Der ehrliche Bodybuilder ist der Dumme – oder: Krafttraining ökonomisch betrachtet

Durchtrainiert sein, ist in. Krafttraining ist mittlerweile beliebter als Fußball. Weil der gesund aussehende Körper nicht nur Zeichen von Fortpflanzungsfähigkeit ist, sondern auch (da Männer, anders als manch tierische Geschlechtergenossen, nicht nach dem Sexualakt vom Weibchen gefressen werden – zumindest äußerst selten) ein Signal für die Fähigkeit, potenzielle Nachkommen auch aufziehen zu können.

Fitnessstudios an jeder Ecke (7,6 Millionen Deutsche zieht es regelmäßig an Cardiotrainer, Hanteln und Beinpressen) und der Boom von Fitnessapps zeigen, was wir schon lange wissen: Fast nichts (nur das eigene Leben) ist dem Menschen wichtiger als die Fortpflanzung.

An einer branchenspezifischen Besonderheit wird die Motivationen der Kunden von Fitnessstudios deutlich: der langfristigen Bindung durch Verträge. Jeder Unternehmer träumt von stetigen Einnahmequellen. In der Fitnessbranche werden die Träume erfüllt. Hier stößt der Wunsch der Anbieter auf die Gegenliebe der Nachfrager. Denn letztere erhoffen sich durch die dauerhaft verpflichtende Bezahlung, sich längerfristig zu quälen. Weil: Nur ein langfristiges Invest (Muskelaufbau braucht Zeit) verspricht eine fürstliche Auszahlung (mehr und/oder bessere Sexual- und/oder Beziehungspartner).

Doch Muskeln alleine reichen nicht. Eine zweite Komponente ist im Mainstream heutiger Begegnungsformen unerlässlich: die Lässigkeit. (Essens-)Disziplin und Mühen der Körperformung stehen im auffälligen Kontrast zur Art der Körper-Zurschaustellung. Die Kleidung verwaschen, mit (vermeintlich) ausgefransten Nähten, und mit einem Bier in der rechten, einer Zigarette in der linken Hand lautet die Botschaft: Nichts muss, ich bin entspannt, kann mich gehen lassen, lebe für den Augenblick – und sehe dennoch blendend aus.

Warum die Diskrepanz? Warum nach außen so tun, als sei die Körperformung kein Kraftakt gewesen? Vielleicht wegen des wichtigen Anscheins von Jugendlichkeit. Jugendlichen sieht man ja tatsächlich drei durchgemachte Nächte am vierten Tag kaum an. Und Jugendlichkeit ist eben ein entscheidendes Attraktivitätsmerkmal (bessere Fortpflanzung und bessere/längere Aufzuchtwahrscheinlichkeit).

Der Ehrlich ist derweil der Dumme: Der Bodybuilder etwa wird belächelt, weil er mit jedem Muskel die Anstrengung ausdrückt, die er in seinen Körper gesteckt hat. Das wollen nur Bodybuilder sehen.

Die anderen lassen sich täuschen.

Keinen Post verpassen? Folgen Sie dem Pixelökonom auf Facebook, Twitter, Google+ oder abonnieren Sie den RSS-Feed.

3 Gedanken zu “Der ehrliche Bodybuilder ist der Dumme – oder: Krafttraining ökonomisch betrachtet

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s