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Nichts ist umsonst: Was die Rettung Zyperns lehrt

Der EU-Beschluss, die Kunden zyprischer Banken an den Kosten der Rettung zu beteiligen, wird von vielen kritisiert. Auch von dem von mir geschätzten Politikberater Michael Spreng auf Carta.

Die Guthaben kleiner Leute seien zum Spielball der Rettungspolitik geworden, schreibt Spreng. Und weiter:

Dies wird Nachwirkungen haben in Spanien, Italien, Portugal und Irland. Wer um sein Erspartes Angst hat, wird es künftig wieder unters sprichwörtliche Kopfkissen legen. Aber auch in Ländern, die bisher noch nicht von der Krise direkt betroffen sind, werden die Menschen um ihre Ersparnisse bangen. In diesen Ländern waren die Folgen der Rettungspolitik bisher abstrakt, jetzt werden sie plötzlich sehr konkret. Garantien können, das zeigt Zypern, von heute auf morgen außer Kraft gesetzt werden.

Was Spreng als Gefahr sieht, ist für mich notwendige Bewusstwerdung; dass es nämlich ein Irrglaube ist, alle Staatstitel und alle ins Wanken geratenden Banken Europas könnten schmerzlos gerettet werden.

Schlimmer: Eine vermeintlich vollumfängliche Rettung ist nicht nur eine Illusion, sondern verfestigt den falschen Anreiz, die Politik von gestern und heute auch morgen noch fortzusetzen. Mit der Folge, dass die Probleme verschoben und noch größer werden.

Denn die Krise von Staaten und Banken hat ihre Ursache in falschen Anreizen:

  • Staaten neigen zur Verschuldung, wenn sie gegenwärtige Wählerwünsche befriedigen und die Lasten auf zukünftige (Politiker-)Generationen verschieben können. Die Aussicht, im Krisenfall von anderen Staaten gerettet zu werden, verschärft diesen Anreiz – und erhöht die Verschuldung.
  • Die Rettungsaussicht führt bei Banken dazu, in besonders risikoreiche Anlagen zu investieren. Im Erfolgsfall (hohe Rendite) verdienen Bankeigentümer und Kunden, gehen die Invests schief, springt der Steuerzahler in die Bresche.

Die Folge im aktuellen Fall: Wer die Banken in Zypern rettet, erhöht die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Bankenpleiten.

Erst eine Risikobeteiligung führt zum Umdenken. Erst wenn die Banken nicht mehr darauf vertrauen können, vom Steuerzahler gerettet zu werden, werden die Bankkunden darauf achten, wem sie ihr Geld geben. Und erst dann werden die Banken anfangen, das Geld ihrer Kunden verantwortungsvoller (sicherer) anzulegen.

Man kann die politische Entscheidung zu Zypern kritisieren, in dem Sinne, dass sie alle über einen Kamm schert, das Signal, das ausgesendet wird, ist in doppelter Hinsicht richtig:

  1. Es gibt den Sparern einen guten Ratschlag: Schaut in Zukunft genauer darauf, wem ihr euer Geld anvertraut!
  2. Rettung gibt es nicht umsonst.

Der Preis, den wir zahlen werden, wird so lange steigen, bis wir Risiko und Haftung wieder in die selben Hände legen.

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By Johannes Eber

Berlin-based economist, senior consultant at Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) and co-founder of the media agency Solokarpfen.

3 replies on “Nichts ist umsonst: Was die Rettung Zyperns lehrt”

Wenn ein Bankkonto zum Risiko wird dann frage ich mich schon warum die EU darauf bestehen will, dass jeder Bürger in Zukunft ein Girokonto haben soll? Wird hier Enteignung in großem Stil vorbereitet?

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Ich sehe es etwas anders. Eine Bankeinlage ist normalerweise kein Investment, kein Geschäft auf Risiko. Das Risiko sind die Anteilseigner der Banken eingegangen, diese müss(t)en auch bei katastrophalen Verlusten haften.

Das wäre auch im Frühjahr 2010 die beste Lösung für Griechenland und für den ganzen Euro-Raum gewesen: Schuldenschnitt bei gleichzeitiger Einlagensicherung. Aber unsere Politiker wollten es sich ja nicht mit ihren Banken verscherzen.

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