Einkommensspreizung ein Wahlkampfthema? Ja, aber nur aus Angst!

Die Lohnentwicklung in Deutschland geht seit Mitte der 90er Jahre auseinander. Höhere Einkommen werden höher, niedrige niedriger. In den unteren Lohngruppen „ist die Wachstumsrate seit Mitte der 90er Jahre negativ, oben positiv“, schreibt Professor Norbert Berthold auf dem Blog „Wirtschaftliche Freiheit“.

Die Entwicklung in Deutschland unterscheidet sich demnach wenig von der in anderen reichen Ländern der Welt.

Bei der Verteilung der Einkommen ist weltweit nichts mehr wie es einmal war. International nähern sich die Einkommen an. Die ärmeren Länder holen auf, die Welt wird gleicher. Dieser weltweit konvergente Prozess ist national nicht zu beobachten. Die Einkommen entwickeln sich auseinander, die Nationen werden ungleicher.

So weit, so bekannt. Auch die Ursachen sind weitgehend identifiziert: Globalisierung und technischer Fortschritt.

Technischer Fortschritt und Globalisierung sind wichtige Treiber der Ungleichheit. Eine spezifische Art von technischem Fortschritt – „skill biased” – erhöht die Nachfrage nach qualifizierter Arbeit. Gleichzeitig bindet die Globalisierung weniger entwickelte Länder stärker in die internationale Arbeitsteilung ein. In reichen Ländern sinkt die Nachfrage nach einfacher Arbeit. Dort werden Reiche reicher und Arme ärmer. Diese Entwicklung ist allerdings nicht überall so eingetreten. In einigen Ländern stieg die Nachfrage nach qualifizierter und wenig qualifizierter Arbeit, während die Nachfrage nach „mittleren“ Qualifikationen zurückging.

Spannend im Post von Norbert Berthold ist die Frage, inwieweit die Mittelschicht von der Entwicklung betroffen ist.

Allerdings ist das Thema politisch erst interessant, wenn die wählerwirksame Mittelschicht verteilungspolitisch ins Trudeln gerät. Das scheint nun auch in Deutschland der Fall zu sein. Jedenfalls äußert die Mittelschicht in Umfragen regelmäßig ihre Angst, wirtschaftlich abzustürzen.

Tatsächlich deckt sich das persönliche Empfinden der deutschen Mittelschicht nicht mit der Realität. Berthold kommt zu dem Schluss, dass ein „Abstürzen“ der Mittelschicht in Deutschland nicht belegbar ist.

Die Entwicklung der Lohnverteilung gibt keine Anhaltspunkte, dass die Mittelschicht ins Trudeln gerät. Von einer Polarisierung der Löhne ist (noch) nichts zu sehen. … Damit sind die Ergebnisse hierzulande andere als etwa in der Schweiz, wo die Löhne oben und unten stärker steigen als in der „Mitte“.

Und was kann man gegen die Lohnspreizung tun?  Aufstiege ermöglichen. Durch bessere Bildungsangebote für alle und einen Arbeitsmarkt, der Mehr-Arbeit und höhere Einkommen attraktiv macht. Darin liegt, ohne Zweifel, eine der großen Herausforderungen Deutschlands.

Nochmals Norbert Berthold:

Die beste Antwort auf diese Herausforderungen ist eine intakte soziale Mobilität. Es spricht allerdings vieles dafür, dass gerade auf diesem Felde in Deutschland einiges im Argen liegt.

 

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