen war im Übrigen auch die Auswahl und  Betreuung der Zeitungsausträger eine ebenfalls wichtige Aufgabe im Verlag. Kurz vor dem Ziel (Einwurf der Zeitung in Briefkasten) brach die Lieferkette am häufigsten (und doch war der Anteil der nicht-gelieferten Zeitungen, auch in Anbetracht der lausigen Bezahlung, erstaunlich gering).

Wo mir die gleiche Zuverlässigkeit eben auffiel: bei meinen beiden Frühstücksdealern – Einstern (frisch gepresster Saft, 2,80 Euro) und Manolo (doppelter Espresso, 2,10 Euro). Diese meine fast tägliche Gewohnheit wurde noch nie von einem der Ladenbesitzer unterbunden. Geschlossen wegen Urlaub (oder andere Gründe) kennen beide Geschäfte nicht. Sie sind 7 Tage die Woche, das ganze Jahr geöffnet, also für die Kunden da.

It’s a customer’s life we live, weil die Nachfrage (in diesem Fall nach “Zuverlässigkeit am Morgen”) das Angebot schafft. I like markets.

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Published by Johannes Eber

Berlin-based economist, senior consultant at Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) and co-founder of the media agency Solokarpfen.

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